Anfangsverdacht gegen Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen Münster Scharfe Reaktionen auf Büro-Durchsuchung

Münster -

Die Reaktionen auf die Büro- und Haus-Durchsuchung beim Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen fielen in Foren und sozialen Netzwerken teilweise sehr scharf aus. Tenor: Haben Staatsanwaltschaft und Polizei nichts Wichtigeres zu tun? Der Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft Münster geht dabei davon aus, dass eine Strafvereitelung vorliegt. Deshalb wurden Computer beschlagnahmt.

Von Thomas Rellmann und Alexander Heflik
Anfangsverdacht gegen Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen Münster : Scharfe Reaktionen auf Büro-Durchsuchung
Die Ultras des SC Preußen zünden Pyrotechnik im Spiel gegen Hansa Rostock. Foto: Jürgen Peperhowe

Am Freitagmorgen hatten Beamte den Arbeitsbereich des SCP-Mitarbeiters in der Haupttribüne am Stadion und dessen Privaträumlichkeiten gründlichst inspiziert, da sich ein Anfangsverdacht der Strafvereitelung herausgestellt hatte aus Sicht der untersuchenden Behörden. Hintergrund der Aktion war die Nachbetrachtung der heftigen Pyrotechnik-Vorfälle im Preußen-Heimspiel gegen Hansa Rostock am 16. Oktober. Der Sicherheitsbeauftragte hatte bei der Durchsicht von Videomaterial verneint, diverse Köpfe der Ultra-Szene zu kennen. Die Staatsanwaltschaft versucht nun, diese Behauptung zu widerlegen, dazu werden Computer- und Handydaten ausgewertet.

Die Reaktionen auf die Büro- und Haus-Durchsuchung beim Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen fielen in Foren und sozialen Netzwerken teilweise sehr scharf aus. Tenor: Haben Staatsanwaltschaft und Polizei nichts Wichtigeres zu tun? „Lächerlich“, meinten mehrere Kommentare. „Hat die Polizei nichts Besseres zu tun?“ oder auch ironisch gemeint auf das angespannte Verhältnis von Sicherheitskräften zur Ultra-Szene, dass „das sicherlich zur Deeskalation führen wird“.

Nach Informationen unserer Zeitung geht es bei den Ermittlungen vor allem um die Falschaussage. Hätte der Sicherheitsbeauftrager gesagt, er kenne die Personen, wolle aber die Aussage verweigern, wäre die Lage jetzt nicht so zugespitzt. Er soll bei der Videoauswertung aber gesagt haben, dass er die Personen, die für die pyrotechnischen Vorfälle im Heimspiel gegen Hansa Rostock (37 Bengalos, sechs Rauchtöpfe, fünf Böller, die in den Blöcken M und N gezündet wurden) verantwortlich gemacht werden, nicht kenne. Der Preußen-Funktionär bewegt sich bei seiner Tätigkeit wohl stets am Rande eines Interessenkonfliktes, indem er mit den Sicherheitskräften (Polizei und Ordnungsdienst) zusammenarbeitet und das Spieltagskonzept für die Sicherheit im Stadion auf die Beine stellt. Zum anderen ist der Sicherheitsbeauftragte auch oft eines der wenigen Bindeglieder zwischen der sogenannten aktiven Fanszene sowie den Ultras und auf der anderen Seite eines Clubs. Gerade die Ultras verweigern in der Regel generell jede Zusammenarbeit mit der Polizei.

Rückblick

Der Sicherheitsbeauftragte hatte am 9. Mai nach dem Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers dabei eine brenzelige Situation fast im Alleingang gelöst. Damals waren knapp 100 der Ultra-Szene zugerechnete Anhänger nach der 2:3-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers bis kurz vor den Eingang der Haupttribüne durchgebrochen, Ärger lag in der Luft, doch der Sicherheitsbeauftragte entschärfte im persönlichen Gespräch die Situation. Nach einer Diskussion auf dem Parkplatz verlief die Aktion im Sande.

Heute

Auf Anfrage sagten Juristen am Samstag, dass eine mögliche Falschaussage in diesem jetzt konkreten Fall am Ende zu einer Geldstrafe führen könnte, eine Bewährungsstrafe ist unwahrscheinlich. Das Verfahren könnte außergerichtlich beigelegt werden. Der sogenannte Anfangsverdacht dürfte dabei aus Sicht der Staatsanwaltschaft valide sein, ansonsten wäre der Aufwand der Ermittlungen am Freitag als unverhältnismäßig auf den ersten Blick zu deuten. Spannend dürften in diesem Kontext auch die Aussagen der Szenekundigen Beamten sein, die die Spiele der Preußen begleiten und einen engen Kontakt zum Sicherheitsbeauftragten pflegen.

Insgesamt ist die Lage zwischen Sicherheitskräften und Polizei auf der einen Seite sowie aktiver Fanszene auf der anderen Seite auch in Münster – wie in vielen Fußball-Standorten – schwierig. Das rigorose Vorgehen gegen die Fanszene des SCP war in den vergangenen Monaten immer wieder auffällig. Das Derby beim VfL Osnabrück durften keine Anhänger aus Münster live im Stadion sehen, rund 600 Preußen-Anhänger demonstrierten deshalb vor Ort während der Partie. Den Ereignissen gegen Rostock folgten zahlreiche Anzeigen gegen Ultras und speziell gegen deren führende Köpfe inklusive Durchsuchungen am Arbeitsplatz und Wohnort. Nun haben die Ermittlungen ihre nächste Stufe erreicht.

Interessant:

Erst 2014 hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die „Zertifizierung des Sicherheitsmanagements im Profifußball“ in einem Modellversuch installiert. Dafür wurden Werder Bremen, Borussia Dortmund, Eintracht Braunschweig, der 1. FC Nürnberg und auch Preußen Münster ausgewählt. Der Sicherheitsbeauftragte des SCP hatte dieses wichtige DFB-Zertifikat für seinen Posten als einer der ersten im deutschen Profifußball erworben. Er bekomme, so Münsters Sportvorstand Carsten Gockel auf erneute Anfrage, die Rückendeckung des Vereins. Kurios war am Freitag allerdings, kurz nachdem die Durchsuchungen stattgefunden hatten, dass mit Hendrik Große-Lefert der DFB-Sicherheitsbeauftrage in Münster weilte, um sich über den Stand der Dinge bei den Preußen zu informieren. Ein Termin, der schon länger feststand. Er nahm diese Eindrücke wieder mit nach Frankfurt.

Sollten die Behörden allerdings in ihrem Verdacht bestätigt werden oder ihr Ansinnen durchdrücken, wäre der Mitarbeiter in dieser Form kaum zu halten. Für den SCP wäre eine Neubesetzung ein schwerer Schlag, da ein Nachfolger in dem schwierigen Mix aus Verein, Fans und vor allem der Polizei nur schwer zu finden sein wird. Das Vertrauen der diffus-komplexen Szene zu erlangen, dürfte ohnehin praktisch unmöglich sein.

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