Westfalenpokal: Preußen Münster Preußen Münster enttäuscht in Rödinghausen und fliegt raus

Rödinghausen -

Mitten hinein in die leidige Stadiondiskussion liefern jetzt auch noch die Fußballer des SC Preußen Münster negative Schlagzeilen. Nach zuletzt vier ungeschlagenen Spielen in der dritten Liga, verabschiedete sich das Team von Trainer Marco Antwerpen am Mittwochabend durch eine peinliche 1:2 (1:1)-Niederlage beim Regionalligisten SV Rödinghausen vorzeitig aus dem Westfalenpokal.

Von André Fischer
Der Anfang vom Ende: Joy-Slayd Mickels bezwang Preußen-Keeper Max Schulze Niehues zum 1:1.
Der Anfang vom Ende: Joy-Slayd Mickels bezwang Preußen-Keeper Max Schulze Niehues zum 1:1. Foto: Jürgen Peperhowe

Geschichte wiederholt sich. Wieder Rödinghausen. Ein Viertligist mimt den Stimmungskiller aus Sicht des SC Preußen Münster. Nach dem Pokal-Aus am 21. Februar 2017, als Münster in den eigenen vier Wänden mit 0:1 das Nachsehen hatte, kickte der SVR den Drittligisten am Mittwochabend vor 1061 Zuschauern erneut aus dem laufenden Cupwettbewerb auf Landesebene. Endstation Achtelfinale. Die Chance auf die Teilnahme an der lukrativen ersten Hauptrunde im DFB-Pokal hat der SCP vorerst verspielt und muss auf die Liga hoffen. Das 1:2 reißt alte Wunden wieder auf. Der „Underdog“ hat dagegen beste Werbung für den Pokalkracher am 30. Oktober gegen die Bayern in Osnabrück betrieben.

Eine Premiere

Die ganz große Rotation nach dem Liga-Trip in den Süden blieb aus. Die Experimentierfreude von Preußentrainer Marco Antwerpen hielt sich beim Gastspiel in der kleinsten Gemeinde im ostwestfälischen Kreis Herford in Grenzen. Er wird geahnt haben, was auf seine Jungs zukommt. Drei Veränderungen gab es dennoch. Kapitän Simon Scherder rückte für Ole Kittner in die Dreierkette. Sandrino Braun besetzte die offensive Mittelfeldposition neben Martin Kobylanski, dafür musste Lucas Cueto weichen. Im Sturmzentrum erhielt Philipp Hoffmann seine Chance für Rufat Dadashov, der einer Einladung des aserbaidschanischen Verbandes zu einer Länderspielreise gefolgt war. An Hoffmanns Seite: Renè Klingenburg – eine Premiere.

Münster im Angriffsmodus

Der kantige Ex-Schalker, in der Liga zuletzt mit Ladehemmungen, stand sofort im Mittelpunkt, drückte das Leder nach Zusammenspiel mit Kobylanski und Hoffmann nach nicht mal zwei Minuten über die Line. In seinem Torjubel wurde er allerdings jäh ausgebremst, der Linienrichter hatte eine Abseitsstellung gesehen. Korrekt. Münster im Angriffsmodus. Der pfeilschnelle Hoffmann zog nur zwei Minuten später auf und davon, der Abschluss: zu schwach. Die rührigen Preußen stellten ihren Anhang in diesen ersten Minuten durchaus zufrieden. Knapp 400 Fans hatten die Reise ins schmucke Häcker Wiehen­stadion angetreten – und stimmten nach 15 Minuten den ersten Schlachtruf an: „Hier – regiert – der SCP!“ Nicht ohne Grund: Nach Hoffmann-Flanke stand Martin Kobylanski am zweiten Pfosten, schob ein. Die Führung. Dem Traum von der DFB-Hauptrunde ein Stück näher.

Anfängliche Gönnerhaltung schwindet

Und Rödinghausen? Geschockt? Nein, der ambitionierte Regionalligist legte seine anfängliche Gönnerhaltung nach und nach ab. Zwei Minuten nach dem Rückstand entwischte Björn Schlottke nach Zuspiel von Eros Dacaj Münsters Abwehrmann Scherder und zog den Ball knapp am Gehäuse von Max Schulze Niehues vorbei. Das gleiche Duell gab es in Minute 30, als Preußens Nummer eins mit einem sensationellen Reflex gegen Schlottke den Ausgleich vereitelte. Den Gästen glitt das Spiel aus der Hand. Und als Jannik Borgmann nach 43 Minuten Fabian Kunze im Strafraum zu Fall brachte, gab es keine zwei Meinungen: Strafstoß. Joy-Slayd Mickels sagte artig danke und stellt auf 1:1 zum Wechsel. Und nun?

Ein kleiner Lichtblick

Antwerpen reagierte, brachte für den wenig inspirierten Kevin Rodrigues Pires den zuletzt mit einem Infekt lahmgelegten Tobias Rühle. Der hatte nach 52 Minuten das 2:1 nach einer Flanke von Hoffmann auf dem Kopf. Ein kleiner Lichtblick, der nach 62 Minuten der Dunkelheit wich. Fabian Kunze schickte Mickels auf der rechten Seite auf die Reise, der ließ mit einem trockenen Pfund Schulze Niehues keine Abwehrmöglichkeit. Das Ding war gedreht.
Hofmann raus, Cyrill Akono rein. Antwerpen setzte auf den jugendlichen Effekt der Unbekümmertheit nach 65 Minuten. Letztlich ohne Fortune. Münster drückte zwar, stemmte sich mit vereinten Kräften gegen das Aus, Rödinghausen verteidigte mit Mann und Maus. Spielte auch die fünfminütige Nachspielzeit runter.

SC Preußen: Schulze Niehues – Schweers, Scherder, Borgmann – Rodrigues Pires 46. Rühle), Braun – Menig, Kobylanski, Heidemann – Hoffmann (65. Akono), Klingenburg

Kommentar: Ein harter Aufschlag

Zum fünften Mal in Serie ist der SCP vorzeitig im Pokal gescheitert. Die Aussicht auf lukrative DFB-Pokal-Einnahmen ist mindestens halbiert, ein Saisonziel verpasst. Die Art und Weise war nicht blamabel, aber enttäuschend. Das Spiel im Griff, die Führung im Rücken – und dann solche Defensivlücken. In der Liga wurde derartiges Fehlverhalten zuletzt bemerkenswerterweise seltener bestraft, das Matchglück half Münster, aber eben auch unbedingter Wille. Der war dem Team in der Schlussphase auch in Rödinghausen nicht abzusprechen. Doch da war es zu spät. Für die Zukunftsplanungen der Clubbosse war dieser Abend aber ein harter Aufschlag. Von Thomas Rellmann

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