Fußball: 3. Liga
Preußen tun ihren Fans mal was Gutes

Münster -

So ein Finale, so ein Sieg kann Kräfte freisetzen. Der SC Preußen hat nach dem 2:1 im Kellerduell gegen den FSV Frankfurt wieder Oberwasser. Bei Werder Bremen II gilt es nun am Freitagabend, nachzulegen. Das Momentum spricht für Münster.

Mittwoch, 15.03.2017, 17:08 Uhr aktualisiert: 16.03.2017, 07:40 Uhr
Wo ist Rühle? Die Preußen feiern ihren Siegtorschützen, der SCP lebt noch. Foto: Jürgen Peperhowe

Nun soll es tatsächlich so sein, dass nicht wenige Preußen-Anhänger in Münster und dem Umland aktuell gar nicht gut in den Schlaf kommen. Der nun wirklich monatelange Abstiegskampf, das eineinhalbjährige sportliche Dauertief, der erste drohende Abstieg seit dem Absturz in der Oberliga im Jahr 2006 – einen richtigen Fan nimmt das mit. Und selbst wenn der Preußen-Freund an sich Kummer über die Jahre und Jahrzehnte gewohnt ist, ist die aktuelle Saison nur schwer zu verkraften, das geht an die Substanz.

„Schönen Dank an die Mannschaft, dass ich heute vielleicht etwas ruhiger schlafen kann“, war SCP-Coach Benno Möhlmann nach einer nervenaufreibenden Partie gleich wieder zum Scherzen aufgelegt. Den aufgewühlten Besuchern im Stadion dürfte es nicht anders ergangen sein. Der Heimerfolg im Kellerkinder-Duell tat gut.

Saison 2016/17 - 27. Spieltag: Preußen Münster - FSV Frankfurt

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  • Abstiegskampf im Preußenstadion: In der Fiffi-Gerritzen-Kurve fieberten die Fans dem Anpfiff entgegen.

    Abstiegskampf im Preußenstadion: In der Fiffi-Gerritzen-Kurve fieberten die Fans dem Anpfiff entgegen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im Kampf um den Klassenerhalt setzt der FSV Frankfurt auf einen neuen Coach: Gino Lettieri

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Zeichen standen klar auf Kampf - auch am Boden wie hier SCP-Mittelfeldspieler Danilo Wiebe gegen Frankfurts Patrick Ochs.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • In diesem Kellerduell wollten die Akteure keinen Ball verloren geben. Hier kämpfen die Adlerträger Martin Kobylanski (r.) und Mirkan Aydin (l.) mit dem ehemaligen Preußenspieler Marc Heitmeier um das Spielgerät.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Eiskalt erwischt wurde der SCP bereits in der 3. Spielminute, als der FSV Frankfurt durch Cagatay Kader mit 1:0 in Führung ging.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Doch 20 Minuten später schlug der SCP zurück und konnte durch einen Elfmeter, den Mirkan Aydin verwandelte, ausgleichen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Spiel zerrte an den Nerven aller Beteiligten...

  • ...auch SCP-Coach Benno Möhlmann musste vom Schiedsrichter zurecht gewiesen werden.

  • Als fast niemand im Stadion mehr mit einem Happy End aus münsterischer Sicht rechnete...

  • ...schlug kurz vor Spielende Tobias Rühle (r.) zu und erzielte den erlösenden Siegestreffer für den SCP.

  • Es folgen weitere Impressionen vom Spiel...

Mehr oder weniger war das für diese Saison auch eine Premiere für den SC Preußen Münster. Ein Last-Minute-Sieg, wenige Augenblicke, bevor der Schiedsrichter abpfeifen wollte, knallte Tobias Rühle den Ball zum 2:1 (1:1)-Endstand in die Maschen. Vielleicht noch beim 2:2 gegen Wehen Wiesbaden in der Hinrunde, als Amaury Bischoff einen Elfmeter in der 87. Minute zum Ausgleich verwandelte, war die Entscheidung so positiv zu Gunsten der Preußen beim Schlussakkord. Es könnte ein Signal für die nächsten Wochen sein. Denn, so Möhlmann: „Ich habe das der Mannschaft gesagt, dass es nur noch Endspiele gibt.“ Das nächstes Finale steht bereits am Freitag (19 Uhr) an, wenn es auf dem fast schon legendären Platz 11 nahe des Weserstadions gegen Werder Bremen II geht.

Natürlich hoben die Preußen-Spieler nach dem Siegtor von Rühle ab, nichts hielt sie am Boden. Solche Siege fühlen sich für einen Moment wie die Meisterschaft an. Großartig. Möhlmann meinte zum Tordebüt im Preußen-Dress von Rühle: „Die haut er regelmäßig so im Training rein. Der kann das.“ Auch er wollte sich eigentlich in die Spielertraube des Jubels nach dem 2:1 stürzen, entschied sich dann aber um. „Der Spurt wäre dann doch zu lang gewesen.“

Drei Fragen an Lion Schweers

Hand aufs Herz – hatten Sie die Hoffnung auf den Sieg schon aufgegeben?

Schweers: Ganz ehrlich, nein. Ich hatte ein gutes Gefühl. Die Stimmung in der Kabine war gut, vor dem Spiel und auf dem Platz auch. Alle haben dran geglaubt in unserem Team. Irgendwann musste das Glück doch mal zu uns zurückkommen.

Das Spiel ging schlecht los. Was ist da passiert beim 0:1 bereits in der dritten Minute?

Schweers: Tja, das lief wirklich doof. Da waren wir nicht wach. Aber wir haben zusammen gestanden und waren sicher, dass wir es drehen.

Kurz vor Schluss gab es eine Rangelei zwischen Ihnen und den Frankfurtern Shawn Barry und Milad Salem. Was war?

Schweers: Mein Gegenspieler hat im Fallen etwas nachgetreten. Aber alles gut, da sind die Emotionen hochgekocht. Passiert ist letztlich ja nichts.

...

Was bleibt? Natürlich der Sprung über den Strich, das Comeback nach dem frühen 0:1-Rückstand. Mirkan Aydin, die neue Nummer eins bei Strafstößen, verwandelte routiniert und sicher nach 23 Minuten einen Handelfmeter. Eine Minute vor dem Ende langte Rühle nach einem langen Flankenball von Sebastian Mai und Zwischenstation Tobias Warschewski zu, damit rechnete keiner mehr. Oder?

Aber auch das blieb haften, dass die Hausherren die Zuschauernerven lange mit einer zwar engagierten, aber spielerisch schwachen Partie strapaziert hatten. Abstiegskampf halt, einen Schönheitspreis gewinnt dieser SCP wohl nicht mehr.

Einzelkritik: Preußen Münster - FSV Frankfurt

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  • Spielernoten_960x640mm_image_1024_width Foto: WN
  • Max Schulze Niehues - Note: 4:

    Das 0:1 war sein erster gravierender Patzer in dieser Saison, aber den Ball muss der Keeper festhalten. Anschließend bei den wenigen Prüfungen ohne Fehl und Tadel. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz - Note: 3: Der verschuldete Elfmeter in Magdeburg machte dem Franzosen nicht zu schaffen. Gutes Stellungsspiel, cleveres Zweikampfverhalten. Nur seine Hereingaben waren nicht sehr präzise. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers - Note: 3: Am Ende geriet er mit zwei Frankfurtern aneinander. Im Spiel hatte er wenig Probleme, war gegen Cagatay Kader extrem gefordert, ließ ihn vor dem 0:1 vielleicht zu sehr aus den Augen. Aber insgesamt ein stabiler Auftritt. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sebastian Mai - Note: 3: Zwei Fehler im Aufbau leistete sich der Abwehrchef, die waren haarsträubend. Doch in der Luft und auch am Boden war er meist Herr der Lage. Und dann kam sein langer, genau getimter Ball in die Spitze, der das 2:1 einleitete. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh - Note: 3:Gerade nach dem Rückstand war er derjenige, der die Ärmel hochkrempelte und nach vorne alles reinwarf. Da gelang bei weitem nicht alles, aber von solchen Aktionen geht auch eine Signalkraft aus. Nach der Pause etwas ruhiger im Vorwärtsgang. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle - Note: 2,5: Eigentlich war das nicht sein allerbester Tag. Er hatte ständig zwei Gegenspieler auf den Füßen stehen, kam nicht wie gewohnt zur Geltung, biss sich aber irgendwie rein. Diese eine geniale Szene kurz vor Schluss, als er die Kugel einfach direkt nahm und in den Winkel jagte, entschädigte an diesem Abend einfach für alles. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi - Note: 4: Schoss viele, viele Standards, aber nicht mit dem gewünschten Erfolg. Das lag nicht nur an seinen Hereingaben, sondern auch an den Kollegen. In der ersten Halbzeit oft viel zu weit von seinen Gegenspielern entfernt, nach dem Wechsel ging er phasenweise mit Kampfgeist voran. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe - Note: 4:

    Laufstark und um Ruhe am Ball bemüht, allerdings auch mit einer ganzen Reihe unnötiger Fehlpässe. In der zweiten Hälfte näherte er sich immer mehr dem gegnerischen Tor an, doch es fehlte die letzte Präzision. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mirkan Aydin - Note: 3: Auf der linken Seite kann er seine Stärken nicht so ausspielen wie gewünscht, doch er war immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Beim Strafstoß übernahm er Verantwortung und verwandelte souverän. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski - Note: 4: Technisch hochwertige Aktionen wechselten sich im ersten Durchgang mit zu leichten Ballverlusten ab. Den Elfmeter provozierte er mit einem entschlossenen Abschluss. Nach der Pause tauchte der Winter-Neuzugang weitgehend ab. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi - Note: 5:

    Zu wenig vom Kapitän. In der ersten Hälfte keine gelungene Aktion, nicht mal in der Luft präsent. Zur Pause ersetzte ihn Tobias Warschewski. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski - Note: 3:

    Hatte gleich nach seiner Einwechselung mehrere Ballaktionen, was im SCP-Sturm schon eine Verbesserung im Vergleich zur ersten Hälfte bedeutete. Doch allzu viel klappte nicht von dem, was der Youngster versuchte. Sicherte sich am Ende aber den Assist, indem er die Kugel aus der Luft pflückte und sie - freiwillig oder nicht - Rühle zum Siegtor servierte. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sinan Tekerci - keine Note: Comeback nach einem Monat Pause. Ihm war - in zugegeben nur wenigen Spielminuten - noch etwas die fehlende Spielpraxis anzumerken. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cihan Özkara - keine Note: Kam in der Schlussphase, erlebte den Siegtreffer auf dem Rasen und warf sich am Ende mit in die Abwehrschlacht. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Und nun? Am Freitag hat der SCP die Chance, diesen „glücklichen Sieg“ (Möhlmann) zu vergolden und Werder wieder in das Gerangel und Gezerre im Klassenkampf zurückzuholen. Das würde im Falle des dritten Auswärtssieges der Saison passieren. Aber, so der Coach: „Viel trainieren können wir nicht. Vielleicht machen wir deshalb einiges bei den Standards. Das muss besser werden, zumal Bremen zu Hause aus einer starken Defensive spielen wird.“ Möhlmann schwört sein Team auf das elftletzte Endspiel ein, kein leichter Gang wird das, alle müssen an die Grenzen gehen und bis zum allerletzten Moment alles raushauen. Einfache Fußballer-Weisheiten. Setzt der SCP das erfolgreich um, könnten sich Tausende Anhänger am Wochenende endlich mal richtig ausschlafen.

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