Volleyball-Bundesliga USC Münster vor schwieriger Mission

Münster -

Der USC Münster hat eine neue Vorstandsmannschaft, aber finanziell keinen Spielraum mehr. Präsident Jörg Adler wurde am Montagabend im Amt bestätigt, allerdings mit dünnem Ergebnis. Der Volleyball-Bundesligist steht vor einer spannenden Zeit.

Von Wilfried Sprenger
Sehr nachdenklich: USC-Präsident Jörg Adler (im Hintergrund) und Karen Zentgraf, eine von drei neuen Vizepräsidenten, während der Mitgliederversammlung am Montagabend.
Sehr nachdenklich: USC-Präsident Jörg Adler (im Hintergrund) und Karen Zentgraf, eine von drei neuen Vizepräsidenten, während der Mitgliederversammlung am Montagabend. Foto: Jürgen Peperhowe

Am Dienstagmorgen um acht war Jörg Adler längst wieder auf den Beinen. Der Präsident des USC Münster wechselt gerade die Wohnung. Es ist nicht seine einzige Baustelle. Denn da gibt es ja auch noch den Volleyball-Bundesligisten. Die Mitglieder bestätigten den „Chef“ am Montagabend in seinem Amt. Mit dünner Mehrheit.

Von 64 Stimmberechtigten votierten 36 für Adler, zwölf lehnten die Wiederwahl ab, 16 enthielten sich. Das ist kein fetter Vertrauensbeweis, Adler nahm die Wahl trotzdem an. „Ich wusste, dass es eine knappe Kiste werden würde. Es hätte auch schiefgehen können: Vor allem für mich, aber auch ein bisschen für den Verein“, sagte Adler am Tag danach.

Meinung

Mieses Wahlergebnis für USC-Präsident Jörg Adler: Lehrgeld gezahlt - ein  Kommentar

Der alte und neue Präsident zeigte Verständnis für das Abstimmungsverhalten vieler Mitglieder. „Die personellen Veränderungen, die Trennung von zwei langjährigen und hochverdienten Funktionären, werden zuerst mit mir in Verbindung gebracht. In der Tat ist dies ein knallharter Einschnitt, der aber natürlich nicht von mir allein getragen wurde.“ Um Adler hatte sich in den vergangenen Wochen ein so genanntes „Kompetenzteam“ aufgestellt.

Als Folge dessen verzichteten die Vizepräsidenten Jürgen Schulz (Sport) und Jürgen Aigner (Spielbetrieb) auf eine erneute Kandidatur. Beide warfen den ehemaligen Kollegen am Montag vor, „interne und auch falsche Informationen an die Öffentlichkeit“ geleitet zu haben. Zudem monierten sie, in Entscheidungen nicht eingebunden worden zu sein. Die „Gegenseite“ schwieg zu den Ausführungen. Grundlegende Differenzen zwischen Adler und Schulz sind seit geraumer Zeit bekannt.

Erstes Treffen schon nach der Mitgliederversammlung

Ohne Schulz, der dem Vorstand 15 Jahre angehörte und sich mit einer sehr emotionalen Rede verabschiedete, startete der USC noch am Montagabend in die Zukunft. 30 Minuten nach der vierstündigen (!) Versammlung traf sich der neue Vorstand, um dringende Aufgaben zu verteilen und erste Termine festzuzurren. Anstelle von Schulz will sich die Sportwissenschaftlerin Prof. Karen Zentgraf (auch) um sportliche Belange kümmern und einen regen Gedankenaustausch mit Trainer Andreas Vollmer pflegen.

Beide kennen und wertschätzen sich seit vielen Jahren. Als weitere Vizepräsidenten gehören der Sportpsychologe Prof. Bernd Strauß und der Marketing-Fachmann Marko Feldbaum aus dem Haus des Hauptsponsors LVM künftig dem Führungsgremium des USC an. Martin Gesigora, der Vizepräsident Finanzen, wurde im Amt bestätigt. Jugendwartin Ute Zahlten (bis 2017) stand nicht zur Wahl.

Strauß: „Es gibt die Chance zur Veränderung“

Der USC hat schwierige Zeiten vor sich, wirtschaftlich war die vergangene Saison ein Desaster . Inzwischen drücken den Club Verbindlichkeiten in Höhe von 700 000 Euro. Wer jetzt noch von einem Pappenstiel redet, hat das Gefühl für Zahlen komplett verloren – finanziell geht es den Unabhängigen richtig schlecht. Bernd Strauß, einer der Neuen im Vorstand, hat Hoffnung auf ein Wendemanöver und formulierte es so: „Die Lage ist ernst, aber es gibt die Chance zur Veränderung.“

Strauß hat schon vor Wochen, als er sich auf ein mögliches Mandat beim USC einließ, darauf hingewiesen, dass jeder, der sich zur Wahl stelle, sehr viel Verantwortung übernehme. Tatsächlich muss sich einiges bewegen im Verein. Adler ist bereit, voranzugehen. Am Montag sagte er: „Ich habe Fehler gemacht in den vergangenen beiden Jahren und viel Lehrgeld gezahlt. Vielleicht bin ich nicht genug auf die Leute zugegangen. Das wird sich ändern.“

Via elektronischer Medien erhielt er schon Dienstagmorgen Zuspruch: „Es habe mir bekannte und auch unbekannte Menschen zur Wiederwahl gratuliert. Das hat mich gefreut und spornt mich an.“

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