Volleyball: Frauen-Bundesliga USC-Präsident Jörg Adler zieht Bilanz: „Ich habe eine Menge gelernt“

Münster -

Vier Jahre führte Jörg Adler (72) den USC Münster als Präsident. Am Mittwoch nächster Woche gibt er den Stab weiter. Im Interview zieht der ehemalige Zoodirektor eine Bilanz. Adler über Fehler, Trennungen, Erfahrungen und Sternstunden.

Von Wilfried Sprenger
Jörg Adler auf der Tribüne. Der 72-Jährige wurde 2014 zum Präsidenten des USC gewählt.
Jörg Adler auf der Tribüne. Der 72-Jährige wurde 2014 zum Präsidenten des USC gewählt.

Am 22. September 2014 wurde Jörg Adler, der ehemalige Direktor des Allwetterzoos, einstimmig zum Präsidenten des Volleyball-Bundesligisten USC Münster gewählt. „Ich bin emotional sehr aufgewühlt. Es ist ein unglaubliches Gefühl, hier vor ihnen zu stehen“, sagte der damals 68-Jährige in einer ersten Reaktion zu den Mitgliedern. Auf der Jahresversammlung nächsten Mittwoch schließt sich der Kreis für Adler. Nach vier Jahren als Chef der Unabhängigen stellt er sich nicht mehr zur Wahl.

Herr Adler, verraten Sie doch bitte, was Ihnen in den letzten Tagen als USC-Präsident so durch den Kopf geht ...

Adler: Viel, es war ja eine sehr bewegte Zeit mit Höhen und Tiefen. Momentan werde ich ein wenig wehmütig.

Dann bleiben Sie doch noch ein bisschen ...

Adler: Nein, die Entscheidung, das Amt in andere Hände zu geben, habe ich ja schon vor einigen Monaten getroffen. Ich bin überzeugt, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Der Verein ist sportlich auf einem guten Weg, auf Vorstandssitzungen wird sogar wieder gelacht. Wirtschaftlich sind wir auch gut aufgestellt. Erstmals seit vielen Jahren schreibt der USC zudem ein positives Jahresergebnis.

Aber aus dem Schneider ist der Club damit nicht ...

Adler: Nein, Verbindlichkeiten lassen sich nun einmal nicht einfach über Nacht abbauen.

Erlauben Sie einmal, Beruf und Ehrenamt zu vermischen. Was war schwieriger für Sie: den Allwetterzoo zu führen oder Präsident des USC zu sein?

Adler: Die Aufgabe beim USC. Und zwar ungleich. Ich war ja totaler Außenseiter, habe gedacht in eine heile Welt zu kommen und war stolz, es machen zu dürfen.

Und mussten dann nach nur wenigen Monaten den langjährigen Trainer Axel Büring entlassen ...

Adler: Wichtige Partner des USC haben sich das gewünscht. Als Präsident habe ich die Entscheidung mitverantwortet. Obwohl die Trennung richtig war, ist sie mir sehr nahe gegangen. Ich bin sehr glücklich, dass Axel heute wieder bei uns ist. Er ist immens wichtig für den USC. Dass es gelungen ist, ihn als Sportdirektor zurückzuholen, zählt ganz sicher zu den Sternstunden in meiner Amtszeit als Präsident.

Nach Axel Büring kamen Andreas Vollmer und Benedikt Frank als Trainer-Doppelspitze. Sie haben damals sehr laut verkündet, dass der USC nun oben angreife und sich die Konkurrenz warm anziehen müsse ...

Adler: Das war schlimm, für diese Aussagen schäme ich mich heute noch. Ich war geblendet und habe mich infizieren lassen, ein großer Fehler.

Aber sportlich lief es doch gut. Münster kam in der Saison 2015/16 bis ins Halbfinale ...

Adler: Das war die eine Seite. Tatsächlich hat uns dieser Angriff einen Haufen Geld gekostet, nachher hatten wir dann einen Sack voller Schulden. Schon auf der Feier anlässlich des dritten Platzes war die Stimmung nicht gut. Es gab einige Konflikte, Differenzen, und hinter den Kulissen hat es richtig gekriselt.

Das hat der Präsident zu spüren bekommen. Ihr persönliches Ergebnis bei der Wiederwahl im September 2016 mit Enthaltungen und Gegenstimmen war doch eine kleine Ohrfeige ...

Adler: Sie dürfen mir das abnehmen, wenn ich sage, dass ich nicht im Mindesten überrascht war. Ja, ich habe sogar vollstes Verständnis für den Gegenwind gehabt und das Wahlverhalten einiger Mitglieder gehabt.

Zur Person

Jörg Adler wurde 1946 in Leipzig geboren. Zur Wendezeit kam er mit seiner Familie ins Münsterland. Im Allwetterzoo arbeitete er zunächst als zoologischer Assistent wie zuvor im Leipziger Zoo. 1994 wurde Adler dann Direktor. Im Dezember 2015 wurde er dort in den Ruhestand verabschiedet. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits länger als ein Jahr Präsident des USC Münster Im Oktober wurde Adler für seine Verdienste um den Artenschutz mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Das müssen Sie erklären ...

Adler: Es war ja bekannt, dass Vizepräsident Jürgen Schulz, ein Urgestein des USC, und ich nicht mehr miteinander konnten. Er hat Vereinbarungen nicht eingehalten und den Übervater gegeben. Da war am Ende kein Vertrauen mehr da.

Haben Sie nie daran gedacht, das Handtuch zu werfen?

Adler: Nein. Aber ich verrate ihnen, was ich da gedacht habe: Dass neben Jürgen Schulz eigentlich gar kein Platz für einen Präsidenten ist.

Sie haben sich dann trotzdem zur Wiederwahl gestellt mit einer veränderten Mannschaft und ohne Jürgen Schulz ...

Adler: Ich wollte nicht kneifen, und man hat mir auch zugeredet. Trotzdem war diese Mitgliederversammlung sehr kompliziert.

Sieben Monate später die nächste Trennung, diesmal von Andreas Vollmer ...

Adler: Es gab massive Beschwerden aus der Mannschaft gegen den Trainer und seine Arbeit. Ob da alles berechtigt war, kann ich gar nicht sagen. Aber wir haben gemerkt, dass das Tischtuch zerschnitten war, wir mussten handeln. Es war übrigens eine einvernehmliche und wirtschaftlich auch sehr faire Trennung.

Nach Büring kam Vollmer, nach Vollmer dann Teun Buijs. Wie zufrieden sind Sie mit seiner Arbeit?

Adler: Auch seine Verpflichtung war eine Sternstunde. Teun ist ein Glücksfall und wirklich das Beste, was dem USC auf dieser Position widerfahren konnte. Er ist Fachmann, menschlich, sachlich, souverän – da fehlt wirklich nichts.

Teun Buijs hatte sich schon 2015 als Büring-Nachfolger beworben ...

Adler: Ja, er war ja auch hier. Ich habe zwei Stunden mit ihm geredet und war überzeugt von ihm. Dann hat Jürgen Schulz aber An­dreas Vollmer vorgestellt, gemeinsam haben sie die großen Angriffspläne vorgetragen. Damit war die Entscheidung gefallen.

Ihr größter Fehler?

Adler: Das weiß ich nicht, ich habe viele gemacht. Ich hätte mich mitunter mehr um unsere Helfer kümmern müssen, auch um Verbandsarbeit. Über die Art und Weise der Trennung von Axel Büring ärgere ich mich heute noch, das hätten wir besser machen können und müssen. Vielleicht war es mein größter Fehler, dass ich das Amt des USC-Präsidenten schlicht unterschätzt habe. Ich kam ja von außen dazu, ich kannte den USC und den Volleyball nur als Zuschauer. Es hat de facto sehr lange gebraucht, ehe ich viele wichtige Dinge wirklich verstanden habe und einordnen konnte.

War es trotzdem eine gute Zeit für Sie?

Adler: Es war eine wichtige Lebenserfahrung, ich habe eine Menge gelernt und war oft sehr emotional beschäftigt. Wenn ich sehe, wo der Verein aktuell steht, sage ich, dass die Zeit nicht schlecht war. Am Ende zählt das, was übrigbleibt. Und das ist okay.

Am Mittwoch geben Sie Ihr Amt ab. Bleiben Sie Fan des USC?

Adler: Natürlich, das war ich ja auch als Präsident. Die Heimspiele des USC werde ich ganz sicher weiterhin regelmäßig besuchen.

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