Mannschaft des Jahres: Das Tanzpaar des TSC Petra Voosholz und Bernd Farwick
Sie kamen, tanzten und siegten

Greven -

Petra Voosholz und Bernd Farwick haben in ihren elf gemeinsamen Jahren als Tanzpaar schon so manches gewonnen. Doch der Triumph in Stuttgart, beim größten Tanzturnier der Welt, den German Open Championships (GOC), stellt alle bisherigen Erfolge in den Schatten. Ein Porträt.

Donnerstag, 03.01.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2019, 10:34 Uhr
Auf dem Höhepunkt ihrer Tanzkarriere: Für Petra Voosholz und Bernd Farwick reiht sich im vergangenen Jahr ein Erfolg an den nächsten. Foto: Stefan Bamberg

Manchmal hören Petra Voosholz und Bernd Farwick die ersten Takte und wissen schon, dass sie heute gewinnen. Spätabends am 7. August dieses Jahres, einem glutheißen Dienstag, hören sie die ersten Takte und wissen, dass sie heute gewonnen haben. „Da ertönte die Nationalhymne – für uns“, erinnern sie sich – und: „Da flossen die Tränen.“

Der Triumph in Stuttgart, beim größten Tanzturnier der Welt, den German Open Championships (GOC) – nach elf gemeinsamen Jahren, in denen sie so ziemlich alles gewonnen haben, aber dieses Ding halt noch nie.

Drei Monate später, an einem düster-kalten Montag im Grevener November, lässt sich der Sommer natürlich nicht zurückzaubern. Aber wenn Voosholz, die Münsteranerin, und Farwick, der Osnabrücker, nach einem harten Arbeitstag zum Training in die Kroner Heide kommen, muss sich der Spätherbst-Blues schon ganz schön warm anziehen. Und das müsste er auch, wenn die beiden nicht GOC-Champions, sechsmalige WM-Finalisten und dreifache deutsche Meister wären. Denn – und da lächelt das Erfolgsdoppel so synchron wie sonst auf dem Parkett: „Wir tanzen nicht in erster Linie für den Erfolg – wir tanzen, weil es uns einfach unglaublichen Spaß macht.“

Dass sie’s aber auch gar nicht mal so schlecht können – Platz eins in der aktuellen Senioren III-Weltrangliste – gehört aber natürlich auch zur Geschichte. Ihre gemeinsame beginnt, als beide schon sehr vieles gesehen haben in der bunten Welt des Tanzens. Die Gipfel – aber auch die Abgründe: Farwicks Wettkampflaufbahn startete damit, dass er es in jungen Jahren wagte, den mehrfachen Deutschen Meister zu besiegen – ein Erfolg, der seine Karriere fast beendet hätte: wegen des Gerüchts, dass in einer Sportart, in der wohl im Allgemeinen viel getrickst wird, bestimmt auch hier getrickst worden sein musste – irgendwie halt, ohne dass irgendjemand was beweisen konnte und wollte: „Da hab ich mir geschworen, nie wieder für den Deutschen Tanzsportverband anzutreten“, sagt Farwick.

Er wechselte in die Equality-Sparte und tanzte sich mit anderen Männern zu vier WM-Titeln. Dass er sich das mit dem „Nie-wieder“ noch mal überlegte, lag an einer Frau, die ihm am Anfang eigentlich ein bisschen zu klein war: Petra Voosholz, als Jugendliche eine begeisterte Turniertänzerin, hatte mit ungefähr 20 eigentlich auch schon aufgehört. „Mein jetziger Mann brachte mich dann zurück – ich dachte, ich hätte alles vergessen“, erzählt Voosholz.

„Doch irgendwie war alles sofort wieder da, trotz fast 20 Jahren Pause.“

Auch sie räumte fortan im Equality national wie international ab. Und kam dann doch nicht an einem Gentleman der alten Schule vorbei: „Bernd und ich kannten uns ja schon lange.“ Sie kamen, tanzten und siegten – von Anfang an.

Und waren doch plötzlich am Ende: Eine rätselhafte Krankheit stoppte Petra Voosholz, sie tanzte unter Schmerzen weiter, bis es wirklich nicht mehr ging. Ein Abschied auf dem Zenit: „Das war unfassbar bitter und traurig“ – Bernd Farwick nimmt das noch heute spürbar mit. Doch wie man im Leistungssport überhaupt viele Dinge schwer erklären kann, gab es 2016 das kaum noch für möglich gehaltene Comeback – der Rest ist Geschichte.

Eine Geschichte, die mit dem WM-Titel in diesem Jahr in Bilbao ihre nächste Pointe kriegen soll.

Und eine Geschichte, über die Petra Voosholz und Bernd Farwick in der Rückschau auf das für sie Wahnsinnsjahr 2018, auch mal in Ruhe nachdenken wollen: „Man hat endlich auch ein bisschen Zeit zum Genießen.“

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