Fußball: Bezirksliga BWA-Verteidiger Borgers spielt konstant und ist heiß begehrt

Münster -

Gerrit Borgers ist ein zuverlässiger und manchmal auch spektakulärer Außenverteidiger bei BW Aasee. Aber er ist auch ein verrückter Typ. Mittlerweile ist er auch interessant für andere Clubs, doch ein Wechsel kommt nicht in Frage.

Von Christian Lehmann
Wenn Gerrit Borgers (r.) auf dem linken Flügel anzieht, dann sehen die Gegenspieler wie hier Kolja
Wenn Gerrit Borgers (r.) auf dem linken Flügel anzieht, dann sehen die Gegenspieler wie hier Kolja Foto: Heimspiel/Christian Lehmann

Eigentlich hatte Tobias Steens die Mettendchen, die er stets zu den Spielen mitbringt, ja als Snack für nachher vorgesehen. Da hat der Co-Trainer von BW Aasee die Rechnung aber ohne Gerrit Borgers (24) gemacht. Der mampft mittlerweile ganze zwei bis drei von den Teilen vor dem Spiel. „Sonst kommt er nicht in Wallung“, sagt Mitspieler und Torwart Sven Cordes. Inzwischen hat der fixe Linksfuß seine ganze Truppe infiziert. Mit den Mettendchen, mit seinen frechen Sprüchen und mit seiner Art, Fußball zu spielen.

Schon sein beruflicher Werdegang zeigt, dass Borgers alles andere ist als aalglatt. Er schloss zunächst seine Ausbildung als Immobilienkaufmann erfolgreich ab und studiert nun Sport und Englisch im ersten Semester – auf Lehramt. Zuvor hatte er ein Jahr in Neuseeland verbracht. „Ich wollte eigentlich schon immer Lehrer werden. Ich konnte mich aber neben Sport nie für ein Zweitfach entscheiden“, sagt er. Dass er „Bock darauf hat, was mit Kindern und Jugendlichen zu machen“, zeigen auch frühere Tätigkeiten als Jugendtrainer, Mitorganisator von Zeltlagern und Messdienerfahrten.

Dass Borgers nicht lange gebraucht hat, um bei Blau-Weiß Aasee voll anzukommen, zeigt allein die Tatsache, dass er bereits nach seiner ersten Saison gemeinsam mit Enno Stemmerich, Fabian Fröhning und Julian Kampschulte nach Sri Lanka jettete, um zu urlauben. Mit Kampschulte zieht er auch nachts gerne um die Häuser. Außer natürlich am Samstagabend, versteht sich.

Schön waren für Borgers die Zeiten, in denen er zusammen mit den Mitspielern Cordes, David Gründker, Julian Kampschulte und Fröhning eine Fahrgemeinschaft bildete. „Damit er sich nach dem Spiel schön einen zünden kann. Unter vier Bier geht er nach dem Spiel nicht nach Hause“, sagt Cordes lachend. Weil Borgers inzwischen umgezogen ist und mit zwei jungen Damen in einer WG wohnt, muss er mit dem Rad fahren.

Wer den Flügelflitzer spielen sieht, den wird die folgende Aussage wundern: „Ich bin eigentlich eher lauffaul. Die anderen sagen ja immer, ich würde laufen ohne Ende. Aber ich habe eigentlich gar nicht viel Kondition“, meint Borgers. „Ich wundere mich selbst. Durchtrainiert bin ich ganz sicher nicht, trotzdem bin ich relativ schnell.“

Außerdem sei sein rechter Fuß, gelinde gesagt, ausbaufähig: „Ich fall‘ um, wenn ich damit was machen muss.“ Stärken sieht er vor allem in seiner Mentalität: „Ich haue immer 100 Prozent raus, habe Bock, 90 Minuten Vollgas zu geben.“ Kurios: Während andere sich die Finger danach lecken, findet Borgers den Kunstrasenplatz von BWA gar nicht so dolle: „Ich bin ein Fan der Grätsche.“ Obwohl er es besser wissen müsste, geht der Naturrasen-Verfechter häufig trotzdem runter. Die Konsequenz sind meist aufgeschürfte Knie oder ein Bettlaken, das am Montagmorgen am Oberschenkel klebt.

In der Defensive ist Borgers der Inbegriff dessen, was man sich so unter einem „unangenehmen Gegenspieler“ vorstellt. „Er weiß ganz genau, wo er ansetzen muss. Manchmal reizt er seinen Gegenspieler, stellt sich dabei aber ziemlich clever an“, verrät Cordes. „Ich glaube, es ist ziemlich schwer, an mir vorbei zu kommen“, ergänzt Borgers. Schlitzohr ja, unfair nein. „Manchmal verstehe ich mich auch richtig gut mit meinem Gegenspieler, dann quatschen wir zum Beispiel über den Schiedsrichter.“

Seine taktische Reife, seine Abgeklärtheit und sein enormer Drang nach vorne (fünf Saisontore) haben ihn auf den Zettel anderer Clubs gebracht. Doch Borgers sagte den Interessenten ab. „Ich bin hier super zufrieden. Die Mannschaft ist überragend“, sagt er. Auch in der nächsten Saison kickt er für BWA. Zumindest solange Tobias Steens weiter die Mettendchen zum Spiel mitbringt ...

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