Keine Tore zwischen dem SCP und 1860 München Schwerstarbeit für einen Punkt

Münster -

Was für ein wunderbarer Nachmittag für Fußball im Preußenstadion. Und obwohl vor den Augen von 12.532 Zuschauern keine Tore fielen zwischen Preußen Münster und TSV 1860 München, Chancen rares Gut blieben, ging keiner der Besucher grimmig oder miesmutig heim. Das war mal eine intensive Partie gewesen, ein wilder Kampf um die Deutungshoheit auf dem Spielfeld, nicht immer hochklassig, aber verbissen an der Grenze von Leistungsfähigkeit und Erlaubtem geführt vom ersten Augenblick bis zur letzten Sekunde.

Von Alexander Heflik
Volles Haus im Preußenstadion. Hier klärt nach einer Ecke Münchens Torwart Marco Hiller vor Münsters aufgerückten Innenverteidigern Jannik Borgmann und Ole Kittner (verdeckt).
Volles Haus im Preußenstadion. Hier klärt nach einer Ecke Münchens Torwart Marco Hiller vor Münsters aufgerückten Innenverteidigern Jannik Borgmann und Ole Kittner (verdeckt). Foto: Jürgen Peperhowe

Münster bleibt ungeschlagen seit sieben Begegnungen und festigte Rang zwei, der Aufsteiger aus München findet sich im Dunstkreis der Spitzenteams wieder. „Das 0:0 geht in Ordnung“, befand Gäste-Trainer Daniel Bierofka, der frühere Erstliga-Profi treffend.

"

Das war keine Fehlentscheidung, das war eine katastrophale Fehlentscheidung. Es reicht.

SCP-Trainer Marco Antwerpen

"

Obwohl: In diesen Kanon stimmte Münsters Übungsleiter Marco Antwerpen nur bedingt ein. Der 47-Jährige hatte zwei Knackpunkte ausgemacht, die möglicherweise die Siegchancen des SCP gemindert hatten. Da war ein Foulspiel von Romuald Lacazette, der nach zehn Minuten mit einer Flugeinlage SCP-Verteidiger Jannik Borgmann von den Beinen holte. Referee Florian Lechner zeigte die Gelbe Karte, sein Linienrichter hätte es besser wissen müssen, denn die TV-Bilder bewiesen das grobe Foulspiel des Gäste-Akteurs. Antwerpen: „80 Minuten in Überzahl, das Spiel hätte einen anderen Verlauf nehmen können.“ Der Preußen-Trainer hadert sowieso gerade mit den Referees, schon zuletzt in Meppen beim 2:1-Sieg stellte er gravierende Minusleistungen bei der Spielleitung fest. So auch in dieser Szene: „Das war keine Fehlentscheidung, das war eine katastrophale Fehlentscheidung. Es reicht.“

Drei Fragen an Moritz Heinrich

Vom Tribünengast zum Stammspieler. Moritz Heinrich (21) ist aktuell auf der linken Seite beim SCP auf der Überholspur. Mit ihm sprach Alexander Heflik nach der Partie.

Wie fällt ihre Bilanz nach dem 0:0 aus?

Moritz Heinrich: Servus. In der ersten Halbzeit war es schwieriger für uns. Nach dem Wechsel rückte ich weiter nach außen und kam so besser ins Spiel. Wir hatten unsere Chancen, aber wir haben auch nicht unseren besten Fußball gespielt.

Sie haben früher für 1860 München gespielt. Gab es Wetten mit ehemaligen Teamkollegen?

Heinrich: Ja, da lief was zwischen Eric Weeger, Nico Karger und mir. Da keine Mannschaft gewonnen hat, lief es für keinen von uns richtig gut.

War es denn ein besonderes Spiel für Sie?

Heinrich: Ja, natürlich. Ich habe 15 Jahre für die Sechzger gespielt, darunter auch zwei Jahre für Trainer Daniel Bierofka. Mit dem Ergebnis können wir alle leben.

Tatsächlich konnte man Antwerpens Ausführungen über Referee Lechner folgen, der bei kleinen Ungereimtheiten schnell mit dem Pfiff zur Stelle war, in drei, vier „großen Szenen es durchgehen ließ“. Wobei beide Mannschaften in Sachen Einsatz alles ausloteten. So wurde es ein Spiel mit vielen, vielen Zweikämpfen, Kopfballduellen und einigen Nickeligkeiten. Spannend war es. Chancen gab es wenige, die „Löwen“ hatten dabei durch einen Lattenknaller von Herbert Paul (34.) und einen von Max Schulze Niehues abgewehrten Schuss von Elkan Bekiroglu die Möglichkeiten zur Führung vor der Pause. Nach dem Wechsel diktierte der SCP die Partie, die Abwehr um den überragenden Ole Kittner stand sattelfest, Rufat Dadashow, zwei Mal der Ex-Löwe Moritz Heinrich und Philipp Müller versuchten sich in Abschlüssen.

"Last-Minute-Sieg" auf dem Silbertablett

Und dann lag drei Minuten vor dem Ende der „Last-Minute-Sieg“ auf dem Silbertablett, als Rene Klingenburg einen traumhaften Ball in die Tiefe auf Martin Kobylanski spielte – und der neben das Tor schoss. „Wir hatten unsere ein, zwei Chancen, aber am Ende fehlte das Quäntchen Glück“, meinte Rene Klingenburg später. Seine Gesamtbilanz fällt dennoch positiv aus: „Ob das 0:0 ein Rückschlag für uns ist? Um Gottes Willen, nein.“

Antwerpen haderte derweil auch mit der Bodenbeschaffenheit im Preußenstadion, schon Anfang Oktober war das Geläuf in schlechtem Zustand. Unisono war von den Spielern zu hören, dass es extrem schwierig war, die geplanten spielerischen Akzente auch deshalb zu setzen. „Mancher Rasenplatz in der Oberliga ist besser. Nach einem Spiel sieht der Platz wie eine Wiese aus“, sagte Antwerpen kopfschüttelnd. Abhilfe scheint nicht in Sicht. Vielleicht kommt das Auswärtsspiel in Großaspach da gerade recht, vor vielleicht nur einem Bruchteil der Kulisse vom Samstag – dafür dürfte das Spielfeld in der Mechatronik-Arena eine Art Grünflächenteppich sein. Immerhin.

Schweers stoppt Grimaldi

Als zentraler defensiver Mittelfeldspieler kehrte Kevin Rodrigues Pires in die Startelf der Preußen zurück. Nach Ablauf der Gelb-Sperre war er erste Wahl, Philipp Müller musste auf die Reservebank rücken. Münster spielte wieder mit einer Dreierkette und einem 3-5-2-System. Überraschend war, dass die Gäste aus München ebenfalls mit Dreierkette agierten. Gerade vor der Pause war die 1860-Doppelspitze mit Sascha Mölders und Adriano Grimaldi griffiger als die der Preußen mit Tobias Rühle und Rufat Dadashov. „Ich fand, wir hatten die besseren Chancen als Münster. Die Art, wie wir gespielt haben, auf der können wir aufbauen“, gewann Ex-Preuße Grimaldi der Nullnummer Positives ab. „Wir haben beide wohl ein paar Blessuren nach diesem Spiel, aber es war fair von beiden“, war auch Grimaldis Widerpart Lion Schweers zufrieden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6166689?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686215%2F