Fußball: Interview Preußen-Aufsichtsrat Christoph Metzelder: „Gremien arbeiten mit Hochdruck“

Münster -

Als Aufsichtsratsmitglied hat Christoph Metzelder die Entwicklungen beim SC Preußen permanent im Blick. Seinen Bruder Malte, Sportchef der Münsteraner, unterstützt er zudem. Im Interview ordnet der Ex-Nationalspieler den aktuellen Höhenflug ein und verkündet seine Meinung zum Stadionthema.

Christoph Metzelder (r.), hier mit seinem Bruder Malte, dem Sportchef des SC Preußen, hofft auf einen baldigen Stadionbesuch in Münster.
Christoph Metzelder (r.), hier mit seinem Bruder Malte, dem Sportchef des SC Preußen, hofft auf einen baldigen Stadionbesuch in Münster. Foto: Jürgen Peperhowe

Zu seinen beiden Ex-Clubs FC Schalke 04 und Borussia Dortmund hat der ehemalige deutsche Nationalspieler Christoph Metzelder im Interview am Mittwoch bereits eine Einschätzung abgegeben. Am engsten verwoben ist der 37-Jährige allerdings mit einem weiteren früheren Verein. Beim SC Preußen sitzt er im Aufsichtsrat, sein Bruder Malte ist Sportchef. Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger fragte ihn nach der Perspektive des Drittligisten.

Beobachten Sie eigentlich mit Genuss, dass Ihr Bruder Malte im Sommer offenbar gut eingekauft hat für die Preußen?

Metzelder: Ich freue mich für ihn, denn die Rahmen­bedingungen in der Transferperiode waren äußerst ambitioniert. Deswegen freuen wir uns über den Ist-Zustand, aber in der 3. Liga ändern sich die Dinge fast wöchentlich. Es ist und bleibt unheimlich eng. Genauso wie der Verein nach den drei Niederlagen am Stück nicht in eine Depression verfallen ist, bricht jetzt auch nicht die große Euphorie aus.

Aber Platz zwei zu diesem Zeitpunkt muss Sie schon ein bisschen überraschen ...

Metzelder: Es ist toll, da zu stehen. Das hat sich das Team aus sportlicher Leitung, Trainerstab und Mannschaft auch verdient. Es spricht für die Mentalität und den Zusammenhalt der Truppe. Aber noch einmal: Das ist zunächst eine Momentaufnahme. Andere Vereine haben deutlich höhere Budgets und damit ganz andere Möglichkeiten. Mannschaften wie Kaiserslautern, Uerdingen, Karlsruhe oder selbst Braunschweig werden diesen Unterschied über die Langstrecke zeigen.

Inwieweit können Sie sich beim SCP einbringen?

Metzelder: Ich telefoniere nahezu täglich mit meinem Bruder und bringe mich auch in den Sitzungen der verschiedenen Gremien ein.

Und wie oft haben Sie es trotz vieler Verpflichtungen ins Stadion geschafft?

Metzelder: In dieser Saison noch nicht. Samstags sitze ich im Fernsehstudio, da informiere ich mich über Twitter und Liveticker. Vielleicht klappt es ja mal bei einem Freitagsspiel.

Glauben Sie eigentlich noch an einen Stadion­neubau in Bösensell?

Metzelder: Die Gremien des Vereins rund um unseren Präsidenten Christoph Strässer arbeiten mit Hochdruck an diesem Projekt und stehen in ständigem Kontakt zur Politik und zur Verwaltung. Letztendlich bleiben wir aber immer wieder an der gleichen Frage hängen: Ist Profifußball in Münster und der unmittelbaren Umgebung überhaupt erwünscht? Politik und Stadtgesellschaft haben dies unter Abwägung aller Chancen und Risiken zu beantworten. Ich saß vor kurzem noch in der Elbphilharmonie in Hamburg: Wenn der Gestaltungswille da ist, lässt sich fast alles realisieren.

Sehen Sie losgelöst von den diskutierten Stadionplänen Möglichkeiten, Investoren für die Kapitalgesellschaft und allgemein Sponsoren zu gewinnen?

Metzelder: Fußball unterhalb der 2. Liga ist Liebhaberei, egal in welcher Rechtsform. Wenn wir langfristige und strategische Investoren aus der Region für Preußen Münster gewinnen wollen, brauchen wir das Erlös­modell eines neuen Stadions.

Es deutet sich an, dass Strässer, aber auch ihre Aufsichtsratskollegen Walther Seinsch oder Frank Westermann Ihre Zukunft ans Stadionprojekt knüpfen. Gilt das auch für Sie?

Metzelder: Mein Augenmerk gilt vor allen Dingen der sportlichen Entwicklung. Ohne neues Stadion ist die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins mittelfristig stark gefährdet. Ich beschäftige mich aktuell ausschließlich mit der Realisierung unserer Vorhaben, nicht mit irgendwelchen Ausstiegsszenarien.

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