Volleyball: Bundesliga
Irina Kemmsies tritt gegen ein Tabu an

Münster -

Was macht eigentlich Irina Kemmsies? Die ehemalige Nationalspielerin des USC Münster war im vergangenen Jahr für Liga-Konkurrent VC Wiesbaden im Einsatz und hat ihre Volleyballschuhe jetzt an den Nagel gehängt. Mit gerade einmal 22 Jahren.

Mittwoch, 13.02.2019, 17:50 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 07:11 Uhr
Hat mit 22 Jahren ihre Sportlerkarriere beendet und sucht nach neuen Herausforderungen: Irina Kemmsies. Foto: Jürgen Peperhowe

Auf dem Volleyballfeld ist sie nicht mehr aktiv, abseits des Sportgeschehens aber sehr wohl. Die ehemalige Nationalspielerin des USC Münster, Irina Kemmsies, die von 2011 bis 2014 im Sportinternat Münster wohnte und auf der NRW-Sportschule Pascal-Gymnasium das Abi machte, steigt ehrenamtlich beim Deutschen Volleyball-Verband ein und ist erste Ansprechpartnerin für Prävention sexualisierter Gewalt.

Die 22-jährige ehemalige Zuspielerin aus Paderborn lebt in Wiesbaden, wo sie ab 2016 und bis Mitte letzten Jahres für den Bundesligisten VC aktiv war. 27 A-Länderspiele stehen in ihrer Vita. Und jetzt auch das Examen. Die Sozialpädagogin steht vor ihrem Berufseinstieg und hat sich just in den letzten Tagen exmatrikuliert. Erfahrungen sammelte Kemmsies während des Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und danach als Stadtteilmanagerin für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Schon früh für soziale Themen engagiert

Mit Nicole Fetting, der Generalsekretärin des DVV, sprach die vormalige Geschäftsführerin der VC Wiesbaden Spielbetriebs GmbH die (Ex-)Spielerin an. „Ich durfte Irina als Spielerin und Mensch kennenlernen. Mich hat damals schon beeindruckt, in welchem Maße sie sich in ihrem noch jungen Alter für soziale Themen interessiert und engagiert“, sagte Fetting, die mit der Personalentscheidung für den DVV Neuland betritt. Kemmsies setzt diesen Schritt gerne um: „Das ganze Thema ist enorm wichtig, dabei heikel und spannend.“

Ihr Entschluss stand nach der Anfrage schnell fest. „Ich musste nicht lange über­legen, ob ich diese wichtige Aufgabe übernehmen möchte. Sexualisierte Gewalt und Gewalt im Allgemeinen ist allgegenwärtig. Allerdings noch immer tabuisiert“, sagt sie und soll nun erst einmal den Aufbau der Anlaufstelle für junge Sportlerinnen und Sportler managen. „Ich lese viel, ich spreche mit sehr vielen Menschen, die im Thema sind, und erstelle gerade einen Handlungs­ faden.“ Zum hessischen Sportbund hat sie Kontakte aufgebaut, zur Deutschen Sportjugend im DOSB ebenso.

Wir wollen Grundlegendes schaffen und Spielern wie Trainern unseres Bereichs auch Sicherheiten geben, mit dem Thema offen und vor allem richtig umgehen zu können.

Irina Kemmsies

Für Prävention müsse erst einmal auf breiter Linie sensibilisiert werden. „In der Institution namens Sportverein ist das Thema noch ziemlich neu. Wir wollen Grundlegendes schaffen und Spielern wie Trainern unseres Bereichs auch Sicherheiten geben, mit dem Thema offen und vor allem richtig umgehen zu können“, beschreibt Kemmsies. „Jeder Mensch hat das Recht auf seelische und körperliche Unversehrtheit, sowohl im sportlichen als auch privaten Umfeld. Ich weiß, dass sehr viel zu tun ist und ich glaube, an der Aufgabe wachsen zu können.“

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