Tennis: Trainingslager Poreč lockt Heilborn und den TC Union schon seit 40 Jahren

Münster -

Seit immerhin 40 Jahren führt der Weg von Thomas Heilborn ins kroatische Poreč. In Istrien halten er und seine Mitstreiter seitdem ein Trainingslager in dem Städtchen ab. Da gibt es natürlich zahlreiche Anekdoten zu erzählen.

Von Henner Henning
Ein Zeitzeugnis von 1989: Thomas Heilborn (h.r.) war erstmals 1978 in Poreč im Trainingslager, das ab Samstag zum 40. Mal stattfindet. Damals war als Trainer Lutz Rethfeld (h.l.) dabei, weitere Coaches im Laufe der Jahre waren Jürgen und Sören Friemel, Willi Hülskötter, Nicole Bedminster, Jürgen Kemper und Harald Tenhagen.
Ein Zeitzeugnis von 1989: Thomas Heilborn (h.r.) war erstmals 1978 in Poreč im Trainingslager, das ab Samstag zum 40. Mal stattfindet. Damals war als Trainer Lutz Rethfeld (h.l.) dabei, weitere Coaches im Laufe der Jahre waren Jürgen und Sören Friemel, Willi Hülskötter, Nicole Bedminster, Jürgen Kemper und Harald Tenhagen. Foto: TCU

Jugoslawien 1978: Josip Broz Tito war Staatspräsident, bezahlt wurde in Dinar. Der Staat in Südosteuropa war damals eine gefühlte Weltreise von Münster entfernt – und doch Ziel einer kleinen Reisegruppe des TC Union Münster. Sieben Leute um Thomas Heilborn machten sich auf den Weg nach Poreč, um sich dort gezielt auf die Saison vorzubereiten.

„Wie viele gute Ideen ist auch diese an der Theke bei Union entstanden. Wir wollten unbedingt Tennis spielen, die Plätze hier waren noch nicht bespielbar“, sagt Heilborn, der damals wie heute Coach des Clubs von der Steinfurter Straße ist. 1972 war er mit seinem Bruder Andreas und Axel Heger im Sommerurlaub nach Griechenland gefahren, passierte dabei auch Poreč – und erinnerte sich einige Jahre später an das kleine Örtchen in Istrien. Mit einem Bulli von einem benachbarten Gartenbau-Unternehmen brach die Unioner Truppe auf, Improvisation wurde großgeschrieben. „Wir haben in den Wagen Gartenstühle gestellt und sind dann losgefahren. Heute wären wir keine 500 Meter weit gekommen“, erzählt Heilborn.

Zurück aus Poreč machte die Reise in Münster schnell die Runde – und genauso schnell waren neue Mitfahrer gewonnen, die zwölf Monate später mit an Bord waren. 13-köpfig war die Gruppe nun, die sich mit der Bahn auf den Weg machte. Ein nicht minder großes Abenteuer, strandeten Heilborn und Co. doch um 6 Uhr morgens in Ljubljana. Der Anschlusszug war weg, dementsprechend auch in Koper das angeheuerte Busunternehmen, das den Transfer nach Poreč hätte übernehmen sollen. „Da saßen wir nun mit den Kindern“, erinnert sich Heilborn an die Odyssee. Eine von zahlreichen Anekdoten.

Letztlich aber erreichte die Truppe Poreč – wie in der Folge noch 37 Mal. Aus der wagemutig erscheinenden Idee ist längst eine Tradition geworden. Schon früh schlossen sich Kinder und Jugendliche aus Nachbarvereinen an, viele bis heute währende Freundschaften entstanden auf der Halbinsel. Das Trainingslager in Poreč hat gewiss zu dem guten Klima, das zwischen Münsters Tennisspielern herrscht, beigetragen und die Szene geprägt.

Zu Spitzenzeiten waren an die 100 Teilnehmer (1989) dabei, oft nutzten auch die älteren Semester die optimalen Trainingsbedingungen auf den Ascheplätzen vor Ort. Gefürchtet wie legendär war dabei zu früheren Zeiten das Konditionstraining auf der hügeligen Strecke rund um das Hotel Delfin, auf der die Trainer ihre Schützlinge – und damit den Schweiß – laufen ließen. Auch bei Mark Pieper, der in diesem Jahr zum 20. Mal dabei und damit Rekordhalter ist.

Zwischenzeitlich, als der Tennis-Boom in Deutschland abebbte, ging auch bei der Poreč-Fahrt die Teilnehmerzahl zurück. Heilborn aber hielt es nicht davon ab, weiter die Tour anzubieten. Zurecht, mittlerweile ist die Gruppe – erweitert mit Gästen von GW Paderborn um den früheren Unioner Jens Himmelmann – wieder auf über 90 gewachsen.

Und sie sind wie die Münsteraner um Heilborn, der mit dem Trainingslager einzig die Kost und Logis für die mitreisenden Coaches finanziert, immer gerne gesehene Gäste. Schon zum 25. Besuch gab der damalige Ministerpräsident Ivan Jakovcic im Rathaus einen Empfang. „Heilborn“, so betonte Jakovcic, „ist ein treuer Gast und Freund von Poreč. Die Schönheiten Istriens entdeckend führt er seit 25 Jahren zahlreiche Tennisspieler hierher.“ Mit diesem Empfang bedanke er sich für die Werbung für den Tourismus.

Ein Ritterschlag, der sich am Mittwoch wiederholt. Dann ist Heilborn zum 40. Mal – einzig 1992 zu Zeiten des Umbruchs im heutigen Kroatien ging es ausnahmsweise in Münsters Partnerstadt Monastir – in Poreč. Und das hätte er 1978 ganz sicher nicht gedacht.

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