Nach WM-Testpleite
Hausaufgabe für Löw: Quartett aussortieren, Fehler beheben

Klagenfurt -

Joachim Löw wollte Erkenntnisse. Und er bekam sie. Nach der Testpleite in Österreich ist für den Bundestrainer klar, wo er im Vorbereitungsendspurt nun die Hebel ansetzen muss. Die positive Nachricht: Manuel Neuer ist offenbar rechtzeitig in WM-Verfassung.

Sonntag, 03.06.2018, 10:48 Uhr aktualisiert: 03.06.2018, 12:59 Uhr
Hat bis zum WM-Start noch reichlich Arbeit mit dem DFB-Team vor sich: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Christian Charisius

Jetzt ist Joachim Löw gefordert. Nach der ernüchternden Testniederlage in Österreich ging es für die Nationalmannschaft sofort wieder zurück ins Trainingslager nach Südtirol.

Nach einer kurzen Nacht steht für den Bundestrainer in Eppan ein Sonntag der wichtigen Entscheidungen an. Nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel versammelt Löw die Sportliche Leitung um sich. Dann beginnen hinter verschlossene Türen die Beratungen, welche vier Spieler nicht mit nach Russland dürfen.

Auf die 23 auserwählten WM-Fahrer wartet ein intensiver Vorbereitungs-Endspurt vor dem ersten Gruppenspiel am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko. Denn Löw machte nach der Pleite von Klagenfurt klar: «Wenn wir so spielen, haben wir keine großen Chancen.» 

Fußball-Länderspiel: Österreich - Deutschland

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  • Eigentlich sollte die Partie am Samstagabend in Klagenfurt um 18 Uhr angepfiffen werden, aber...

    Eigentlich sollte die Partie am Samstagabend in Klagenfurt um 18 Uhr angepfiffen werden, aber...

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  • ...der Spielbeginn musste verschoben werden, weil starke Regenfälle den pünktlichen Anpfiff verhinderten.

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  • Doch gespielt wurde mit Verspätung trotzdem. Hier im bild die deutsche Startelf.

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  • Kurzer Gedankenaustausch zwischen Bundestrainer Joachim Löw (r.) und Österreichs Nationaltrainer Franco Foda vor Spielbeginn.

    Foto: Christian Charisius
  • Im Duell: Österreichs Aleksandar Dragovic (r.) gegen Deutschlands Marco Reus.

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  • Guter Auftakt für die DFB-Elf: Nach einem Fehlpass-Geschenk der Österreicher hatte Mesut Özil den WM-Titelverteidiger in der elften Spielminute in Führung gebracht.

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  • Im weiteren Spielverlauf übernahm Österreich die Spielkontrolle. Hier hat Deutschlands Sebastian Rudy (am Boden liegend) das Nachsehen gegen Marko Arnautovic.

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  • In der 53. Spielminute gelang dem Bundesliga-Profi Martin Hinteregger (M.), der für den FC Augsburg spielt, der 1:1-Ausgleich.

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  • Besonders im Fokus: Deutschlands Keeper Manuel Neuer agierte nach seiner Verletzungspause in seinem 75. Länderspiel - dem ersten seit 599 Tagen - souverän und strahlte Selbstvertrauen aus.

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  • In der deutschen Offensive passierte viel zu wenig, das Geschehen spielte sich vornehmlich rund um den deutschen Strafraum ab. In der 69. Spielminute musste die DFB-Elf ein weiteres Gegentor hinnehmen: Alessandro Schöpf erzielte das 2:1 für Österreich.

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  • Ausgiebig feierten die Österreicher den Führungstreffer.

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  • Die Spielszene zeigt Österreichs Stürmer Marko Arnautovic (l.) der Deutschlands Torwart Manuel Neuer auf die Probe stellt.

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  • Zum Abpfiff gab es ein rot-weiß-rotes Fußballfest - die österreichische Nationalmannschaft und ihr deutscher Trainer Franco Foda bejubelten den Sieg.

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  • Die Nationalspieler Österreichs feiern nach Spielende mit ihren Fans.

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  • Enttäuschung hingegen auf der anderen Seite - wie hier bei den DFB-Kickern Manuel Neuer (l.) und Leroy Sane.

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Beim 1:2 gegen das Austria-Team hatte am Samstagabend keiner der Wackelkandidaten viele Pluspunkte sammeln können. Immerhin eines ist aber klar: Auf Kapitän Manuel Neuer kann Löw nach einer starken Rückkehr als Nummer 1 im Tor in Russland wohl bauen. «Für Manuel war es nach so langer Zeit ein sehr zufriedenstellendes Comeback. Er hatte auch nach dem Spiel mit seinem Fuß keinerlei Probleme. Er hat in einigen Situationen sehr gut reagiert. Man hat ihm die Pause nicht angemerkt», sagte Löw.

Bei allen anderen Akteuren wollte der Bundestrainer lieber keine Einzelkritik anstimmen. «Aus dem Spiel heraus hat sich niemand ganz besonders aufgedrängt. Alle waren von ihren Möglichkeiten weit entfernt. Wir haben Einiges falsch gemacht», analysierte Löw. Zwischen Frust und Beschwichtigung pendelte der Bundestrainer hin und her. Nach anfänglicher Generalkritik lenkte Löw auch wieder ein. Schließlich ist er der Experte für eine punktgenaue Turniervorbereitung.

Testspiel gegen Österreich: Die DFB-Elf in der Einzelkritik

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  • Manuel Neuer: Der Kapitän musste sich beim persönlichen WM-Check über seine Vorderleute ärgern. Machtlos bei den Toren. Gute Paraden gegen Grillitsch (32.) und Arnautovic (55.). An ihm lag das 1:2 nicht.

    Manuel Neuer:

    Der Kapitän musste sich beim persönlichen WM-Check über seine Vorderleute ärgern. Machtlos bei den Toren. Gute Paraden gegen Grillitsch (32.) und Arnautovic (55.). An ihm lag das 1:2 nicht.

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  • Joshua Kimmich :

    Der unantastbare Verteidiger leistete sich hinten einige unkonzentrierte Abspiele. Konnte nicht die gewohnten Akzente setzen.

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  • Niklas Süle:

    Der Münchner durfte sich auf der Boateng-Position empfehlen. Das gelang ihm eine Halbzeit lang. Danach war die Souveränität weg.

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  • Antonio Rüdiger :

    Im Zweikampf energisch. Konnte dem österreichischen Druck nach der Pause aber nicht Stand halten. Im Spielaufbau zu verhalten.

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  • Jonas Hector:

    Beim Gegentor stand der Kölner schlecht. Insgesamt solide in der Defensivarbeit. Nach vorne ohne Zug und auffällige Aktion.

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  • Sami Khedira :

    Der Mittelfeld-Routinier spielte nur 45 Minuten, um WM-Rhythmus aufzunehmen. Ohne ihn war die defensive Stabilität weg.

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  • Ilkay Gündogan:

    Auf der Kroos-Position überfordert. Machte viel zu viele Fehler. Rief sein Potenzial nicht ab. Weit entfernt von WM-Form.

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  • Julian Brandt:

    Der Leverkusener kämpfte um sein WM-Ticket. Hatte das 2:0 auf dem Fuß (20.). Schoss zu unentschlossen bei der zweiten Chance (39.).

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  • Mesut Özil:

    Den Patzer von Torwart Siebenhandl nutzte er eiskalt zum 1:0. Ansonsten tauchte der Spielmacher oft ab. Schwacher Freistoß (64.).

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  • Leroy Sane:

    Tempo hat der Youngster. Aber viel zu ungestüm und überhastet. Kein Mannschaftsspieler. Einen Freistoß schoss er drüber (41.).

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  • Nils Petersen:

    Der Freiburger Debütant durfte überraschend beginnen. Spielte gut mit. Legte Brandt prächtig auf (20.). Ohne Abschluss.

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  • Sebastian Rudy:

    Durfte nach der Pause für Khedira ran, konnte aber nicht für dessen Stabilität sorgen. Klärte immerhin einmal gut im Strafraum.

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  • Leon Goretzka:

    Der Neu-Bayer löste den indisponierten Gündogan ab (56.). Versuchte es im Mittelfeld mit Dynamik - erfolglos.

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  • Timo Werner:

    Der Leipziger blieb nach seiner Einwechslung als Spitze stumpf.

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  • Marco Reus:

    Der Dortmunder feierte ein 23-minütiges Länderspiel-Comeback nach 26 Monaten. Die große Offensivaktion blieb aus.

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  • Mario Gomez:

    Der Stuttgarter kam als Joker für Petersen. Haute sich rein. Ein Schuss von ihm wurde abgeblockt. (85.).

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  • Julian Draxler:

    Löste Torschütze Özil in der Schlussphase ab, konnte nichts mehr bewirken.

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«Ich ärgere mich. Aber ich bin auch überzeugt, in zwei Wochen wird die Mannschaft ganz anders präpariert sein. Das lässt mich jetzt keine schlaflosen Nächte verbringen. Weil ich weiß: Das kriegen wir hin, keine Sorge», beruhigte er die nach der ersten Österreich- Niederlage seit 32 Jahren aufgewühlte deutsche Fußball-Seele.

Eine Löw-Erkenntnis: Ohne Topleute wir Thomas Müller, Toni Kroos oder Mats Hummels, die in Klagenfurt geschont wurden, geht es nicht. Mesut Özil schoß als Repräsentant der Weltmeister-Kohorte das frühe 1:0. Ilkay Gündogan, Sebastian Rudy, Julian Brandt, Leroy Sané und Co. lieferten hingegen wenig Argumente für großes WM-Vertrauen. Neuling Nils Petersen hat seine WM-Chancen immerhin nicht verschlechtert.

Zur Gruppe der Altgedienten gehört auch Neuer, der mit mehreren Paraden glänzte, die Gegentore durch Martin Hinteregger (53.) und Alessandro Schöpf (69.) aber auch nicht verhindern konnte. Bayern- Vereinskollege Joshua Kimmich brachte die bescheidene Bilanz des Tests von Klagenfurt auf den Punkt: «Außer Manuel Neuer waren fast alle Dinge negativ.»

 

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