Fußball: 3. Liga
Preußen erleben in Meppen Aufschwung ohne Ertrag

Meppen -

Das Ergebnis war ernüchternd, die Vorstellung an sich aber völlig in Ordnung. Preußen Münster wandelt nach dem 0:2 beim SV Meppen tabellarisch weiter am Abgrund, zeigte aber einige vielversprechende Ansätze. Individuelle Fehler und ein seltsamer Elfmeterpfiff besiegelten die Pleite.

Sonntag, 21.01.2018, 20:24 Uhr
Zwei Tiefschläge: Während die Meppener das 1:0 bejubeln, schleichen (v.l.) Danilo Wiebe, Jeron Al-Hazaimeh und Nico Rinderknecht davon. Später folgte dann der geschundene Elfmeter von Marius Kleinsorge gegen Nils Körber (u.). Foto: Jürgen Peperhowe

Mentalität. Das ist in den ersten Wochen als Preußen-Trainer vielleicht das Lieblingswort von Marco Antwerpen. Und auf diesem Sektor zeigte sich seine Mannschaft zum Auftakt der Rückrunde beim SV Meppen tatsächlich verbessert. Für Zählbares reichten Biss, Moral und Kampfgeist trotzdem nicht. Mit dem unglücklichen 0:2 (0:1) bleibt Münster tief im Keller stecken. Entmutigen lassen möchte sich dennoch niemand.

Etwas früher attackierten die Gäste als zuvor, deutlich sicherer standen sie in der Abwehr. Zwei grobe Fehler führten jedoch zum enttäuschenden Resultat. „Die Leistung war in Ordnung“, sagte der Coach nach seinem Liga-Debüt. „Wir waren gut eingestellt, griffig, hatten gute Situationen zum Tor hin und haben uns selbst nach dem 0:2 nicht aufgegeben.“ Trotzdem musste er hinnehmen, dass „der Gegner nicht viel zugelassen hat“. Klarer Auftrag an die Offensivspieler: „Wir müssen durchschlagskräftiger werden. 18 Tore sind zu wenig.“

Al-Hazaimeh verdrängt Tritz

Mit seiner ersten Liga-Aufstellung ließ Trainer Marco Antwerpen durchaus aufmerken. Dass Nils Körber die Nummer eins gegenüber Max Schulze Niehues verteidigte, kam weniger überraschend. Und auch der Vorzug von Lion Schweers im Abwehrzentrum vor Ole Kittner war erwartet worden. Doch erstmals in dieser Saison blieb Stéphane Tritz auf der Bank, dafür rückte Fabian Menig in der Viererkette von links nach rechts und Jeron Al-Hazaimeh für ihn in die Startelf. Danilo Wiebe wurde rechtzeitig fit und bildete mit Sandrino Braun, der eine neue Chance erhielt, die Doppel-Sechs. Michele Rizzi blieb nach seiner Trainingspause auf der Bank, Nico Rinderknecht war Zehner. Nennenswert war der Seitentausch von Philipp Hoffmann (rechts) und Tobias Rühle (links). Martin Kobylanski blieb im Emsland nur die Bank, Lennart Stoll fehlte wie A-Junior Cyrill Akono im Kader.

...

Im Emsland verpufften vielversprechende Situationen, weil der letzte Pass fehlte, das letzte Risiko, der richtige Blick. Auch versprangen etliche Bälle auf naturgemäß holprigem Geläuf. Chancen gab es beim Stand von 0:1 dennoch. Simon Scherder hatte eine per Kopf (28.), vor allem aber Adriano Grimaldi (41.). Der Kapitän lief nach Zuckerpass von Fabian Menig bedrängt, aber in der Pole-Position auf Torwart Eric Domaschke zu. Am Ende flipperte die Kugel über Jovan Vidovic, den Schlussmann und das Schienbein des Stürmers neben den Kasten (41.). Kurz darauf legte sich Philipp Hoffmann im Strafraum frei stehend den Ball zu weit vor (44.). Den Knaller von Martin Kobylanski boxte Domaschke aus dem Eck (66.), Danilo Wiebes Schuss fing er ab (72.). Die erstmalige Umstellung auf ein 3-5-2 brachte in der Schlussphase nach dem zweiten Gegentor auch nicht den erhofften Effekt.

Cueto feiert Comeback

Erstmals stand am Sonntag Lucas Cueto im Preußen-Aufgebot bei einem Pflichtspiel. Nach seiner langwierigen Knochenhautentzündung nahm der 21-Jährige zunächst auf der Bank Platz, kam aber in der 77. Minute für Philipp Hoffmann aufs Feld und hatte sogar einige gute Ansätze im Repertoire.

...

Die Hausherren fragten sich später wohl selbst, wie sie gewinnen konnten. Antwort Antwerpen: „Wir haben eigene Fehler gemacht.“ Vor allem Nils Körber stand im Fokus. Er hatte Glück, dass Schiedsrichter Alexander Sather aus unerfindlichen Gründen sein Eigentor, als er sich den Ball nach einer Ecke ins Netz faustete, aberkannte (19.). Doch Sekunden später schanzte er mit dem verunglückten Freistoß (Scherder: „Ich glaube, er hat den Ball nicht richtig getroffen“) dem SVM die zweite Chance zu. Nico Granatowski flankte, Luka Tankulic legte ab, Martin Wagner vollendete den Angriff mit Wucht (20.). „Da erwarten wir schon auch eine andere Körpersprache“, so der Coach.

Ultras verzichten auf Support

Eine eher seltsame Stimmung herrschte am Sonntag im Gäste-Block der Hänsch-Arena. Die Ultra-Gruppierungen verzichteten erstmals seit langer, langer Zeit auf ihren Support. Eine organisierte Anreise fand nicht statt. Hintergrund war die Entscheidung vom vergangenen Sonntag, als die Mitgliederversammlung mit klarer Mehrheit die Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft beschloss. Die aktive Fan-Szene hatte sich von vornherein gegen diesen Schritt ausgesprochen und offensiv für einen Verbleib im e.V. geworben. Für wie lange der Boykott gilt, ist nicht bekannt. Beim Zweitligisten VfL Bochum haben die Ultras die Unterstützung der Mannschaft nach der Ausgliederung bis heute nicht wieder aufgenommen.

...

Vor dem 0:2 leistete sich Sandrino Braun den Fehlpass, der Marius Kleinsorge freie Bahn ermöglichte. Meppens Joker suchte den Kontakt mit Körber, bekam ihn und damit den äußerst fragwürdigen Strafstoß, den Thilo Leugers zur Entscheidung verwandelte (75.). Scherder sah es aus nächster Nähe und sagte: „Er wollte Lion anspielen, das ging daneben. Aber für mich war das kein Elfmeter, weil es der Stürmer drauf anlegt und Nils noch zurückzieht.“ An den beiden Unglücksraben wollte Antwerpen die Niederlage dennoch nicht festmachen. „Einzelkritik kurz nach dem Abpfiff ist schwierig“, sagte er und war bemüht, das Positive herauszustellen. Er weiß, dass nun acht sieglose Auswärtsspiele eine schwere Bürde im Abstiegskampf sind. Aber ein hoffnungsloser Fall sind diese Preußen so keineswegs.

Drei Fragen an Adriano Grimaldi

Überwiegt der Frust über das Ergebnis oder die Freude ob der Leistung?

Grimaldi: Der Frust. Etwas Zeit muss noch vergehen, bis ich das anders sehe. Aber wir haben schon relativ viel von dem umgesetzt, was der Trainer von uns verlangt. Das hat sogar auf diesem schlechten Platz funktioniert.

 

Warum blieb dennoch der Lohn aus?

Grimaldi: Ich muss das 1:1 machen, dann geht es anders aus. Vor dem Abschluss wollte ich den Ball noch zur Seite kappen. Dann kommt der Gegenspieler dazwischen, schießt seinen Torwart an und der letztlich mich. Das war auch Pech.

 

War das Problem fehlende Durchschlagskraft?

Grimaldi: Ja, wir waren bis zum Sechzehner gut, danach wurden wir zu hektisch. Wir hatten mehr Anteile, mehr Chancen. Die Gegentore fallen aber durch individuelle Fehler, das ist ärgerlich. Trotzdem ist der Kader definitiv stark genug, das haben wir letztes Jahr gezeigt.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5445848?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686215%2F
Smileys und ein Herzchen für Billerbecks Bürgermeisterin
Eine Stunde lang nahm sich Marion Dirks Zeit, alle WhatsApp-Anfragen zu beantworten.
Nachrichten-Ticker