Fußball: 3. Liga
Preußen zeigen in Meppen, dass sie zusammengewachsen sind

Meppen -

2:1 – Tobias Rühle und Rene Klingenburg schossen den SC Preußen Münster beim SV Meppen zum nächsten Erfolg. Seit sechs Partien ist der Drittligist ungeschlagen und rangiert auf Rang zwei. Der siebte Streich ist für den kommenden Samstag gegen die Löwen aus München geplant.

Sonntag, 28.10.2018, 20:14 Uhr aktualisiert: 31.10.2018, 10:22 Uhr
Fast in Mannschaftsstärke feierten die Preußen ihre Treffer – im kleinen Bild hängt Lion Schweers Martin Wagner ab. Foto: Sebastian Sanders

Dann fiel der Ballast von Marco Antwerpen ab. Er ging ein paar schnelle Schritte aufs Feld, drehte sich um und feierte mit geballten Fäusten wie weiland Boris Becker auf dem Tennis-Court den Erfolg seiner Mannschaft – und brachte ein letztes Mal die Meute gegen sich auf. Preußen Münster hatte gerade mit 2:1 (0:0) beim SV Meppen gewonnen, der Übungsleiter des Drittligisten war dabei wie seine Spieler auch durch ein Stahlbad gegangen, Emotionen pur, viele, viele Provokationen inklusive. Nonstop wurde Antwerpen von der direkt angrenzenden Haupttribüne verbal angegiftet. „Das war kein Spaß“, befand der 47-Jährige. „Man wird doch noch jubeln dürfen.“ Die Rache ist mein.

Ja, sich freuen durften die Preußen, die seit sechs Spielen ungeschlagen und erster Verfolger von Spitzenreiter VfL Osnabrück sind. Jubel, Freude, Erleichterung. Osnabrück Erster, Münster Zweiter, die Abstiegskandidaten der Vorsaison mischen die Liga auf. Und der Sieg in Meppen unterstreicht, dass da etwas zusammengewachsen ist bei den Adlerträgern, vielleicht entsteht gerade sogar noch mehr, als sich der eigene Anhang vor Saisonbeginn im stillen Kämmerlein erträumt hatte.

Drei Fragen an Tobias Rühle

Als Kämpfer, Vorbereiter oder auch als cleverer Angreifer, der Freistöße herausholt, hatte Tobias Rühle seinen Anteil am SCP-Höhenflug. Nun aber traf er auch mal.

Stimmt es, dass Ihr Tor in der Halbzeit angekündigt worden ist?

Rühle: Ja, Ole Kittner hat mir gesagt, dass ich gleich ein Tor schieße. Da habe ich gesagt, das wird so passieren.

Sie gelten nicht als Torjäger, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie allein auf Meppens Tormann Eric Domaschke zuliefen?

Rühle: Ich gehe immer in die Tiefe und versuche irgendwie den Ball zu bekommen. Als ich vor dem Torwart allein war, habe ich nicht lange nachgedacht und einfach geschossen.

Sechs Spiele ohne Niederlage, Platz zwei in der Tabelle nach 13 Spieltagen – gibt es ein Geheimnis für die Erfolgswelle der Preußen?

Rühle: Wir sind eine geile Truppe, richtig gute Jungs. Und das Klima im Team ist einfach gut.

...

„Was der Sieg für die Tabelle bedeutet? Nichts. Wir bereiten uns jetzt hochseriös auf das Heimspiel gegen 1860 München vor“, tappte Antwerpen nicht in die Falle, nach dem Erfolg im Emsland irgendeine Prognose für den weiteren Saisonverlauf abgeben zu wollen. Da blieb er reserviert. Weitermachen, dranbleiben, die eigenen Fans abholen – so oder so ähnlich lautet die Devise beim Coach. Auch Sportchef Malte Metzelder beschränkte sich auf das rein Sportliche: „Wir müssen unsere Chancen noch besser ausspielen, das erspart das Herzschlagfinale am Ende.“

Einzelkritik: SV Meppen - Preußen Münster

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  • Max_Schulze_Niehues

    Torwart Max Schulze Niehues, Note 2, reagierte mehrfach glänzend und bewahrte sein Team vor Gegentreffern. Stark, unaufgeregt und souverän.

    Foto: WN/SCP
  • Innenverteidiger Lion Schweers, Note 2,5, agierte mit seinen Nebenleuten im Team fehlerlos. Gerade vor der Pause musste er in höchster Not klären. Stark.

    Foto: WN/SCP
  • Innenverteidiger Ole Kittner, Note 2,5, überzeugte auf ganzer Linie bei der Defensivarbeit. Leistete sich keinen Fehler. Stark.

    Foto: WN/SCP
  • Innenverteidiger Jannik Borgmann, Note 2,5, löste alle Abwehraufgaben konsequent und solide, hatte immer wieder seinen Fuß dazwischen, wenn der quirlige Nico Granatowski etwas versuchte auszuhecken. Stark.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Fabian Menig, Note 3,5, überzeugte wie immer kämpferisch, blieb aber in der Offensivbewegung unauffällig.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Philipp Müller, Note 3, verausgabte sich in gut 50 Spielminuten. Eine echte Alternative, aber noch mit konditionellem Rückstand.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler René Klingenburg, Note 3, hatte vor der Pause eine Sonderaufgabe gegen Luka Tankulic zu erfüllen und lief unter dem Radar. Nach dem Wechsel legte er eine Schippe drauf und krönte das mit dem Treffer zum 2:0.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Martin Kobylanski, Note 3,5, hätte vor der Pause den SCP in Führung bringen können. Ihm fehlte in seinen Offensivaktionen dieses Mal der letzte Punch.

    Foto: WN/SCP
  • Mittelfeldspieler Moritz Heinrich, Note 3, fügte sich taktisch gut ein, aber ein bisschen mehr offensive Akzente hat er noch im Repertoire. 

    Foto: WN/SCP
  • Angreifer Tobias Rühle, Note 2, wühlte sich vor der Pause durch die Partie und blühte nach dem Wechsel auf. Tor erzielt, Tor vorbereitet, so kann es weitergehen. 

    Foto: WN/SCP
  • Angreifer Rufat Dadashov, Note 4, fiel als einziger Preuße etwas ab. Seine unauffällige Vorstellung wurde am Ende nicht aufgewertet, als er in der Schlussphase noch zwei, drei Chancen hatte. Eher ein gebrauchter Tag für ihn.

    Foto: WN/SCP
  • Einwechselspieler Simon Scherder, Note 3, ersetzte Philipp Müller und brachte die wichtige Stabilität nach der Pause.

    Foto: WN/SCP
  • Einwechselspieler Philipp Hoffmann, keine Note, ersetzte Tobias Rühle und hätte mindestens das Tor zum 3:0 machen sollen.
    Sorgte für Unruhe, aber ihm fehlte die Abschlussqualität in mehreren Szenen.

    Foto: WN/SCP

Die Partie war dabei auch ein bisschen Auf und Ab. Die Gäste bestimmten die ersten 20 bis 25 Minuten, konnten aber aus einer Reihe von Chancen die beste durch Martin Kobylanski (24.) nicht verwerten. Die Gastgeber, Tabellenvorletzter, benötigten etwas Zeit, ehe auch sie zu Chancen kamen. Der gerade eingewechselte Marius Kleinsorge (33.) aber „verdaddelte“ Meppens beste Führungsoption.

Die Münsteraner zeigten nach dem Wechsel, was sie augenblicklich so stark macht. Dieser Mix aus Kampfkraft, Spielwitz und Fußballinstinkt führte zum 1:0. Weil Thilo Leugers’ Rückpass Tobias Rühle (54.) in den Schoß fiel, ließ sich der quirlige Angreifer nicht lange bitten und traf. Keine drei Minuten später war es ein fußballerisches Glanzstück zum 2:0. René Klingenburg öffnete das Spielfeld mit einem Seitenwechsel, Rühle dribbelte und flankte nach innen, da war „Klinge“ bereits wieder aufgetaucht und vollendete messerscharf zum 2:0 (57.).

SV Meppen - Preußen Münster

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  • Sanders20181028_7O4B8416

    Die Mannschaft feiert nach dem Spiel mit den Fans.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle macht Druck

    Foto: Sebastian Sanders
  • Nico Granatowski, Rufat Dadashov, Max Kremer

    Foto: Sebastian Sanders
  • Steffen Puttkammer, Moritz Heinrich, Rufat Dadashov, Nico Granatowski

    Foto: Sebastian Sanders
  • Lion Schweers, Martin Wagner

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  • René Klingenburg wird gehalten.

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  • Tobias Rühle, Hassan Amin

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  • Fabian Menig

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  • Nico Granatowski, Moritz Heinrich

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  • Philipp Müller

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  • Luka Tankulic, René Klingenburg

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  • Moritz Heinrich

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  • Philipp Müller

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  • Ole Kittner

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  • Martin Kobylanski zeigt auf

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  • SCP-Trainer Marco Antwerpen

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  • Ole Kittner, Jannik Borgmann

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  • Martin Wagner musste früh verletzt raus

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  • Trainer Marco Antwerpen bleibt ruhig

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  • René Klingenburg

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle, Jovan Vidovic

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  • Thilo Leugers, Philipp Müller

    Foto: Sebastian Sanders
  • Thilo Leugers, Philipp Müller

    Foto: Sebastian Sanders
  • Trainer Marco Antwerpen

    Foto: Sebastian Sanders
  • René Klingenburg, Nico Granatowski

    Foto: Sebastian Sanders
  • René Klingenburg, Rufat Dadashov, Nico Granatowski, Moritz Heinrich

    Foto: Sebastian Sanders
  • Martin Kobylanski

    Foto: Sebastian Sanders
  • Torjubel zum 2:0 durch René Klingenburg

    Foto: Sebastian Sanders
  • Torjubel zum 2:0 durch René Klingenburg

    Foto: Sebastian Sanders
  • Torjubel zum 2:0 durch René Klingenburg

    Foto: Sebastian Sanders
  • Hassan Amin, Fabian Menig, Thilo Leugers

    Foto: Sebastian Sanders
  • Nick Proschwitz, Jannik Borgmann

    Foto: Sebastian Sanders
  • Moritz Heinrich

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  • Tobias Rühle bekam gegen Ende Krämpfe

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle bekam gegen Ende Krämpfe, René Klingenburg hilft, Schiedsrichter Marcel Gesteier nimmt die Zeit.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle, Co-Trainer Kurtulus Öztürk, Trainer Marco Antwerpen

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  • Hassan Amin versucht es um die Mauer

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  • Nick Proschwitz, Simon Scherder

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  • Trainer Marco Antwerpen

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  • Maximilian Schulze Niehues machte wieder eine starke Partie

    Foto: Sebastian Sanders
  • war mit der Nachspielzeit nicht ganz zufrieden: SCP-Trainer Marco Antwerpen

    Foto: Sebastian Sanders
  • Co-Trainer Kurtulus Öztürk und Trainer Marco Antwerpen freuen sich über den Sieg.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Die Mannschaft feiert nach dem Spiel mit den Fans.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Fabian Menig, Co-Trainer Kurtulus Öztürk.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Foto: Sebastian Sanders
  • Martin Kobylanski, Jovan Vidovic

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle macht das 1:0

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  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

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  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

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  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

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  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

    Foto: Sebastian Sanders
  • Tobias Rühle bejubet sein 1:0

    Foto: Sebastian Sanders
  • David Vrzogic, Tobias Rühle

    Foto: Sebastian Sanders
  • Die Mannschaft feiert nach dem Spiel mit den Fans.

    Foto: Sebastian Sanders

Am Ende und unter dem Strich war der Sieg verdient. „Wir hätten auch das 3:0 machen müssen, dann wäre es nicht mehr spannend geworden“, meinte Klingenburg. Erstmals spielte er den defensiven Part als zentraler Mittelfeldspieler. Sein Augenmerk lag dabei vor allem auf der Bewachung von Luka Tankulic – dieser Auftrag wurde erfüllt. Mehr noch, nach dem Wechsel drehte er auf. „Da war schon ein bisschen Ironie im Spiel, dass ich viel defensiver als sonst spiele und doch das Tor erziele.“

Müllers erstmals in der Startelf

Philipp Müller stand erstmals in der Startelf. Der 23-Jährige hatte einige gute Aktionen und Ideen im Angebot. Allerdings war ihm nach langer Verletzungspause schon früh anzumerken, dass er konditionell noch nicht voll auf der Höhe ist. Ende der ersten Halbzeit bauten sich im Mittelfeld einige Lücken auf. Als Müller ausgewechselt wurde und Simon Scherder kam, wurde damit Meppens Sturm und Drang eingedämmt. Dennoch waren die Aktionen von Müller vielversprechend, er dürfte mehr und mehr zu einer Alternative werden. Nicht im Kader stand A-Junior Cyrill Akono, dafür saß Tobias Warschewski, der lange mit einem Infekt aussetzen musste, erstmals wieder auf der Bank.

...

Der Plan der Preußen ging auf, Meppen hatte keine Antworten. Erst spät traf Nick Proschwitz zum 1:2 (90.+4). Und dann das: In der fünften Minute der Nachspielzeit, obwohl nur vier angezeigt waren, hämmerte Leugers im Strafraum einen Ball über das Tor.

„Dass er überhaupt zum Schuss kommt, obwohl die Zeit längst abgelaufen war“, registrierte Antwerpen kopfschüttelnd und atmete durch. Das war nervenaufreibend, das hatte Kraft gekostet, doch die ganze Euphorie hatten sich die Preußen tatsächlich verdient.

Begehrtes Heimspiel

Rund 8000 Karten sind für das Heimspiel gegen 1860 München über die Ladentheke gegangen. Die Haupttribüne ist mit knapp 3000 Plätzen bereits ausverkauft. Die Preußen rechnen gegen den Aufsteiger, bei dem Angreifer Adriano Grimaldi gelandet ist, mindestens mit einer fünfstelligen Kulisse. Bereits gegen die SF Lotte (1:0) hatte der SCP an der Marke von 10.000 Zuschauern gekratzt.

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