Fußball: 3. Liga Grimaldi hier und da und überall

Münster -

Dass der SC Preußen Münster an diesem Sonntag den Klassenerhalt fix gemacht hat, interessierte am Sonntagnachmittag nur am Rande. Daran hatte ohnehin niemand der 8266 Gäste beim 5:1 (4:0)-Triumph der Adlerträger über den FSV Zwickau gezweifelt. Es war eine grandiose Fußball-Party zum 111. Geburtstag.

Von Alexander Heflik
Wieder einmal nicht zu halten: Adriano Grimaldi war der Mann des Spiels am 111. Geburtstag des SC Preußen und der Schrecken für die Roten.
Wieder einmal nicht zu halten: Adriano Grimaldi war der Mann des Spiels am 111. Geburtstag des SC Preußen und der Schrecken für die Roten. Foto: Jürgen Peperhowe

19 Minuten und sechs Sekunden war die Partie alt, als der SC Preußen Münster und Anhang passend zum 111. Geburtstag jubeln durch. 1906 gegründet, räumte der heutige Fußball-Drittligist im Heimspiel gegen FSV Zwickau aber mal so richtig auf vor der Halbzeit, passend zum Wiegenfest, Partymeile Preußenstadion. Und Jubel Nummer eins generierte Martin Kobylanski mit dem Führungstreffer der Preußen, am Ende hieß es 5:1 (4:0) vor 8266 Zuschauern. Happy Birthday SCP, so kann man feiern und es richtig krachen lassen, da kommt der freie Tag am 1. Mai gerade recht.

Dass der SCP seine letzten rechnerischen Zweifel an der Ligazugehörigkeit ausräumte, und wie vor zwei Wochen gegen Fortuna Köln zur Halbzeit wieder exorbitant hoch mit 4:0 führte, das war schon irre. Eine Galavorstellung. 20 Punkte aus den letzten neun Partien, was eine Schande, dass die Saison sich jetzt dem Ende entgegen neigt. Eine Spielzeit, in die die Adlerträger fürchterlich gestartet waren und über Monate auf einem Abstiegsrang ausharren mussten, ist nun in eine Art Versöhnungstour vor heimischem Publikum mutiert. Die können doch was, und zwar eine ganze Menge.

Grimaldi und Stoll in Gala-Form

Und ein Duo stach auch aus einer ganz starken Preußen-Auswahl sogar noch heraus: Lennart Stoll und Adriano Grimaldi. Stoll, Vertreter des gesperrten Rechtsverteidigers Stephane Tritz und gerade erst mit einer Vertragsverlängerung bedacht, agierte rechtsdrehend unglaublich überzeugend, er bereitete zwei Treffer vor. Und die markierte Grimaldi, der wieder einmal vor eigenem Publikum ein Tausendsassa in der Offensive war. Grimaldi, hier, Grimaldi da, Grimaldi überall.

"

Ob um drei Uhr nachts oder acht Uhr abends – wir haben einfach Spaß, wenn wir uns in der Kabine treffen dürfen

Martin Kobylanski

"

Das 1:0 von Kobylanski nach 19 Minuten bereitete der 25 Jahre alte Sturmtank vor. Das 2:0 und 4:0 besorgte er nach Vorarbeit von Stoll selbst. „Das 3:0 war ein Flipperball“, meinte Grimaldi zudem und verzichtete darauf, einen Hattrick für sich zu beanspruchen. Toni Wachsmuth bugsierte den Ball ins eigene Tor, Grimaldi war natürlich als Unruhestifter in der Nähe.

4:0 zur Pause, wie zuletzt gegen Fortuna Köln war der Drops da schon gelutscht. „Geiles Wetter, geile Zuschauer, geiles Spiel“, umriss Grimaldi grinsend die Begegnung deftig, die er mit den Saisontoren zehn und elf garnierte.

"

Wir sind mit den Siegen zusammengewachsen. Im Sommer waren wir noch ein neues Team. Das hat Zeit gebraucht.

Adriano Grimaldi

"

„Wir wollten nach dem Wechsel nur noch versuchen, nicht mehr unter die Räder zu kommen“, umriss FSV-Coach Torsten Ziegner die Gemengelage. Das gelang irgendwie, weil Toni Wachsmuth (70.) nun auch auf der für ihn richtigen Seite traf, fünf Minuten später aber versenkte Mirkan Aydin – als Grimaldi-Ersatz – einen Abschlag von Torwart Max Schulze Niehues zum 5:1.

Höchster Sieg in Liga drei

So hoch hat der SCP seit 2011, als er in die 3. Liga aufstieg, in dieser Spielklasse nicht gewinnen können. „Das war zum Geburtstag unseres Vereins eine gute bis sehr gute Leistung“, freute sich natürlich auch Benno Möhlmann. Nein, heute wolle er keine Kritik äußern, und irgendwie auch keine kritischen Fragen hören. Möhlmanns rhetorischer Imperativ war das.

Dieser 5:1-Triumph zum 111. Geburtstag der alten Dame SC Preußen ließ keine Fragen offen. Benno Möhlmann, der 62 Jahre alte Fußballlehrer, hat innerhalb von einem halben Jahr aus einem nahezu sicheren Abstiegskandidaten ein gerade in Heimspielen formidables Team geformt. Es sind nahezu die gleichen Spieler, die am Anfang der Saison jeden Zuschauer fast in den Wahnsinn getrieben haben, denen nichts und gar nichts mehr zugetraut wurde. Fußball ist schon eine verrückte Sache.

Also, noch Fragen? Für den Moment keine.

Wird der Trainerstab umgebaut?

Der SC Preußen wird wohl mit einem neuen Co-Trainer wie auch Torwarttrainer in die nächste Saison gehen. Carsten Nulle, der seit 2015 die Keeper des Drittligisten trainiert, wie auch Sreto Ristic werden allem Anschein nach keine neuen Verträge erhalten. Ristic war vor dieser Saison auf Wunsch von Horst Steffen geholt worden. Gehen Nulle und Ristic, wäre der komplette Trainerstab ausgetauscht. Chefcoach Benno Möhlmann arbeitete in der Vergangenheit mit Ex-Profi Sven Kmetsch zusammen beim FC Ingolstadt, FSV Frankfurt und 1860 München. Kmetsch ist Co-Trainer bei Regionalligist Schalke 04 II. Kommt jetzt Kmetsch?

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4801242?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F