Handball: Jungschiedsrichter-Ausbildung Pfiffiger Nachwuchs beim SC Greven 09

Greven -

Trainertumulte an der Seitenlinie, große Erregung auf der Tribüne, Kopfschütteln bei den Spielern – es sind diese Momente, in denen Schiedsrichter wirklich stark sein müssen. Wie viele Entscheidungen ein Unparteiischer pro Begegnung fällen muss, lässt sich schwer quantifizieren, fest steht: Der Druck ist enorm. Und, ja, auch strittige Entscheidungen gehören zum Alltag. Trotzdem gibt es immer wieder junge Talente, die die Pfeife in die Hand nehmen, wie zum Beispiel beim SC Greven 09...

Von Ulrich Schaper
Die Jungschiris des SC Greven 09 (links unten) mit ihrer Ausbilderin Franziska Wittkamp. Zur Grundausstattung eines Spielleiters gehört nicht nur die Pfeife (rechts oben).
Die Jungschiris des SC Greven 09 (links unten) mit ihrer Ausbilderin Franziska Wittkamp. Zur Grundausstattung eines Spielleiters gehört nicht nur die Pfeife (rechts oben). Foto: Ulrich Schaper

An diesem Morgen sind es fünf Jung-Schiedsrichter, die unter den wachsamen Augen von 09-Ausbilderin Franziska Wittkamp Praxiserfahrung sammeln. Wie im Handball üblich, treten sie zu zweit auf: zwar gleichberechtigt, aber, um das enorm schnelle Spielgeschehen besser im Blick zu haben, mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen.

Sina Hübenthal und Imke Wilbers-Noetzel ist ihre Anspannung nicht anzumerken, sie flachsen miteinander, gehen, ausgestattet mit Pfeife, Abstreichkarte sowie mit den Karten für die Verwarnungen zum Anwurf. Direkt vor Anpfiff nehmen sie ihre Positionen als Feld- und Kreisschiedsrichter ein. Die beiden C-Jugendlichen pfeifen ein E-Jugendspiel. Immer an der Seitenlinie: Franziska Wittkamp. Sie beobachtet, tigert an der Seitenlinie auf und ab und unterstützt die beiden Spielleiter gestenreich und per Zwischenruf. „Es ist jetzt nicht so, dass wir nach jedem Spielzug in Richtung Seitenlinie schauen – Franzi macht sich schon bemerkbar, wenn etwas ist“, sagt Wilbers-Noetzel.

Tatsächlich hat Wittkamp wenig zu tun, die beiden machen ihre Sache relativ souverän. Ein Feedback-Ggespräch aber gehört natürlich zur Ausbildung. „Es sind viele Dinge, auf die man als Schiedsrichter achten muss“, erklärt die Lehrwartin. „Wo stehe ich am besten? Was sind meine Laufwege? Die Theorie der Regelkunde zu beherrschen ist das eine, sie anzuwenden ist das anderen.“

Erfreuliche Randnotiz: Die Trainer sitzen auf der Bank, beschäftigen sich nur mit der Leistung der eigenen Mannschaft – niemand in der Halle versucht Einfluss auf die Schiedsrichter zu nehmen. „Das ist mit allen Teilnehmern so abgesprochen, dass sie die Schiedsrichter in Ruhe lassen“, erklärt Wittkamp. „Das hier ist Kinder- und Jugendsport. Aggressives Verhalten gegenüber unseren Jungschiedsrichtern ist ein absolutes No-Go.“ Die einzige Stilkritik an diesem Spieltag kommt von der Ausbilderin selbst.

Wechselweise kommen neben Hübenthal und Wilbers-Noetzel noch Anna-Lena Frische, Dana Peppenhorst und Silke Goldstein zum Einsatz. Sie alle dirigieren das Spiel augenscheinlich ohne größere Zwischenfälle und mit bewundernswerter Entschlossenheit.

„Die Nervosität ist bedeutend größer, als wenn man selbst spielt“, sagt Hübenthal. „Man nimmt das Spielgeschehen auch ganz anders wahr.“ Ein Spiel zu leiten, sei mental enorm anstrengend, darin sind sich alle Nachwuchsschiris einig.

Beim Spieltag der E-Jugend drängt sich der Verdacht auf, dass hier und da ein bisschen der Zufall die Taktik vorgibt – was nicht gerade förderlich ist, um den Überblick zu behalten. „Unsere jungen Schiris werden schnell merken: Es ist viel einfacher, wenn man in höheren Jahrgängen pfeift. Das Spiel ist wesentlich strukturierter“, sagt Wittkamp. „Dafür muss man sich dort natürlich mehr mit den älteren Spielern auseinandersetzen. So sehr strittige Entscheidungen zur Tagesordnung eines Spielleiters gehören, so sehr herrscht in einer Sache Einigkeit – auf die Frage, ob sie lieber pfeifen oder spielen antworten die jungen Regelhüter unisono: „Definitiv – spielen.“

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4703242?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686801%2F