Fußball Ein Trainer-Job ist nicht genug

Greven -

Trainer in zwei Fußballwelten: Dragan Grujic peilt mit dem B-Ligisten BG Gimbte den Aufstieg an. Bei den F-Junioren des SC Greven 09 kümmert er sich zugleich um die Nachwuchsförderung.

Von Sven Thiele
Doppelter Einsatz: Bis vor zwei Jahren war Dragan Grujic Trainer einer Seniorenmannschaft. Mit den F-Junioren des SC Greven 09 hat er eine zweite Mission entdeckt, die ihn nicht weniger reizt.
Doppelter Einsatz: Bis vor zwei Jahren war Dragan Grujic Trainer einer Seniorenmannschaft. Mit den F-Junioren des SC Greven 09 hat er eine zweite Mission entdeckt, die ihn nicht weniger reizt. Foto: Sven Thiele

Es kommt nicht häufig vor, dass im Leben von Dragan Grujic der Fußball eine Pause einlegt. Erst recht nicht, seitdem der 36-Jährige neben dem B-Ligisten Gimbte, bei dem er bisweilen selbst das Trikot überstreift und erfolgreich auf Torejagd geht, zusätzlich eine Jugendmannschaft trainiert. Seit zwei Jahren hängt in seinem Kleiderschrank neben dem blau-gelben Trainingsanzug auch ein grün-schwarzer: Den zieht Dragan Grujic immer dann an, wenn er mit seinem Sohn Gabriel und zehn weiteren Nachwuchskickern unterwegs ist. Dann kümmert er sich als Trainer mit ebenso viel Einsatz, Ehrgeiz und Freude um die F-Junioren des SC Greven 09 wie um die Senioren des SC Gimbte. Und doch bewegt er sich mit seinen zwei Trainer-Jobs in zwei ziemlich unterschiedlichen Fußball-Welten.

Winterpause. Zeit zum verschnaufen, durchatmen, regenerieren. Nicht nur wegen der Witterung schätzen viele Amateurkicker die Phase zwischen Mitte Dezember und Ende Januar, wenn mit dem Spielbetrieb auch das Training eine Pause einlegt. Und ihre Trainer tun es ihnen gleich und schalten ein, zwei Gänge zurück. Denn: Der Fußball kostet Energie und Zeit. Je nach Spielklasse zwei- bis dreimal wöchentlich stehen die Akteure auf dem Platz, hinzu kommen die Spiele am Sonntag.

Dieses Pensum hat sich Dragan Grujic zweimal auferlegt. Dienstags und donnerstags kümmert er sich zunächst als Jugendtrainer in der Schöneflieth um das Wohl der elf F1-Junioren des SC 09, bevor er anschließend ein paar Kilometer weiter südlich an der Schlage die B-Liga-Fußballer des SC Gimbte auf Trab hält. Samstags: Jugendspiele. Sonntags: Kreisliga-B-Fußball. Was sich stressig anhört, ist es auch, gibt Grujic zu. Doch er lächelt dabei.

Auch auf eine Winterpause verzichtet er. Schließlich schlägt in dieser Jahreszeit die Stunde der Nachwuchskicker, die begeistert unterm Hallendach der runden Kugel hinterherjagen. So wie seine F-Junioren, die vor und nach den Feiertagen kaum eine Gelegenheit auslassen um bei Turnieren in der Region zu kicken.

Es ist einer dieser Turniertage, die sich für die Trainer lang anfühlen müssen. Früh am Morgen haben Dragan Grujic und seine beiden Trainerkollegen Daniel Wipprecht und Julian Zink ihre Nachwuchskicker um sich versammelt. Die Vorbereitung auf das erste Turnierspiel des Tages, die Auftaktbegegnung zum diesjährigen F1-Turnier in der Rönnesporthalle, folgt einer erprobten Routine: Trikots überziehen, warm laufen, eine kure Lagebesprechung. Danach geht es zwischen den Rund-um-Banden zur Sache. Neun Minuten lang. Neun Minuten, die nur unterbrochen werden von Torjubel. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Dann: warten. Auf das nächste Spiel. Bis zu 90 Minuten lang. Fünf Mal an diesem Dienstagvormittag geht das so.

Um kurz vor 14 Uhr ist das letzte Spiel gespielt. Die Bilanz dieses Tages liest sich dann so: Drei Niederlagen stehen zwei Siege gegenüber. Achtmal haben die 09er ins gegnerische Tor getroffen, 13 Tore haben sie sich eingefangen. „War schon mal besser“, meint Dragan Grujic später. Doch das Lachen ist ihm nicht vergangen. Dieser lange Turniertag, er scheint ihm Spaß bereitet zu haben. Kurze Zeit später erinnert sich ohnehin kaum noch jemand an die Resultate. Kinderfußball ist eben kein Ergebnisfußball. Und entscheidet sich damit grundlegend vom Spiel der Erwachsenen.

So liebäugelt der von Grujic trainierte B-Ligist mit dem Aufstieg in die A-Liga. Ein Punkt hinter Tabellenführer Schapdetten befinden sich die Gimbter in Lauerstellung. Wenn am 20. Januar die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte beginnt, geht es darum, diesen Abstand zu egalisieren.

Tabellen – im F-Jugendbereich gibt es sie nicht einmal. Auf- und Abstiege ebenso nicht. „Bei den Jungs macht es Spaß, die Entwicklung zu sehen“, sagt der Jugendtrainer Dragan Grujic, der gleichwohl nicht verhehlt, mit welch großem Ehrgeiz er bei der Sache ist. „Es sollte immer auch Konkurrenzkampf geben“, meint der 36-Jährige Familienvater. „Mir hat es früher auch nicht geschadet zu verlieren.“

Und noch etwas ist gänzlich anders in den beiden Fußballwelten, zwischen denen sich Dragan Grujic so scheinbar mühelos bewegt. „Bei den Kindern muss ich mich zwischendurch zügeln. Bei den Erwachsenen kann man auch mal lauter werden“, erklärt er, worauf es im Jugendbereich besonders ankommt: Geduld. „Da muss man den Kurzen auch mal eine Übung zehn Mal erklären.“ Und die zahlt sich nach seiner Einschätzung aus. „Man sieht fast bei jedem Training eine Entwicklung.“ Solche Leistungssprünge kann der gelernte Stürmer, der unter anderem für den SC Preußen Münster, Greven 09 und Emsdetten 05 auf Torejagd gegangen ist, bei den Senioren nicht feststellen. „Die meisten haben ihren Zenit erreicht.“ Sagt ein Trainer, der wie kaum ein anderer beide Fußballwelten kennt - und schätzt. Und deswegen wohl auch keine Pause benötigt.

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