Leichtathletik: Cross-DM Laufsportfreunde und LG Brillux im Querfeldein-Modus

Münster -

Zahlreiche Münsteraner von der LG Brillux und von den Laufsportfreunden starten am Wochenende in Löningen bei den Deutschen Cross-Meisterschaften. Die Disziplin fristet in der Leichtathletik so etwas wie ein Schattendasein. Dabei bietet sie eine Menge Rüstzeug für spätere Bahn-Wettkämpfe.

Von Jürgen Beckgerd
Warmlaufen für die deutschen Crossmeisterschaften: Beim Wienburg-Cross von GW Marathon am Sonntag zeigte sich Frederike Straeten (l.) von der LG Brillux Münster für die nationalen Titelkämpfe in Löningen gut gerüstet
Warmlaufen für die deutschen Crossmeisterschaften: Beim Wienburg-Cross von GW Marathon am Sonntag zeigte sich Frederike Straeten (l.) von der LG Brillux Münster für die nationalen Titelkämpfe in Löningen gut gerüstet. Foto: fotoideen.com

Dieter Baumann bemängelte einstmals, dass die Crosslauf-Veranstaltungen in Deutschland erstens permanent weniger werden und zweitens die läuferische Ausbildung darunter leide. Tatsache ist, dass Crosslauf in Deutschland eine Randdisziplin in der Leichtathletik darstellt, auch wenn Olympiasieger (1992) und Europarekordler Baumann sowie andere seiner Zunft stets die Bedeutung hervorgehoben haben.

Zu denen gehört auch Detlef Uhlemann. Der mehrfache Deutsche Meister und Olympia-Zehnte über 5000 Meter (1976 in Montreal) war 1973 Dritter der Cross-Weltmeisterschaften und Bundestrainer (Langstrecke) im Deutschen Leichtathletik-Verband. Er sagt: „Für mich ist der Crosslauf für die Entwicklung von Klasseläufern unverzichtbar. Wer es gelernt hat, sich im Winter unter schwierigsten Bedingungen zu behaupten, dem wird dies auch im Sommer auf der Bahn und auf der Straße gelingen.“

An diesem Samstag finden die Deutschen Crosslauf-Meisterschaften in Löningen statt. Und zumindest aus Sicht der münsterischen Leichtathleten genießen die Titelkämpfe ein hohes Ansehen. Neben zahlreichen Teilnehmern (vorwiegend von den Laufsportfreunden Münster) in den Altersklassen – für diese DM gibt es keine Normanforderungen – sind auch einige ambitionierte Läufer im Feld der Aktiven: Oskar Enseling, Tom Thiemann und Frederike Straeten von der LG Brillux sowie Jari Bender, Jannik Feder, Miriam Schröder und Eva Schönfeld von den LSF.

Klar, dass Uhlemann als interessierter Beobachter dabei ist. „Die Disziplin“, sagt der 65-Jährige aber, „hat nicht mehr den Stellenwert wie zu meiner Zeit als die internationale Elite durch die ‚hohe Schule‘ des Cross-Country gegangen ist.“ Heute verfüge jeder Leichtathletik-Verein über eine Rundbahn, viele sogar über eine Halle. Immerhin: In Richard Ringer (Überlingen) geht einer der erfolgreichsten deutschen Bahnläufer in Löningen an den Start, der die „hohe Schule“ durchlaufen hat. Wahrscheinlich ebenfalls dabei ist Alina Reh (Laichingen), die am Wochenende noch bei der Hallen-EM in Belgrad beeindruckte.

Cross bildet eben die „Grundausbildung“ für die Lang- und Mittelstreckler in der folgenden Sommersaison auf Bahn und Straße – So sieht es auch Jörg Riet­hues von der LG Brillux. Die Münsteraner wählen ganz bewusst und gezielt die Geländestrecken im Winter als Grundlagentraining für die Meisterschaften aus. „In Riesenbeck und im Teutoburger Wald werden die konditionellen Grundlagen für den Sommer gelegt. „Vielleicht sind wir da auch ein wenig die Exoten im Land“, schildert Riethues, der den Wienburg-Cross von GW Marathon am Sonntag organisiert hatte. „Da gab es vor allem im jüngeren Feld einen Riesenauflauf“, sah sich der Coach bestätigt – und Ex-Bundestrainer Uhlemann ein Stück weit widerlegt.

Immerhin sah Münster etwa zehn Jahre nach dem letzten Wienburg-Cross und dem schon vor Jahren eingestellten Engagement des ESV eine Art Renaissance des guten alten traditionellen Querfeldeinlaufs.

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