Fußball: 3. Liga Preußen zeigen in Meppen, dass sie zusammengewachsen sind

Meppen -

2:1 – Tobias Rühle und Rene Klingenburg schossen den SC Preußen Münster beim SV Meppen zum nächsten Erfolg. Seit sechs Partien ist der Drittligist ungeschlagen und rangiert auf Rang zwei. Der siebte Streich ist für den kommenden Samstag gegen die Löwen aus München geplant.

Von Alexander Heflik
Fast in Mannschaftsstärke feierten die Preußen ihre Treffer – im kleinen Bild hängt Lion Schweers Martin Wagner ab.
Fast in Mannschaftsstärke feierten die Preußen ihre Treffer – im kleinen Bild hängt Lion Schweers Martin Wagner ab. Foto: Sebastian Sanders

Dann fiel der Ballast von Marco Antwerpen ab. Er ging ein paar schnelle Schritte aufs Feld, drehte sich um und feierte mit geballten Fäusten wie weiland Boris Becker auf dem Tennis-Court den Erfolg seiner Mannschaft – und brachte ein letztes Mal die Meute gegen sich auf. Preußen Münster hatte gerade mit 2:1 (0:0) beim SV Meppen gewonnen, der Übungsleiter des Drittligisten war dabei wie seine Spieler auch durch ein Stahlbad gegangen, Emotionen pur, viele, viele Provokationen inklusive. Nonstop wurde Antwerpen von der direkt angrenzenden Haupttribüne verbal angegiftet. „Das war kein Spaß“, befand der 47-Jährige. „Man wird doch noch jubeln dürfen.“ Die Rache ist mein.

Ja, sich freuen durften die Preußen, die seit sechs Spielen ungeschlagen und erster Verfolger von Spitzenreiter VfL Osnabrück sind. Jubel, Freude, Erleichterung. Osnabrück Erster, Münster Zweiter, die Abstiegskandidaten der Vorsaison mischen die Liga auf. Und der Sieg in Meppen unterstreicht, dass da etwas zusammengewachsen ist bei den Adlerträgern, vielleicht entsteht gerade sogar noch mehr, als sich der eigene Anhang vor Saisonbeginn im stillen Kämmerlein erträumt hatte.

Drei Fragen an Tobias Rühle

Als Kämpfer, Vorbereiter oder auch als cleverer Angreifer, der Freistöße herausholt, hatte Tobias Rühle seinen Anteil am SCP-Höhenflug. Nun aber traf er auch mal.

Stimmt es, dass Ihr Tor in der Halbzeit angekündigt worden ist?

Rühle: Ja, Ole Kittner hat mir gesagt, dass ich gleich ein Tor schieße. Da habe ich gesagt, das wird so passieren.

Sie gelten nicht als Torjäger, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie allein auf Meppens Tormann Eric Domaschke zuliefen?

Rühle: Ich gehe immer in die Tiefe und versuche irgendwie den Ball zu bekommen. Als ich vor dem Torwart allein war, habe ich nicht lange nachgedacht und einfach geschossen.

Sechs Spiele ohne Niederlage, Platz zwei in der Tabelle nach 13 Spieltagen – gibt es ein Geheimnis für die Erfolgswelle der Preußen?

Rühle: Wir sind eine geile Truppe, richtig gute Jungs. Und das Klima im Team ist einfach gut.

„Was der Sieg für die Tabelle bedeutet? Nichts. Wir bereiten uns jetzt hochseriös auf das Heimspiel gegen 1860 München vor“, tappte Antwerpen nicht in die Falle, nach dem Erfolg im Emsland irgendeine Prognose für den weiteren Saisonverlauf abgeben zu wollen. Da blieb er reserviert. Weitermachen, dranbleiben, die eigenen Fans abholen – so oder so ähnlich lautet die Devise beim Coach. Auch Sportchef Malte Metzelder beschränkte sich auf das rein Sportliche: „Wir müssen unsere Chancen noch besser ausspielen, das erspart das Herzschlagfinale am Ende.“

Die Partie war dabei auch ein bisschen Auf und Ab. Die Gäste bestimmten die ersten 20 bis 25 Minuten, konnten aber aus einer Reihe von Chancen die beste durch Martin Kobylanski (24.) nicht verwerten. Die Gastgeber, Tabellenvorletzter, benötigten etwas Zeit, ehe auch sie zu Chancen kamen. Der gerade eingewechselte Marius Kleinsorge (33.) aber „verdaddelte“ Meppens beste Führungsoption.

Die Münsteraner zeigten nach dem Wechsel, was sie augenblicklich so stark macht. Dieser Mix aus Kampfkraft, Spielwitz und Fußballinstinkt führte zum 1:0. Weil Thilo Leugers’ Rückpass Tobias Rühle (54.) in den Schoß fiel, ließ sich der quirlige Angreifer nicht lange bitten und traf. Keine drei Minuten später war es ein fußballerisches Glanzstück zum 2:0. René Klingenburg öffnete das Spielfeld mit einem Seitenwechsel, Rühle dribbelte und flankte nach innen, da war „Klinge“ bereits wieder aufgetaucht und vollendete messerscharf zum 2:0 (57.).

Am Ende und unter dem Strich war der Sieg verdient. „Wir hätten auch das 3:0 machen müssen, dann wäre es nicht mehr spannend geworden“, meinte Klingenburg. Erstmals spielte er den defensiven Part als zentraler Mittelfeldspieler. Sein Augenmerk lag dabei vor allem auf der Bewachung von Luka Tankulic – dieser Auftrag wurde erfüllt. Mehr noch, nach dem Wechsel drehte er auf. „Da war schon ein bisschen Ironie im Spiel, dass ich viel defensiver als sonst spiele und doch das Tor erziele.“

Müllers erstmals in der Startelf

Philipp Müller stand erstmals in der Startelf. Der 23-Jährige hatte einige gute Aktionen und Ideen im Angebot. Allerdings war ihm nach langer Verletzungspause schon früh anzumerken, dass er konditionell noch nicht voll auf der Höhe ist. Ende der ersten Halbzeit bauten sich im Mittelfeld einige Lücken auf. Als Müller ausgewechselt wurde und Simon Scherder kam, wurde damit Meppens Sturm und Drang eingedämmt. Dennoch waren die Aktionen von Müller vielversprechend, er dürfte mehr und mehr zu einer Alternative werden. Nicht im Kader stand A-Junior Cyrill Akono, dafür saß Tobias Warschewski, der lange mit einem Infekt aussetzen musste, erstmals wieder auf der Bank.

Der Plan der Preußen ging auf, Meppen hatte keine Antworten. Erst spät traf Nick Proschwitz zum 1:2 (90.+4). Und dann das: In der fünften Minute der Nachspielzeit, obwohl nur vier angezeigt waren, hämmerte Leugers im Strafraum einen Ball über das Tor.

„Dass er überhaupt zum Schuss kommt, obwohl die Zeit längst abgelaufen war“, registrierte Antwerpen kopfschüttelnd und atmete durch. Das war nervenaufreibend, das hatte Kraft gekostet, doch die ganze Euphorie hatten sich die Preußen tatsächlich verdient.

Begehrtes Heimspiel

Rund 8000 Karten sind für das Heimspiel gegen 1860 München über die Ladentheke gegangen. Die Haupttribüne ist mit knapp 3000 Plätzen bereits ausverkauft. Die Preußen rechnen gegen den Aufsteiger, bei dem Angreifer Adriano Grimaldi gelandet ist, mindestens mit einer fünfstelligen Kulisse. Bereits gegen die SF Lotte (1:0) hatte der SCP an der Marke von 10.000 Zuschauern gekratzt.

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