Doping-Skandal
Verfahren gegen Ex-Eisschnellläufer Lehmann eingeleitet

Die NADA nimmt ein Disziplinarverfahren gegen den mutmaßlich in die «Operation Aderlass» verwickelten früheren Eisschnellläufer Robert Lehmann auf. Der Erfurter lief jahrelang in der deutschen Auswahl und betreute bis zur Vorwoche den Nachwuchs am Stützpunkt Berlin.

Freitag, 10.05.2019, 15:06 Uhr aktualisiert: 10.05.2019, 15:08 Uhr
Lief jahrelang in der deutschen Auswahl und betreute danach den Nachwuchs am Stützpunkt Berlin: Robert Lehmann. Foto: Christian Charisius

Berlin (dpa) - Erstmals hat die Nationale Anti-Doping-Agentur den Namen des mutmaßlich in den Blut-Doping-Skandal um den Erfurter Sportarzt Mark S. verwickelten Ex-Eisschnellläufers Robert Lehmann-Dolle offiziell bestätigt.

Gegen den 35 Jahre alten Thüringer werde ein sportrechtliches Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht wegen möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping Bestimmungen eingeleitet, teilte die NADA mit.

Im Januar hatte die ARD-Doping-Redaktion berichtet, dass ein Eisschnellläufer in die als «Operation Aderlass» bezeichnete Blutdoping-Affäre verwickelt sein soll. «Jetzt ist meine Hoffnung verpufft, dass sich der medial geäußerte Verdacht gegen Robert Lehmann als haltlos herausstellt», reagierte Aktivensprecher Moritz Geisreiter nach der Veröffentlichung. «Jetzt müssen wir abwarten, was bei den Ermittlungen herauskommt», sagte der Inzeller der Deutschen Presse-Agentur.

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft hatte den Namen zuvor nicht bestätigt. Am Freitag erläuterte der Verband das Sanktionsverfahren der NADA und erklärte, keine weiteren Stellungnahmen zum Inhalt des Verfahrens oder zu den Betroffenen abzugeben.

Es sei hilfreich und wichtig, «dass die öffentlich gewordenen Vorwürfe nun konkret überprüft werden und durch das Verfahren gegebenenfalls die notwendigen Sanktionen ausgesprochen werden können», hieß es in einer Stellungnahme des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die Ergebnisse des Verfahrens erwarte der Dachverband «mit großem Interesse, weil sie für den gesamten Anti-Doping-Kampf von weitergehender Bedeutung sein können».

Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein hatte schon vor Wochen Lehmann-Dolle aufgefordert, sich öffentlich zu bekennen. «Selbst wenn Du schuldig bist – was ich persönlich nicht hoffe – und Du diesen Betrug an UNS allen begangen hast, wäre es Deine Pflicht gewesen, Dich zu bekennen und die Konsequenzen zu tragen», hatte Pechstein in einem offenen Brief erklärt. «Du hättest wissen müssen, dass man ein solches Problem niemals aussitzen kann.»

Mittelstreckler Lehmann gehörte jahrelang zur deutschen Eisschnelllauf-Auswahl und nahm 2006, 2010 und 2014 an Olympischen Winterspielen teil. Seine beste Platzierung verbuchte er in der Teamverfolgung 2006 in Turin auf Rang sieben. Der damals für den ESC Erfurt startende Lehmann war 2010 deutscher Meister über 1500 Meter und lief mit dem deutschen Trio insgesamt viermal auf ein Weltcup-Podest.

Er beendete nach den Spielen in Sotschi seine sportliche Karriere und genoss auch danach als Athletensprecher des Verbandes das Vertrauen der Sportler. Nach der Hochzeit mit Eisschnelllauf-Stützpunktleiterin Friederike Dolle arbeitete er zuletzt als Nachwuchstrainer am Olympiastützpunkt Berlin und führte in Lukas Mann im zurückliegenden Winter den ersten deutschen Eisschnellläufer zum Junioren-WM-Titel. Bereits in der vorigen Woche war Lehmann-Dolle vom OSP freigestellt worden. Zu den Vorwürfen äußerte er sich bisher nicht.

Die NADA teilte nun mit, dass dank «eines Whistleblowerhinweises und in enger Zusammenarbeit mit der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München I» Erkenntnisse bezüglich eines möglichen Dopingverstoßes von Lehmann-Dolle «in einem sportrechtlich nicht rechtsverjährten Zeitraum vor 2015», vorlägen. Die eingeleiteten Ermittlungen der NADA in den vergangenen Wochen hätten den Verdacht verdichtet.

Bekannt ist, dass insgesamt mindestens 21 Sportler aus acht Nationen bei Sportmediziner Mark S. Blutdoping praktiziert haben sollen. Auslöser der staatsanwaltlichen Ermittlungen war der Film «Die Gier nach Gold» der ARD. Der ehemalige österreichische Skilangläufer Johannes Dürr hatte in diesem Film Blutdoping zugegeben und dadurch die Razzien bei der Ski-WM in Seefeld und in Erfurt ausgelöst.

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