Fußball: Bezirksliga Eine Liga – unterschiedliche Ziele

Steinfurt / Altenberge -

Die drei heimischen Fußball-Bezirksligisten SV Wilmsberg, TuS Altenberge und Preußen Borghorst haben mehr als die Hälfte der Spiele der Hinserie absolviert. Zeit, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

Von Heiner Gerull
Engagiert bei Sonne und Regen: Altenberges Coach Florian Reckels
Engagiert bei Sonne und Regen: Altenberges Coach Florian Reckels

Etwas Zeit bleibt den heimischen Fußball-Bezirksligisten noch, um die Hinserie nach ihren Wünschen zu gestalten. Viel ist es allerdings nicht. Während der SV Wilmsberg und der TuS Altenberge jeweils sechs Spiele vor der Brust haben, bietet sich dem SC Preußen Borghorst gar nur noch fünfmal die Chance, Punkte einzufahren. Eines haben die drei Clubs aus dem hiesigen Beritt gemeinsam: Es steht einiges auf dem Spiel. Auch wenn die Ziele der Protagonisten durchaus unterschiedlich sind, wie eine erste Zwischenbilanz zum Vorschein bringt.

 ►  Preußen Borghorst

Für Carlos Andrade ist die augenblickliche Situation beim SC Preußen eine gänzlich neue. Nicht nur, weil der Prozess des Zusammenwachsens nach seinem Dienstantritt bei den Borghorstern im Sommer noch nicht abgeschlossen sein kann. Es ist vielmehr die Tabellensituation, die ihn vor eine besondere, bisher nicht gekannte Herausforderung stellt. Kämpfte der Portugiese mit dem 1. FC Nordwalde in der A-Liga zuletzt um Titelehren, geht es für ihn und seine neue Mannschaft SC Preußen eine Etage höher in der ersten überkreislichen Liga sportlich ums nackte Überleben. „Dass es nicht leicht werden würde, war mir klar. Dass es aber so schwer wird, hatte ich mir nicht vorgestellt“, räumt der Coach des Tabellen-13. ein, dessen Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz gerade mal ein Pünktchen beträgt.

Somit zeichnet sich vor den Heimspielen gegen SuS Neuenkirchen II, FC Gievenbeck II und SV Wilmsberg sowie den Auswärtsbegegnungen bei Germania Hauenhorst und der Ibbenbürener Spielvereinigung schon jetzt ab, dass sich die Borghorster auf schmalem Grat bewegen.

Freilich gibt es nachvollziehbare Gründe, die einer besseren Platzierung im Wege standen. So zieht sich das Verletzungspech wie ein roter Faden durch die Saison. Andrade: „Mal fehlten uns fünf, dann sechs und sogar auch schon sieben Spieler. So lässt sich eine Mannschaft nicht vernünftig einstellen.“ Zuletzt traf es Mannschaftskapitän Süleyman Toylular, der angeschlagen war und deshalb am Zaun stehen musste.

Immerhin sieht Andrade Licht am Ende des Tunnels. Denn der eine oder andere Akteur hat sich inzwischen zurückgemeldet. Und das schlägt sich auch in den drei Unentschieden nieder, die der SCP in den jüngsten vier Begegnungen verzeichnete, „auch wenn uns diese Punkte nicht richtig weiterhelfen“, lautet Andrades Einschätzung. Doch gibt es eine Erkenntnis, die Trainer und Verantwortliche zuversichtlich stimmen: „Man sieht, dass sich die Mannschaft langsam entwickelt.“ Andrade setzt darauf, dass sich dieser Trend in den kommenden Wochen verfestigen wird.

►  TuS Altenberge

Ähnlich wie Andrade muss – oder musste – auch Altenberges Florian Reckels auf eine ganze Reihe verletzter Leistungsträger verzichten; ob es nun ein Hendrik Wilpsbäumer, Patrick Teriete, Pascal Hölker, Ricardo Bredeck, Julian Schmidt, Kevin Botella, David Marx oder ein Tobias Herrmann war, „den ich verletzungsbedingt noch gar nicht gesehen habe“, verkündet Reckels. Die Liste vermisster Akteure ließe sich verlängern. Ein Umstand, der es dem Trainer-Novizen – in der vergangenen Saison noch Spieler beim Landesliga-Vizemeister BSV Roxel – nicht einfacher macht in seinem neuen Job.

Gleichwohl klagt Reckels auf hohem Niveau. Denn als Tabellensiebter haben es die Altenberger in den bevorstehenden Spielen gegen den 1. FC Gievenbeck II, SV Wilmsberg und TuS Recke in eigener Hand, den Rückstand zu den Top-Teams zu verkürzen.

Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass der TuS als Vertreter des Fußballkreises Münster im Kreispokal zuletzt den klassenhöheren Landesligisten SV Herbern aus dem Wettbewerb gekegelt hat, was ihm nun im Viertelfinale ein Heimspiel gegen Westfalenligist BSV Roxel (19. November) beschert.

Angesichts dieser respektablen Zwischenbilanz will sich der Trainer trotz mancher „Aufs und Abs“ (O-Ton Reckels) nicht unter Druck setzen lassen. „Da, wo wir im Moment stehen, da stehen wir zurecht. Wir hatten nie den Anspruch, ein Spitzenteam zu sein. Das wurde von außen an uns herangetragen“, betont der 34-Jährige, der im Übrigen in diesen Tagen die erste Teilprüfung zur Erlangung der Fußballtrainer-A-Lizenz absolviert.

Der an einem Gymnasium in Münster-Gievenbeck tätige Pädagoge hat seine Ziele klar abgesteckt. Den augenblicklichen Spitzenreiter TuS Recke hatte er schon auf der Rechnung. Top-Favoriten bleiben für ihn allerdings Westfalia Kinderhaus und der SV Wilmsberg. „Ich hoffe“, so Reckels, „dass wir uns hinter diesen Mannschaften eingruppieren können.“

►  SV Wilmsberg

Dass Christof Brüggemann die Vorschusslorbeeren seines Altenberger Kollegen nicht annehmen möchte, liegt nahe. Es würde ihm und seiner Mannschaft eine Bürde auflasten. „Einen Top-Favoriten gibt es nicht. Dazu ist die Liga viel zu ausglichen.“ Der Trainer des SV Wilmsberg geht gar so weit, das Feld möglicher Titelaspiranten bis hinunter zum Tabellensechsten SC Altenrheine auszuweiten.

Dass seine Elf das Zeug dazu hat, nach der Vizemeisterschaft im vergangenen Jahr nun den ganz großen Wurf zu landen, stellten die Piggen spätestens mit dem 1:0-Sieg bei Spitzenreiter TuS Recke unter Beweis. Was Brüggemann zu der – durchaus nachvollziehbaren – Einschätzung veranlasst: „Ich orientiere mich nicht nur an der Punktzahl. Ich bin auch sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen und wie wir Dominanz ausüben“, sieht der 33-Jährige, der im Sommer 2014 Gero Mocciaro beim SVW beerbt hatte, seine Mannschaft in der rechten Spur.

Nicht zuletzt schöpft Brüggemann aus seinem quantitativ wie qualitativ stark besetzten Aufgebot Zuversicht. „Wenn man oben angreifen will, wird Ausgeglichenheit noch wichtiger. Wir haben 21 Feldspieler im Kader. Ich hätte kein Problem damit, jeden einzelnen von der ersten Minute an einzusetzen.“ Woraus sich für den Trainer freilich die knifflige Aufgabe ableitet, auch jene Akteure bei Laune zu halten, die sonntags nicht spielen. Doch anscheinend ist das in Wilmsberg kein Problem. Brüggemann: „Das haben wir so unterschrieben. Dem stellen wir uns.“

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