Fußball: 3. Liga Preußen liefern gegen Werder beeindruckenden ersten Schritt

Münster -

Ein Anfang ist gemacht. Die Preußen haben sich offenbar gefangen nach drei Niederlagen. Beim 4:0 gegen Werder Bremen II lieferten sie ein fast fehlerloses Spiel ab und retteten damit nicht nur ihrem Trainer womöglich den Job, sondern sendeten auch ein wichtiges Signal aus.

Von Thomas Rellmann
Erleichterung pur: (v.l.) Amaury Bischoff, Stéphane Tritz, Michele Rizzi, Adriano Grimaldi, Torschütze Sinan Tekerci und Jesse Weißenfels bejubeln das 3:0. Zuvor hatte das Team gezielt mit Trainer Horst Steffen gefeiert (kl. Bild).
Erleichterung pur: (v.l.) Amaury Bischoff, Stéphane Tritz, Michele Rizzi, Adriano Grimaldi, Torschütze Sinan Tekerci und Jesse Weißenfels bejubeln das 3:0. Zuvor hatte das Team gezielt mit Trainer Horst Steffen gefeiert (kl. Bild). Foto: Wilfried Hiegemann

Einen Keil zwischen Mannschaft und Trainer hatte in Münster selbst in den bittersten Krisenstunden niemand getrieben. Dennoch sahen sich die Spieler veranlasst, nach den ersten beiden Toren beim so befreienden 4:0 (1:0) gegen Werder Bremen II auf Coach Horst Steffen und dessen Stab an der Seitenlinie zuzustürmen und den Kollektivjubel zu initiieren. Ein starkes Zeichen: Nur zusammen geht’s raus dem Keller.

„Das tat mir gut, so was freut jeden Trainer. Die Chemie stimmt“, sagte Steffen hinterher. „Auch wenn ich das nie anders verspürt hatte.“ Vielleicht zum ersten Mal in dieser Saison hatten all seine Veränderungen – fünf Neue in der Startelf, „flache Vier“ statt Raute im Mittelfeld – so gefruchtet wie gewünscht. „Diesmal haben die Entscheidungen gegriffen“, sagte er und lobte Einzelne explizit.

„Amaury Bischoff hat uns Stabilität und Ballsicherheit gegeben. Ole Kittner hat das hinten ganz ruhig und souverän gemacht, mir gefällt seine Mentalität. Daneben hatte Sebastian Mai eine gute Präsenz.“ Der blonde Innenverteidiger blieb selbst bescheiden: „Es lag nicht nur an mir. Ich habe das 1:4 in Frankfurt von außen beobachtet und versucht, Dinge zu berichtigen.“ Mit Stéphane Tritz kam ein weiterer, dritter, Neuer in die Viererkette zurück – und Sinan Tekerci brauchte angesichts seines Doppelpacks gar kein Sonderkompliment.

Grimaldi angeschlagen

Am fast perfekten Nachmittag gab es einen Wermutstropfen. Der überragende Doppel-Torschütze Adriano Grimaldi verletzte sich nach 68 Minuten und einem Foul von Jesper Verlaat beim Sturz. Eine muskuläre Blessur im Oberschenkel macht sein Mitwirken am Samstag in Aalen unwahrscheinlich. „Ich dachte, es müsse Rot geben, aber da waren wohl noch andere auf gleicher Höhe. Gut, dass er nicht geflogen ist“, so Grimaldi. „Ich wollte unbedingt weiterlaufen, in der Drehung habe ich das Gleichgewicht verloren und dann einen falschen Schritt gemacht.“ Beim Vize-Kapitän, der in vier Partien fünf Tore gemacht hat, überwog dennoch das Positive. „Wir können stolz auf die Leistung sein. Ich bin sehr erleichtert. Dort müssen wir nun ansetzen.“ Zu seinem Lauf meinte er: „Wenn es läuft, erleichtert das einiges im eigenen Spiel. Jesse Weißenfels und ich ergänzen uns gut.“

Das Initial aber ging vom Sturmduo aus. „Dass sie gut drauf sind, hatten sie zuvor ja schon angedeutet“, sagte Steffen über Adriano Grimaldi , der zwei Mal vollstreckte, und Jesse Weißenfels, der beide Mal optimal auflegte. Alle vier Tore waren bildschön, klug herausgespielt. „Im Fußball sind manche Dinge schwer zu erklären“, sagte Steffen, der zumindest fürs Erste Ruhe haben sollte. Eine Pleite gegen die Hanseaten wäre womöglich schon zu viel gewesen. So aber atmeten alle auf, denn eigentlich wollte ja niemand im Verein die Entlassung des 47-Jährigen.

Die Rote Laterne sind die Preußen los, die Serie von drei Niederlagen am Stück ist beendet, das Team zeigte seine beste Saisonleistung. Also alles wieder im Fluss? „Nein“, widerspricht Kapitän Michele Rizzi. „Wir müssen jetzt nachlegen. Es war wichtig, eine Antwort zu zeigen. Es kann aber nur der erste kleine Schritt gewesen sein.“ Der 28-Jährige bildete diesmal mit Bischoff eine Doppel-Sechs. „Das hat uns defensiv Sicherheit gebracht“, sagte er. Ein Modell für die Zukunft? Im Augenblick spricht wenig dagegen, vielleicht hätte dieses System sogar schon früher geholfen. Mai hatte allerdings eher andere Faktoren als kennzeichnend ausgemacht. „Wir standen kompakter, haben aber auch viel mehr geredet als zuletzt und uns gegenseitig Hinweise gegeben.“

Es war früh zu erahnen, dass der SCP auf Wiedergutmachungskurs steuerte. Grimaldi ging einmal mehr voran, holte vor dem 1:0 den Ball, ehe der über Kurzpässe von Benjamin Schwarz, Bischoff und Weißenfels wieder einschussbereit vor seinen Füßen lag (13.). Gab es etwas zu kritisieren, dann die Chancenverwertung vor der Pause. Kittner hatte nach einer Ecke noch Pech, als er an Michael Zetterer scheiterte (23.). Dann aber vergaß Mehmet Kara frei stehend den Abschluss (29.), ehe Tekerci drei Mal den zweiten Treffer verpasste. Erst völlig blank gegen Zetterer (30.), dann ebenso ungedeckt mit einem Schuss Zentimeter neben den Pfosten (36.), schließlich zu uneigennützig, als er Weißenfels bediente statt draufzuhalten (39.). Die dauerhaft vorbildlich anfeuernden Zuschauer fürchteten schon, das könne sich rächen. Doch nach dem Wiederanpfiff zerstreute der SCP alle Zweifel. Tekercis Ballgewinn an der Mittellinie war die Basis beim 2:0, Weißenfels startete rechts durch, legte nach innen, wo Grimaldi einschob (49.). Der Torschütze war auch am 3:0 beteiligt, als er den Weg für Tekerci frei blockte, der im vierten Anlauf doch traf (52.). Auf den Geschmack gekommen, schlenzte er die Kugel nach Vorarbeit von Tobias Rühle und Rizzi auch noch zum 4:0 ins Netz (77.).

Die durchaus prominent und mit fünf Profikader-Mitgliedern besetzten Bremer kamen nie für einen Punkt in Frage, lange nicht mal für ein Tor. Erst Melvyn Lorenzen wurde kurz vor Schluss noch mal gefährlich mit einem Lattenkopfball (88.) und einem Freistoß, den Keeper Max Schulze Niehues entschärfte (90.). Die Null aber stand, und das war für die Preußen ein elementares Signal nach dem Chaos-Auftritt drei Tage zuvor.

Rekordspieler Kara

Mehmet Kara ist seit Samstag alleiniger Rekordspieler des SCP. Der 32-Jährige löste mit seinem 289. Pflichtspiel-Einsatz niemand geringeren als Karl-Heinz Krekeler ab. „Ich wusste das bis Donnerstag gar nicht, aber es ist gerade bei so einem Traditionsverein eine riesige Ehre“, sagte der Dribbler, der seit 2007 mit eineinhalbjähriger Unterbrechung in Münster spielt. „Ich hoffe, es kommen noch mehrere Partien dazu. Ich wollte nicht mit einer Niederlage Rekordspieler werden“, so Kara. „Der Druck war brutal. Für das 1:4 in Frankfurt müssen wir uns entschuldigen. Das war unterirdisch und tut uns leid. Sie haben uns zu Hause aber trotzdem unterstützt. Hoffentlich können wir den positiven Trend nun mitnehmen.“ Woran es lag? „Das frühe Tor hat uns in die Karten gespielt. Dann wird es in der 3. Liga immer leichter.“

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