SCP in Bösensell? Bürgerversammlung: Geschlossene Abwehr gegen Arena

Bösensell -

Mit SCP-Präsident Christoph Strässer und Aufsichtsrat Walther Seinsch stellten sich zwei Vereins-Granden den Fragen der Bürger in Bösensell. Dort wehte den Preußen erheblicher Gegenwind entgegen.

Von Dietrich Harhues
Auf dem Podium in Bösensell: Klaus Stephan (v.l., Beigeordneter der Gemeinde Senden), Bürgermeister Sebastian Täger, Moderator Christian Schweitzer, SCP-Präsident Christoph Strässer und Aufsichtsrat Walther Seinsch.
Auf dem Podium in Bösensell: Klaus Stephan (v.l., Beigeordneter der Gemeinde Senden), Bürgermeister Sebastian Täger, Moderator Christian Schweitzer, SCP-Präsident Christoph Strässer und Aufsichtsrat Walther Seinsch. Foto: di

Es war klar, dass es kein Heimspiel werden würde. Doch zunächst schien es, als ob der SC Preußen bei der Begegnung in Bösensell wenigstens ein Remis herausspielen könnte. Sympathisch und mit einer Portion Mutterwitz ausgestattet punktete vor allem Clubpräsident Christoph Strässer trotz schwieriger Platzverhältnisse: Denn dass die Skepsis der Bevölkerung gegenüber dem möglichen Stadionbau samt interkommunalem Gewerbegebiet überwiegen würde, war zu erwarten. Erst in der zweiten Hälfte der „Partie“ kippt die zuvor ruhige und fast schon dem Vorhaben gewogene Stimmung. Als Ergebnis lässt sich feststellen, dass die engagiert, aber sachlich verlaufene Bürgerversammlung, die am Sonntag in der Gaststätte Temme stattfand, eine ziemlich geschlossene Abwehrkette gegen die Stadionpläne erbrachte.

Täger begrüßt jetzt den Schritt auf Bürger zu

Sebastian Täger zog gegenüber unserer Zeitung ein positives Fazit: „Es war gut, dass die Bösenseller Bürger sich äußern konnten.“ Sendens Bürgermeister fügte ebenfalls an, dass es „richtig“ gewesen sei, dass eine solche Versammlung durchgeführt werden konnte. Täger stellte in Aussicht, beim Gesamtpaket, Stadion und Gewerbe, die Bürger nicht nur zu informieren und zu beteiligen.

Bürgermeister bringt direkte Demokratie ins Spiel

Auch eine Form der Mitbestimmung durch die Instrumente der direkten Demokratie brachte Sendens Rathauschef ins Spiel. Bürgerbegehren oder Rats-Bürgerentscheid kämen für ihn bei diesem Thema in Frage: „Ich bin ein Freund davon.“ Solche Abstimmungen könnten aus formalen Gründen jedoch nicht auf den Ortsteil Bösensell beschränkt werden, sondern dann würde ganz Senden zur Urne gerufen. Allerdings könne dieser Schritt erst nach einer Vorprüfung durch die Kommunalpolitik eingeleitet werden. Und für diese „ergebnisoffene Prüfung“, die gründlich statt schnell erfolgen müsse, setze er sich auch ein, so Täger.

Strässer sieht Zukunft des SCP in Bösensell

SCP-Präsident Christoph Strässer betonte, der Standort Bösensell sei aus Sicht des Vereins „optimal“, eine Zukunft im Profifußball am althergebrachten Standort an der Hammer Straße hingegen nicht denkbar. Strässer mahnte, die Chance des Vorhabens – auch für Bösensell – zu sehen.

Chancen stehen Belastungen gegenüber

Dass damit aber Belastungen einhergehen, lasse sich nicht vermeiden. Dazu zählen nicht nur noch mehr Autos, über die die Bösenseller zumal an den Haupt-Shopping-Tagen in den Möbelhäusern jetzt schon klagen, sondern auch von Fans könnten Störungen ausgehen. Bei größeren Menschenansammlungen bestünden immer Risiken. Er könne nicht sagen: „Ich schließe aus, dass es zu Problemen kommt“, betont der SCP-Präsident. Noch deutlicher formulierte es Wather Seinsch, Mitglied des Preußen-Aufsichtsrats: Man dürfe sich nichts vormachen: „Bei einem Bundesligaspiel wird sich der eine oder andere auch daneben benehmen.“ Dem stünden aber die Freude am Sport und seine gesellschaftspolitische Kraft entgegen. „Fußball stellt einen sozialen Kitt der Gesellschaft dar“, pflichtete Strässer bei, der darauf hinwies, dass 40 Prozent der Stadionbesucher Familien seien. Die Preußen-Vertreter kritisierten die Haltung zu sagen: „Wir wollen das nicht bei uns, aber wir fahren natürlich zu Schalke und nach Dortmund“.

Große Stadien gehören in große Städte, lautete die Replik aus dem Saal. Nur eine einzige Stimme äußerte dort zumindest die Haltung, erst einmal die weitere Prüfung abzuwarten und danach auf Fakten gestützt eine Entscheidung zu fällen. Ob sich die Befürworter fern- oder zurückhielten, steht dahin. Klarer Tenor bei „Temme“: Die Bösenseller sind dafür, das Match um den Stadion-Standort schon jetzt abzupfeifen.  

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