Fußball: Bezirksliga Kriwet und der goldene Schuss

Greven -

Die nächste Portion Wahnsinn: Greven 09 hat das Spitzenspiel gegen den SC Altenrheine gewonnen. Alles in Butter also in der Schöneflieth? Nur fast, denn Fans und Trainer machen sich allmählich Sorgen um ihren Blutdruck.

Von Stefan Bamberg
Ein völlig wahnsinniger Nachmittag: Luca Dömer hielt einen Elfer, Nicolas Kriwet feierte – und Greven 09 gewann mit 4:3.
Ein völlig wahnsinniger Nachmittag: Luca Dömer hielt einen Elfer, Nicolas Kriwet feierte – und Greven 09 gewann mit 4:3. Foto: Stefan Bamberg

Wenn bei der WM um Platz drei gespielt wird, kann man sich als Fan eigentlich gleich zum Grillen verabreden. Keiner hat Bock drauf und die Trainer stellen den Busfahrer ins Tor. Anderthalb Jahreszeiten später und mehrere Welten vom ganz großen Fußball-Theater entfernt ist das zum Glück anders. Da erlebt die Schöneflieth einen denkwürdigen Nachmittag. Einen, an dessen Ende Greven 09 mit einem 4:3 (3:2) über den SC Altenrheine wieder das Bezirksliga-Podest erklimmt. Und einen, nach dem sich der Coach fragt, ob und wenn ja, wie oft er den Irrsinn noch durchhält: „Lange schaff‘ ich das nicht mehr“, stöhnt Andreas Sommer.

Also dann: auf, auf ins Getümmel! Rund um die Reservebänke ist endgültig die Zeit der Mützen und Schals angebrochen – auf dem Rasen hingegen sehen wir schon in der neunten Minute einen ungewollten Sommerschlussverkauf: 09-Vorstopper Sebastian Sterthaus gibt diesen Ball aber mal ganz billig ab – und Gäste-Stürmer Kevin Vollrath lässt sich dieses Schnäppchen nicht entgehen. 0:1.

Doch Sterthaus ist nicht der einzige, der hier 20 Prozent auf alles gibt: Eigentlich ist das ganze Defensiverhalten eine einzige Rabattaktion – aber gerade das führt zu einem begeisternden Schlagabtausch. Nächstes Beispiel, 19. Minute: Ecke Nullneun, Nicolas Kriwet wird geblockt, Emre Kücükosman rauscht heran – zack: alles wieder offen! Das gilt für Altenrheines Abwehrreihe und den Spielstand – 1:1!

Und gäbe es die Anstoßregel nicht, Kücükosman hätte gleich da stehen bleiben können: keine Minute später, diesmal ist Patrick Fechtel ausgebüxt und liefert den perfekten Service für Kücükosman, den Mann, der heute alles kann – 2:1 (21.).

Und auch muss – weil gegenüber sofort wieder der Ausgleich fällt (24.). Aber kein Problem: Kücükosman flankt – und in der Mitte versenkt der scharfe Grevener Ostwind die Murmel eiskalt ins Eck. Es ist gerade mal eine halbe Stunde vorbei.

Für den Schiri gibt‘s in der Pause Kaffee, das macht wach, und so entgeht Jürgen Wentker auch das winzige Gehakel von Fechtel nicht – Elfer für Altenreihe: Doch 09 ist von der eingangs erwähnten Sache mit dem Busfahrer im Tor gottlob weit entfernt: Luca Dömer pariert (63.).

Und kann den dritten Einschlag dennoch nicht verhindern: Weitschuss, 3:3 (67.). Wahnsinn. Wie einfach hätte es sein können, wenn Bernd Lakenbrink das Ding Sekunden zuvor reingehauen hätte? Heavy Metal in der Schöneflieth – Pfosten!

Die Gäste dominieren die zweite Hälfte, können jedoch froh sein, dass sie zu elft bleiben: Wenn es für das Foul an Julian Höfker keine rote Karte (72.) gibt, kann man sie im Prinzip auch abschaffen. Höfker wird aus dem Stadion getragen.

Was sie dann aus freudigerem Anlass auch (fast) mit Nicolas Kriwet machen – 87., Kriwet mit der Innenseite! Oder: der goldene Schuss.

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