Bundesliga-Abstiegskampf
Einzige Hoffnung im Dilettanten-Ball: Schwäche der anderen

In Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover stecken noch vier Teams im Abstiegskampf. Zwei werden runter müssen, einer in die Relegation, einer wird sich retten. Eigene Argumente für den Klassenverbleib sammeln sie alle nicht. Die Schwäche der Rivalen ist ihre Hoffnung.

Montag, 22.04.2019, 22:59 Uhr aktualisiert: 22.04.2019, 23:04 Uhr
Hannovers Profi können trotz einer schwachen Saison noch auf den Ligaverbleib hoffen. Foto: Andreas Gora

Düsseldorf (dpa) - In Stuttgart trennten sie sich geschockt vom Trainer, auf Schalke wirkt der Retter schon verzweifelt, und in Nürnberg und Hannover können sie es selbst kaum glauben, noch nicht abgestiegen zu sein.

Im sportlichen Überlebenskampf der Fußball-Bundesliga überbieten sich die vier Rivalen weiterhin in Sachen Unfähigkeit. Die Schwäche der Gegner bleibt vier Spieltage vor Schluss bei allen die größte Hoffnung.

«Wir haben immer noch die Chance daran zu rutschen - das muss man sich mal vorstellen», sagte Hannovers Trainer Thomas Doll. Und zog ein passendes Fazit des Abstiegsk(r)ampfs: «Es ist eine merkwürdige Saison. Schade, dass ich das alles miterleben muss.»

Dolls Hannoveraner holten beim 0:0 in Berlin den gerade mal 15. Punkt im 30. Spiel und haben immer noch theoretische Chancen. Weil der Vorletzte Nürnberg (18/0:2 in Leverkusen) gerade mal eines der letzten 24 Spiele gewann. Weil Vizemeister FC Schalke 04 (27/2:5 gegen Hoffenheim) auch unter Huub Stevens bemitleidenswert durch die Saison taumelt. Und weil es in Stuttgart derzeit richtig drunter und drüber geht.

Nach dem desaströsen 0:6 in Augsburg beurlaubten die Schwaben in Markus Weinzierl schon den zweiten Cheftrainer in dieser Saison. Auch Sportchef Michael Reschke hatte schon gehen müssen. Und Präsident Wolfgang Dietrich, für viele Fans der Haupt-Verursacher der Krise, wirkt nur noch ratlos und konsterniert. Das Spiel in Augsburg, das nach zwei Siegen in zwei Spielen unter Trainer Martin Schmidt so gut wie gerettet ist, sei eine «Katastrophe» gewesen. Einen derart desolaten Auftritt habe er als Präsident noch nicht gesehen. «Wo wir stecken, ist so beschissen, das kann ich mir schlimmer gar nicht vorstellen», sagte der 70-Jährige.

Richten soll es nun der bisherige U19-Trainer Nico Willig. Dem aber keine Hintertür für eine Weiterbeschäftigung nach Saisonende offen gelassen wurde. «Es gibt die klare Absprache, es wird bis zum Ende der Saison laufen und nicht darüber hinaus», stellte Sportchef Thomas Hitzlsperger klar.

Auch die dritte Chefcoach-Mission von Huub Stevens auf Schalke läuft sicher nur bis zum möglichen Endspiel gegen Stuttgart am letzten Spieltag. Doch der Schalker «Jahrhunderttrainer» dürfte sich womöglich schon das ein oder andere Mal gefragt haben, warum er sich das mit 65 noch antut. Außer in Hannover (1:0) und Nürnberg (1:1) verlor er alle bisherigen vier Spiele, nach dem nächsten Nackenschlag gegen Hoffenheim drückte sein Gesicht Sorge aus, sein Lächeln wirkte gequält, seine Knurrigkeit war nahezu verschwunden.

Der Niederländer verwies darauf, «dass ich nicht umsonst gesagt habe, dass dies meine schwierigste Aufgabe ist». Vor dem Derby beim Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund stellte Stevens deshalb klar: «Wenn jemand die Situation unterschätzt, ist er hier nicht richtig.»

Grotesk: Mit sechs Punkten Vorsprung auf den VfB und der klar besseren Tordifferenz haben die Schalker eine gute Ausgangsposition. Vielleicht brauchen sie nicht einmal die 31 Punkte, mit denen der Hamburger SV zuletzt direkt abstieg, um die Relegation zu vermeiden.

In Nürnberg nutzten sie in ihrer Verzweiflung ein Spiel mit 5:20 Torschüssen und 1:11 Ecken als Mutmacher. Sie hatten ja schließlich 60 Minuten ordentlich verteidigt. Mit Blick auf das Duell mit dem FC Bayern nächste Woche formulierten die Franken gar eine vorsichtige Kampfansage. «Im Fußball ist alles möglich», sagte Kapitän Hanno Behrens und erinnerte an das Heimspiel gegen den anderen Meisteranwärter: «Mit unseren Fans im Rücken haben wir auch schon Dortmund ein 0:0 abgeluchst.»

Am Ende sind aber wohl alle froh, wenn diese Saison vorbei ist. Denn vergnügungsteuerpflichtig ist dieser Dilettanten-Ball nicht. «Wenn man sieht, wie wenig Tore wir schießen, dann macht es als Offensivspieler nicht viel Spaß», haderte Nürnbergs Mittelstürmer Mikael Ishak. Und Schalkes Daniel Caliguiri stellte fest: «Normalerweise sollten wir Spaß auf dem Platz haben, normalerweise ist es ein schöner Beruf. Aber im Moment macht es wenig Spaß.»

Freude herrschte dagegen am Wochenende in Mainz. Durch das 3:1 gegen den zuvor geretteten Aufsteiger Düsseldorf (37) machten die Rheinhessen (36) den Klassenverbleib schon am 30. Spieltag perfekt. Auch Freiburg (32) wird trotz 1:11 Toren aus zuletzt drei Niederlagen nichts mehr passieren - dafür sind die vier anderen viel zu schwach.

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