Fußball: 3. Liga Preußen tun ihren Fans mal was Gutes

Münster -

So ein Finale, so ein Sieg kann Kräfte freisetzen. Der SC Preußen hat nach dem 2:1 im Kellerduell gegen den FSV Frankfurt wieder Oberwasser. Bei Werder Bremen II gilt es nun am Freitagabend, nachzulegen. Das Momentum spricht für Münster.

Von Alexander Heflik
Wo ist Rühle? Die Preußen feiern ihren Siegtorschützen, der SCP lebt noch.
Wo ist Rühle? Die Preußen feiern ihren Siegtorschützen, der SCP lebt noch. Foto: Jürgen Peperhowe

Nun soll es tatsächlich so sein, dass nicht wenige Preußen-Anhänger in Münster und dem Umland aktuell gar nicht gut in den Schlaf kommen. Der nun wirklich monatelange Abstiegskampf, das eineinhalbjährige sportliche Dauertief, der erste drohende Abstieg seit dem Absturz in der Oberliga im Jahr 2006 – einen richtigen Fan nimmt das mit. Und selbst wenn der Preußen-Freund an sich Kummer über die Jahre und Jahrzehnte gewohnt ist, ist die aktuelle Saison nur schwer zu verkraften, das geht an die Substanz.

„Schönen Dank an die Mannschaft, dass ich heute vielleicht etwas ruhiger schlafen kann“, war SCP-Coach Benno Möhlmann nach einer nervenaufreibenden Partie gleich wieder zum Scherzen aufgelegt. Den aufgewühlten Besuchern im Stadion dürfte es nicht anders ergangen sein. Der Heimerfolg im Kellerkinder-Duell tat gut.

Mehr oder weniger war das für diese Saison auch eine Premiere für den SC Preußen Münster. Ein Last-Minute-Sieg, wenige Augenblicke, bevor der Schiedsrichter abpfeifen wollte, knallte Tobias Rühle den Ball zum 2:1 (1:1)-Endstand in die Maschen. Vielleicht noch beim 2:2 gegen Wehen Wiesbaden in der Hinrunde, als Amaury Bischoff einen Elfmeter in der 87. Minute zum Ausgleich verwandelte, war die Entscheidung so positiv zu Gunsten der Preußen beim Schlussakkord. Es könnte ein Signal für die nächsten Wochen sein. Denn, so Möhlmann: „Ich habe das der Mannschaft gesagt, dass es nur noch Endspiele gibt.“ Das nächstes Finale steht bereits am Freitag (19 Uhr) an, wenn es auf dem fast schon legendären Platz 11 nahe des Weserstadions gegen Werder Bremen II geht.

Natürlich hoben die Preußen-Spieler nach dem Siegtor von Rühle ab, nichts hielt sie am Boden. Solche Siege fühlen sich für einen Moment wie die Meisterschaft an. Großartig. Möhlmann meinte zum Tordebüt im Preußen-Dress von Rühle: „Die haut er regelmäßig so im Training rein. Der kann das.“ Auch er wollte sich eigentlich in die Spielertraube des Jubels nach dem 2:1 stürzen, entschied sich dann aber um. „Der Spurt wäre dann doch zu lang gewesen.“

Drei Fragen an Lion Schweers

Hand aufs Herz – hatten Sie die Hoffnung auf den Sieg schon aufgegeben?

Schweers: Ganz ehrlich, nein. Ich hatte ein gutes Gefühl. Die Stimmung in der Kabine war gut, vor dem Spiel und auf dem Platz auch. Alle haben dran geglaubt in unserem Team. Irgendwann musste das Glück doch mal zu uns zurückkommen.

Das Spiel ging schlecht los. Was ist da passiert beim 0:1 bereits in der dritten Minute?

Schweers: Tja, das lief wirklich doof. Da waren wir nicht wach. Aber wir haben zusammen gestanden und waren sicher, dass wir es drehen.

Kurz vor Schluss gab es eine Rangelei zwischen Ihnen und den Frankfurtern Shawn Barry und Milad Salem. Was war?

Schweers: Mein Gegenspieler hat im Fallen etwas nachgetreten. Aber alles gut, da sind die Emotionen hochgekocht. Passiert ist letztlich ja nichts.

Was bleibt? Natürlich der Sprung über den Strich, das Comeback nach dem frühen 0:1-Rückstand. Mirkan Aydin, die neue Nummer eins bei Strafstößen, verwandelte routiniert und sicher nach 23 Minuten einen Handelfmeter. Eine Minute vor dem Ende langte Rühle nach einem langen Flankenball von Sebastian Mai und Zwischenstation Tobias Warschewski zu, damit rechnete keiner mehr. Oder?

Aber auch das blieb haften, dass die Hausherren die Zuschauernerven lange mit einer zwar engagierten, aber spielerisch schwachen Partie strapaziert hatten. Abstiegskampf halt, einen Schönheitspreis gewinnt dieser SCP wohl nicht mehr.

Und nun? Am Freitag hat der SCP die Chance, diesen „glücklichen Sieg“ (Möhlmann) zu vergolden und Werder wieder in das Gerangel und Gezerre im Klassenkampf zurückzuholen. Das würde im Falle des dritten Auswärtssieges der Saison passieren. Aber, so der Coach: „Viel trainieren können wir nicht. Vielleicht machen wir deshalb einiges bei den Standards. Das muss besser werden, zumal Bremen zu Hause aus einer starken Defensive spielen wird.“ Möhlmann schwört sein Team auf das elftletzte Endspiel ein, kein leichter Gang wird das, alle müssen an die Grenzen gehen und bis zum allerletzten Moment alles raushauen. Einfache Fußballer-Weisheiten. Setzt der SCP das erfolgreich um, könnten sich Tausende Anhänger am Wochenende endlich mal richtig ausschlafen.

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