Fußball: 3. Liga Das Ende der Negativserien

Bremen -

Statistisch gesehen sprach an diesem Freitag eine ganze Menge gegen Preußen Münster. Fünf Auswärtsniederlagen am Stück hatte der Drittligist zuletzt angehäuft, und bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen hatte der Club ohnehin noch nie gewonnen in acht Anläufen. Alles ab sofort Schnee von gestern. Mit einem verdienten 1:0 (1:0)-Sieg auf dem gefürchteten Platz 11 beendete der SCP beide Negativserien auf einen Schlag. 

Von Thomas Rellmann
 Nahm die Glückwünsche beim 1:0 gerne entgegen: Adriano Grimaldi (Mitte) traf zur wichtigen Führung.
 Nahm die Glückwünsche beim 1:0 gerne entgegen: Adriano Grimaldi (Mitte) traf zur wichtigen Führung. Foto: Jürgen Peperhowe

Noch wichtiger: Im Rennen um den Klassenerhalt gelang dem schwarz-weißen-grünen Ensemble ein unfassbar wichtiger Coup. Für den Moment ist die Abstiegszone sechs Punkte entfernt. Einmal kurz durchpusten ist erlaubt. Zumal die Mannschaft nach einem heiklen Auftakt die Kontrolle übernahm und an der Weser die vielleicht stimmigste Saison-Leistung in der Fremde lieferte.

Trainer Benno Möhlmann sah das ähnlich und gab gleich mal drei Tage frei. „Die ersten 20 Minuten haben wir mit Glück überstanden, danach haben wir den Gegner weit weg gehalten vom Tor. Und endlich haben wir mal nachgelegt nach dem Sieg am Dienstag.“ Er selbst wäre gern direkt in seiner Wahlheimat bei der Familie geblieben – aber sein Auto stand eben noch an der Hammer Straße. „Es war ein überragendes Ende der extrem anstrengenden englischen Woche“, so Siegtorschütze Adriano Grimaldi.

Die Hanseaten hatten einige prominente Namen wie Ulisses Garcia, Justin Eilers oder Ousman Manneh aufs Feld geschickt. Münster verteidigte phasenweise zwar hoch und riskant, überließ dem SVW aber wohl bewusst Ball und Aufbau, in der Fremde stand die Kontertaktik höher im Kurs.

Grimaldi eiskalt vorm Tor

Nach einem Luftloch von Lion Schweers kam Ole Käuper zur ersten großen Gelegenheit der Gastgeber, doch Torhüter Patrick Drewes parierte bei seiner Premiere gut (8.). Als Manneh Sebastian Mai düpiert hatte, wäre er machtlos gewesen, es fehlten beim Abschluss nur wenige Zentimeter (17.). Kurz darauf hob der Stürmer nach Eilers-Vorarbeit den Ball nur knapp über das Tor (20.).

Drei Mal also hätten sich die Gäste fast einen frühen Rückstand gefangen – dann aber schlugen sie selbst zu. Danilo Wiebe spielte den langen und präzisen Pass auf den bis dahin glücklosen Adriano Grimaldi, der Dominic Volkmer entschlossen abschüttelte und dann eiskalt einschob (25.).

Re-Live

Mit 1:0 gewinnt der SCP in Bremen - hier der Spielverlauf zum Nachlesen .

„Ich hatte erwartet, dass der Ball einmal auftickt. Die Vorlage war super“, meinte der Stürmer. Zuvor hatte nur Michele Rizzi einmal abgezogen (10.) – mit dem Treffer wuchs aber das Selbstvertrauen.  Mai knallte nach einem Rizzi-Freistoß die Kugel um Haaresbreite am Gehäuse vorbei (33.). Auch Mirkan Aydin kam nach Grimaldi-Zuspiel aus guter Position zum Schuss (41.). Die dynamischen Eilers und Manneh bekamen die Preußen auch immer besser in den Griff.

Keine Zitterpartie

Direkt nach der Pause zielte Jeron Al-Hazaimeh, den Rizzi herrlich bedient hatte, nur einen Tick zu ungenau (50.). Das galt genauso für Sandrino Braun bei dessen Distanzversuch (58.). Münster hatte den Laden auch nach dem Seitenwechsel ganz gut im Griff. Wiebe organisierte das Zentrum bemerkenswert ruhig, Rizzi und Braun liefen clever die Räume zu. Und auch die Viererkette hatte die anfängliche Unordnung längst abgelegt. Mai und Schweers setzten die Werder-Angreifer matt.

Die Preußen arbeiteten hervorragend gegen den Ball und ließen im zweiten Abschnitt keine nennenswerte Szene mehr für die Bremer zu. Am Ende war es nicht mal mehr die große Zitterpartie. Den einen oder anderen Gegenstoß hätten die Offensivkräfte vielleicht noch cleverer ausspielen können. „Im entscheidenden Moment kam der Pass dann meist doch nicht“, merkte Möhlmann fast pflichtbewusst mahnend an. Doch danach fragte schon auf der ungefähr zweistündigen Rückfahrt niemand mehr so recht.

Statistik

Mannschaftsaufstellungen:

SCP: Drewes – Tritz, Schweers, Mai, Al-Hazaimeh – Wiebe – Kobylanski (85. Stoll), Braun, Rizzi, Aydin (56. Tekerci) – Grimaldi (75. Warschewski)

SVW: Zetterer – Zander, Rehfeldt, Volkmer, Jacobsen (73. Jensen) – Rother – Eilers, Garcia, Schmidt, Käuper (85. Bytyqi) – Manneh (46. Kazior)

Schiedsrichter: Asmir Osmanagic (Stuttgart)

Tor: 0:1 Grimaldi (25.)

Zuschauer: 1670

Schulze Niehues und Rühle krank

Zwei schlechte Nachrichten mussten die Preußen schon vor dem Anpfiff verdauen. Keeper Max Schulze Niehues und Tobias Rühle, die beide am Donnerstag mit nach Bremen gereist waren, mussten aufgrund einer Magen-Darm-Erkrankung kurzfristig passen. Die Medien-Abteilung des Vereins brachte daher spontan U-23-Torhüter Stephan Tantow mit an die Weser.

Zwischen den Pfosten aber stand Patrick Drewes. Der vom VfL Wolfsburg Ausgeliehene feierte sein Drittliga-Debüt. Anstelle von Rühle lief Sandrino Braun auf, wodurch das SCP-System sich zu einem 4-1-4-1 änderte. Einen weiteren Feldspieler nominierte Trainer Benno Möhlmann nicht nach, ihm genügten 17 Akteure im Kader. Mehmet Kara blieb daher komplett außen vor.

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