Fußball: Drei Saerbeckerinnen in der Bundesliga
„Frauen sind unkomplizierter“

Greven -

Ab heute Abend fiebern die drei am Bildschirm mit der Frauen-National-Elf, die bei der WM in Frankreich ihr Glück versucht. Demnächst betreten Hannah Kleve, Emma Harrison und Luna Ortmeier selbst die große Fußball-Bühne. Mit der DJK Arminia Ibbenbüren sind die drei Saerbeckerinnen in die B-Junioren-Bundesliga aufgestiegen.

Samstag, 08.06.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 16:18 Uhr
Ab September geht es für die Saerbeckerinnen mit Arminia Ibbenbüren in die Bundesliga: (v.l.) Hannah Kleve, Luna Ortmeier und Emma Harrison Foto: Hannah Schrand

Wenn man die drei jungen Frauen fragt, seit wann sie Fußball spielen, müssen sie lange überlegen – als könnten sie sich nicht an die Zeit vor dem Sport erinnern. „Zehn Jahre müssten es sein“, meint Luna Ortmeier. Ein ganzes Jahrzehnt. Eine lange Zeit für 16-Jährige.

Die Saerbeckerinnen Hannah Kleve, Emma Harrison und Luna Ortmeier sind eigentlich ganz normale Teenager. Sie reden über die neuesten Netflix-Serien, über Klassenkameraden aus der Schule und dann vor allem über eines: den Fußball.

Mit der B-Jugend der DJK Arminia Ibbenbüren sind die Fußballerinnen gerade erst in die Bundesliga aufgestiegen. Ein Erfolg, den drei Mädchen aus Saerbeck viel bedeutet. „Wir sind schon stolz“, meint Hannah Kleve. „Jetzt sind es andere Namen, gegen die wir spielen.“

Das sei ein „Push“. Von großer Aufregung fehlt dennoch jede Spur.

Im September beginnt die Liga. Die Vorbereitungen? „Fangen erst in den Sommerferien an“, erklärt Emma Harrison. Und dann ganze sechs Wochen.

Dass die Freundinnen für diesen Sport leben, ist klar. Dafür lassen sie auch andere Veranstaltungen sausen: den Sommerurlaub oder auch die Party am Freitagabend, weil sie am Samstagvormittag ein Spiel vor sich haben.

Drei Mal die Woche wird für eineinhalb Stunden trainiert, das Spiel am Wochenende kann aufgrund der Fahrten einen ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Emma Harrison und Luna Ortmeier gehen zur Maximilian-Kolbe-Gesamtschule. Trotz drei langer Schultage in der Woche würden sie nichts anders machen. Und danach: „Ich will Sportlehrerin oder Psychologin werden“, sagt Emma Harrison. Den Fußballsport als berufliche Zukunft kommt für die drei nicht mehr in Frage. „Da hätten wir gesichtet und auf ein Internat gehen müssen“, meint Hannah Kleve. Der Sport bleibt also ein Hobby. Ein zeitintensives zwar – aber vor allem auch ein geliebtes.

Hannah Kleve spielt bereits seit zwei Jahren für Arminia Ibbenbüren. Der Zusammenhalt der Mannschaft sei gut und das Training mache unheimlich Spaß.

Ihre zwei Teamkolleginnen stießen ebenfalls vom SC Falke zur Arminia hinzu. „Bei unserer damaligen Trainerin Eva Kortmann haben wir die ersten Schritte im Fußball gelernt“, erinnert sich Luna Ortmeier. „Das war der Beginn des Ganzen.“

Der einschneidende Moment ihrer Fußballkarriere war der Pokalsieg nach dem Tod ihres früheren Trainers in der C-Jugend bei Falke Saerbeck, Pascal Müller. Durch einen Autounfall ist der damals 19-Jährige am 15. Juni 2017 ums Leben gekommen. Das anstehende Pokalfinale wollte die Mannschaft damals für ihren verstorbenen Trainer gewinnen. Seitdem hat Emma Harrison das Faltblatt der Beerdigung Müllers bei jedem Spiel in den Socken dabei. „Sie hat den Pascal mit in der Socke“, sagt die Mutter von Emma Harrison, Heike Harrison. In den kommenden Bundesligaspielen wird das den drei Fußballerinnen zusätzlich Ansporn geben.

Jetzt freuen sich die Schülerinnen aber erstmal auf die Fußball Weltmeisterschaft der Frauen. Heute spielen die Deutschen ihr erstes Spiel. Dass die Frauen im Fußball immer noch eher im Abseits stehen, versteht Emma Harrison nicht. „Frauen sind zwar etwas langsamer, aber sie spielen definitiv keinen schlechteren Fußball“, meint sie selbstbewusst. „Frauen sind unkomplizierter.“ Luna Ortmeier lacht. „Und nicht so egoistisch!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6672453?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F
Polizei sucht auffälligen VW Polo
Das Foto zeigt das mutmaßliche Fluchtfahrzeug.    
Nachrichten-Ticker