Keine Tore im Traditionsduell SCP-1860 Magerkost statt Leckerbissen

Münster -

Ein Leckerbissen war angekündigt und serviert wurde Magerkost: 12.532 Zuschauer sahen im Preußenstadion eine über weite Strecken uninspirierte Nullnummer zwischen dem SC Preußen Münster und München 1860. Löwen und Adler, jeweils Könige in ihrem Revier, konnten sich nicht über die Thronfolge einigen. Immerhin: Die Preußen bleiben zum siebten Mal in Folge ungeschlagen.

Von Ansgar Griebel
Keine Tore im Traditionsduell SCP-1860: Magerkost statt Leckerbissen
Foto: Jürgen Peperhowe

Einen Tag nach dem Stadion-Kollaps in Bösensell sollten die Schlagzeilen wieder auf dem Fußballplatz entschieden werden. Die Sonne strahlte über dem alten Preußenstadion, als wäre nichts gewesen. Im Schatten nur die Haupttribüne und die Ruinenkurve, in der das Unkraut ungehindert vor sich hinsprießt. Doch die Chancen auf eine komplette Renaturierung der ganzen alten Kiste am Berg Fidel sind seit Freitagabend gegen null gesunken. Hier wird voraussichtlich weiter Fußball gespielt, bis der Klimawandel das Münsterland in eine Seenplatte verwandelt hat.

Dass es auf dem Platz dann aber doch nicht optimal gelaufen ist, lag im Zweifel nicht am Preußenstadion. Die Stimmung vor der Partie war großartig. 12.532 Zuschauer wollten den Klassiker zwischen den Traditionsclubs sehen und sahen zunächst eine ausschweifende Abtastphase und in der zweiten Hälfte der ersten Hälfte zunehmenden Druck der Löwen auf die Adler, die offensichtlich an diesem Samstag keinen Aufwind hatten.

Die spektakulärste Szene in Durchgang eins ging dann auch auf das Konto der Gäste, als Preußen-Verteidger Jannik Borgmann sich einen seiner seltenen Aussetzer leistete, dann aber dem einschussbereiten Sascha Mölders die Kugel doch noch vom Fuß spitzelte. Der Befreiungsschlag landete aber vor den Füßen von Herbert Paul, der den Ball aus 17 Metern unter die Latte nagelte, dass das Gebälk noch fünf Minuten später vibrierte. Es war die dickste Chance in einer bis dahin zähen Partie, die es sich auf dem im Vorfeld reichlich verteilten Vorschusslorbeer so richtig gemütlich machte. Allerdings ging von Adriano Grimaldi und Sascha Mölders im Münchener Sturm deutlich mehr Gefahr aus, als von der an diesem Samstag komplett harmlosen Attacke-Abteilung der Preußen.

Ohne Tore ging es in die Kabine, dafür mit einigem Gesprächsbedarf. Und die Ansprache von Trainer Marco Antwerpen hatte zumindest einen dezent spürbaren Effekt: Der Gästedruck hielt sich in Durchgang zwei in Grenzen, Münster erkämpfte sich langsam und Zentimeter um Zentimeter das Spiel zurück. Bis zur dicksten und vielleicht einzigen ernsthaften Chance dauerte es aber dennoch bis zur 87. Minute, als der in dieser Partie eher unscheinbare bis glücklose Martin Kobylanski den Ball vom wohl besten Preußen, René Klingenburg, in den Lauf gespielt bekam und das Leder aus 20 Metern wirklich knapp am Löwen-Tor vorbei beförderte.

Kobylanski, der zuvor durch einige unkonventionelle und komplett missglückte Freistoßvarianten aufgefallen war, hätte der Partie in dieser Szene einen Sieger bescheren können, der den meisten der Fans mehr als recht gewesen wäre, aber letztlich nicht wirklich zum Spiel gepasst hätte. Diese Nullnummer hatten sich beide Teams verdient – und beide durften letztlich mit diesem einen Pünktchen recht gut entlohnt in den Feierabend gehen. Am Freitagabend waren große Preußen-Visionen begraben worden, am Samstag wurden dann große Erwartungen enttäuscht. Für beide aber gilt: Das Leben geht weiter, Fußball sowieso – und natürlich ist in dieser Saison alles drin für die Preußen, auch im alten Preußenstadion …

Preußen Münster: Schulze Niehues – Schweers, Kittner, Borgmann – Menig, Klingenburg, Rodrigues Pires, Kobylanski, Heinrich – Rühle (73. Müller), Dadashov (79. Cueto)

1860 München: Hiller - Paul, Weber, Lorenz, Steinhart , Moll, Wein - Bekiroglu, Lacazette (66. Willsch) - Mölders (82. Lex), Grimaldi

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