Fußball: Julian Lüttmann In Unterhosen in die 2. Liga

Greven -

Er hat zwar nach wie vor einen heißen Draht zum Profifußball, vor allem zu Preußen Münsters Trainer Marco Antwerpen. Doch in erster Linie zählen für Julian Lüttmann heute seine Familie, sein Beruf, sein Heim – und natürlich der SC Reckenfeld. Vor genau zehn Jahren ging der aktuelle SCR-Trainer mit Rot-Weiß Oberhausen auf Torejagd in der Zweiten Bundesliga.

Von Heiner Gerull
Vor zehn Jahren schoss Julian Lüttmann (re.) Rot-Weiß Oberhausen in die 2. Liga. Hier bejubelt der heutige Trainer des SC Reckenfeld an der Seite seines Oberhausener Teamgefährten David Müller seinen Treffer zum vorentscheidenden 2:0 bei Union Berlin im Stadion „An der Alten Försterei“ im Ostberliner Stadtteil Köpenick.
Vor zehn Jahren schoss Julian Lüttmann (re.) Rot-Weiß Oberhausen in die 2. Liga. Hier bejubelt der heutige Trainer des SC Reckenfeld an der Seite seines Oberhausener Teamgefährten David Müller seinen Treffer zum vorentscheidenden 2:0 bei Union Berlin im Stadion „An der Alten Försterei“ im Ostberliner Stadtteil Köpenick. Foto: dpa

Wird Julian Lüttmann in diesen Tagen gefragt, was genau vor zehn Jahren geschah, dann braucht der ehemalige Fußball-Profi nicht lange zu überlegen: „Da waren wir mit Rot-Weiß Oberhausen gerade in die 2. Liga aufgestiegen“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen.

Vor wenigen Wochen feierten sie in Oberhausen in der „Nacht der Helden“ dieses kleine Jubiläum. Und erst am vergangenen Mittwoch war Lüttmann mit der Oberhausener Mannschaft von 2008 aus vergleichbarem Anlass bei einem Revivalturnier in Ahlen, weil auch LR Ahlen im Sommer 2008 mit RWO aufgestiegen war und sein erstes Spiel in der 2. Liga bestritten hatte. Heute ist Lüttmann bekanntlich Trainer des heimischen B-Ligisten SC Reckenfeld. Doch die glorreiche Vergangenheit lässt ihn in diesen Tagen nicht los. Ein wenig trägt seine Geschichte gar märchenhafte Züge.

Es waren bewegte und bewegenden Zeiten im Sommer 2008 für den heute 36-Jährigen, der sich 2007 bei den Sportfreunden Lotte als Torschützenkönig der Oberliga Westfalen für einen Vertrag beim frisch gebackenen Regionalliga-Aufsteiger RW Oberhausen empfohlen hatte. „Unser vorrangiges Ziel war, uns für die eingleisige 3. Liga zu qualifizieren“, erinnert sich Lüttmann.

Diese Vorgabe war schon deshalb ehrgeizig, weil Oberhausen erst 2007 in die Regionalliga aufgestiegen war. Und um sich für die eingleisige 3. Liga, die 2008 eingeführt wurde, zu qualifizieren, hätten die Rot-Weißen in der damals zweigeteilten Regionalliga einen Platz unter den ersten Neun erreichen müssen.

Doch der Aufsteiger eroberte die Liga im Sturm. Zwei Tage vor Saisonende war der Durchmarsch in die 2. Liga plötzlich greifbar nahe. „Aufstiege feiern sich am besten in der Heimat. Deshalb wollten wir schon im vorletzten Spiel zu Hause gegen Rot-Weiß Erfurt alles klarmachen“, erläutert Lüttmann. Doch die Erfurter spielten da nicht mit, denn sie erkämpften sich ein 0:0 im Niederrheinstadion. Die Aufstiegsfeier war damit vertagt.

So entschied sich der Aufstiegskampf erst im letzten Saisonspiel, in dem die Rot-Weißen bei Union Berlin antreten mussten. Da die Berliner mit einem Sieg selbst noch hätten aufsteigen können, stellte sich RWO auf einen ganz heißen Tanz ein. Die Ereignisse rund um das denkwürdige Spiel haben sich beim Reckenfelder Coach ins Gedächtnis eingebrannt.

Die Oberhausener Delegation hatte im Ostberliner Stadtteil Köpenick ein idyllisch am Fluss Dahme gelegenes Hotel bezogen. Eigentlich kein schlechtes Quartier, um sich auf solch ein wichtiges Spiel vorzubereiten. „Aber am Abend hatten sich Union-Fans mit Booten dem Hotel genähert und Böller und Leuchtraketen abgeschossen“, weiß Lüttmann. Endgültig vorbei war es mit der Ruhe, als sich nachts um drei ein Unioner ins Hotel eingeschlichen und Feueralarm ausgelöst hatte. „Wir mussten sofort unsere Zimmer verlassen und rannten in Unterhosen auf die Straße“, sagt Lüttmann schmunzelnd. Wirklich aus dem Konzept gebracht hatten diese Attacken das Team nicht. Ganz im Gegenteil. „Das machte uns alle noch heißer auf das Spiel.“

Die Antwort lieferten die Oberhausener wenige Stunden später im Stadion „An der Alten Försterei“. Früh war RWO in Führung gegangen. In der 28. Minute hatte Lüttmann das 2:0 nachgelegt. Uns als Mike Terranova Mitte der zweiten Halbzeit auf 3:0 erhöhte, war Oberhausens Aufstieg perfekt.

„Es war eine traumhafte Zeit, die mir sehr viel gegeben hat.“ Lüttmann sagt das ohne Wehmut. Er weiß, dass sich Dinge im Leben verändern. Er hat zwar nach wie vor einen heißen Draht zum Profifußball, vor allem zu Preußen Münsters Trainer Marco Antwerpen. Doch in erster Linie zählen für ihn heute seine Familie, sein Beruf, sein Heim – und natürlich der SC Reckenfeld.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6033130?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F