Fußball: 3. Liga Vor dem Löwen-Gastspiel bei den Preußen: Ballyhoo wie schon lange nicht mehr

Münster -

Die Nachfrage nach Karten: riesig. Die Vorfreude auf die Partie: mindestens ebenso groß. Die Voraussetzungen für ein Top-Spiel sind gegeben, das Drittliga-Duell des SC Preußen Münster mit dem TSV 1860 München elektrisiert die Fans. Über 11 000 Tickets waren bis Freitagmittag verkauft.

Von Alexander Heflik
Wieder gefordert: Angreifer Tobias Rühle (r.) befindet sich in Topform und will mit den Preußen gegen die Löwen bestehen.
Wieder gefordert: Angreifer Tobias Rühle (r.) befindet sich in Topform und will mit den Preußen gegen die Löwen bestehen. Foto: Jürgen Peperhowe

So viel Ballyhoo gab es schon lange nicht mehr vor einem Spiel des SC Preußen Münster. Als ob einige Fußballinteressierte aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst worden wären, nachdem der Fußball-Drittligist durch sechs Partien ohne Niederlage auf Rang zwei gespült wurde. Und jetzt geht es auch noch gegen einen großen Namen im eigenen Stadion: TSV 1860 München. Der Aufsteiger aus Bayern, eigentlich zu Höherem geboren als 3. Liga, gibt sich die Ehre. Am Freitag in der Mittagszeit waren für die Partie am Samstag (14 Uhr) über 11 000 Karten verkauft. Es wird voll, frühzeitige Anreise wird empfohlen, nur noch in der Ostkurve gibt es Stehplatzkarten.

„Wenn 1860 offensiv spielt, dann dürfte das für die Zuschauer interessant werden“, glaubt SCP-Coach Marco Antwerpen. Er ist im „Flow“ mit seiner Mannschaft, alles fließt im Moment. Und: „Mit 17 Punkten ist München nicht weit weg von der Spitze.“ Von den „Löwen“ erwartet er eine kämpferisch starke Partie, allerdings sei sein Team auch nicht chancenlos, denn: „Auswärts hat 1860 bislang sechs Zähler geholt, zu Hause tut sich die Mannschaft vor ausverkauftem Haus leichter.“

Nun also in Münster gastiert der TSV 1860 erstmals seit dem Bundesliga-Aufeinandertreffen am 26. Oktober 1963, damals endete die Begegnung mit 0:0 vor 25 000 Zuschauern. 55 Jahre und eine Woche ist das her.

Der Gegner im Check

Zwar nur ein Sieg aus den letzten sieben Spielen. Aber Elfter mit 17 Punkten ist eigentlich nicht schlecht für einen Aufsteiger. Doch beim Deutschen Meister von 1966 ist man wenig geduldig. Stagnation geht gar nicht. Topscorer in der 3. Liga ist Ex-Preuße Adriano Grimaldi mit vier Toren und sechs Vorlagen. Linksverteidiger Philipp Steinhart, letzte Saison unauffällig bei SF Lotte, lief lange unter dem Radar und steht jetzt bei einem Treffer und acht (!) Torvorlagen. Ein Topwert. Mit Quirin Moll verfügt 1860 über einen bärenstarken zentralen Mittelfeld-Akteur. Daniel Bierofka führte die „Löwen“ in die 3. Liga, sein Vertrag läuft bis 2022. Der ehemalige Bundesliga-Spieler (146 Partien für 1860 München, Bayer Leverkusen und VfB Stuttgart) erlangt gerade die Fußballlehrerlizenz und ist die erste Wochenhälfte stets in Hennef. Sein bevorzugtes System ist aktuell ein 4-1-4-1, Bierofka will offensiv spielen. Aber, so der Coach: „Wir benötigten zu viele Chancen für Tore.“ Okay, die Oktoberfeste sind vorbei, aber Trachten Angermaier bietet nun eine Lederhose mit dem Sechzger Wahrzeichen an beiden Oberschenkeln an, also der Löwe ist da zu sehen. Und im Innenteil des Hosen-Latzes wurde „Münchens große Liebe“ in Himmelblau eingestickt. Schee is‘ des. Kostenpunkt für die Lederhose mit kurzen Beinen: 368,60 Euro. Ein Schnäppchen, muss man für das Modell „Kochelsee“ 1479 Euro berappen. Die vegane Landestracht als Hose in Weiß und aus Baumwolle gibt es dagegen für nur 198 Euro.

Rein sportlich betrachtet haben die Preußen wenig Sorgen. Neben dem Langzeitverletzten Danilo Wiebe fehlt nur Dominik Lanius (Hüftbeuger-Zerrung). Die Sorgenkinder vom Wochenbeginn mit Simon Scherder (Infekt) und Fabian Menig (Achillessehnenprobleme) sind wieder fit. „Ein paar Tage Trainingsausfall wie zu Wochenbeginn sind für beide kein Problem“, meint Antwerpen. Zudem dürfte Kevin Rodrigues Pires nach Ablauf seiner Gelb-Sperre wieder erste Wahl sein.

► Martin Kobylanski, vier Tore und fünf Torvorlagen, soll das Interesse von Zweitligist VfL Bochum geweckt haben. Mit Trainer Robin Dutt arbeitete er bereits 2013/14 bei Werder Bremen zusammen und feierte dort sein Profidebüt. „Das wäre eine Auszeichnung für seine Arbeit“, sagt Trainer Antwerpen. Laut „Bild“ wäre ein Wechsel in der Winterpause durchaus denkbar. Dann könnte der SCP noch eine Ablösesumme einstreichen.

►  Münster: Schulze Niehues – Schweers, Kittner, Borgmann – Menig, Klingenburg, Rodrigues Pires, Kobylanski, Heinrich – Rühle, Dadashov

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