Fußball: 3. Liga Preußen-Sportchef Metzelder im Interview: „Wir müssen Rücklagen bilden“

Münster -

Die hektischen letzten Tage im Transferfenster fanden ohne Beteiligung der Preußen statt. Sportchef Malte Metzelder erklärt im Interview die finanzielle Lage des Drittligisten und richtet gleichzeitig schon mal einen Blick in die Zukunft.

Gibt sich kämpferisch: SCP-Sportchef Malte Metzelder
Gibt sich kämpferisch: SCP-Sportchef Malte Metzelder Foto: Jürgen Peperhowe

Malte Metzelder startete seine Profi-Karriere beim SC Preußen vor 17 Jahren, bei Borussia Dortmund, dem VfR Aalen und dem FC Ingolstadt war er zudem aktiv. In Münster übernahm der 36 Jahre alte frühere Abwehrspieler am 1. April 2017 seine Aufgabe als Sportdirektor und Geschäftsführer. Der Saisonetat dürfte derzeit rund 6,5 Millionen Euro betragen, damit läge der Club in seiner achten Drittliga-Saison allenfalls im Mittelfeld der Liga. Mit Metzelder sprach unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik.

Der SC Preußen hatte seinen Kader früh beisammen, sind Sie zufrieden?

Metzelder: Für uns war früh klar, welche Dinge wir umsetzen können und welche nicht. Bereits zum Trainingsstart in Juni hatte wir 90 Prozent des Aufgebots stehen. Als wir Anfang Juli René Klingenburg verpflichteten, war es der letzte Transfer. Mehr saß nicht drin.

Die 3. Liga ist so spektakulär wie nie besetzt. War es auch auf dem Transfermarkt spektakulär?

Metzelder: Die Reise geht Jahr für Jahr weiter, wenn man sieht, was einige zahlen oder bereit sind zu zahlen. Es wird immer mehr für Spieler ausgegeben. Große Clubs steigen aus der 2. Bundesliga ab, und dort ist die Bereitschaft viel größer, Geld auszugeben. Für uns war früh klar, spätestens zum Ende der vergangenen Saison, was wir uns leisten können. Wir haben eine spannende Truppe, wir wollen die Jungs besser machen.

Im Aufgebot finden sich zwei Spieler, die Sie eigentlich abgeben wollten: Tobias Warschewski und Lucas Cueto. Wurden Sie zum Glück gezwungen?

Metzelder: Bei Tobias war es mein Wunsch, ihn nicht abzugeben, sondern auszuleihen. Er ist kein Spieler aus einem Nachwuchsleistungszentrum und hat vielleicht deshalb einige besondere Bewegungen, die Gegner erstaunen können. Er hat sich in der Vorbereitung aus einem Tief zurückgekämpft.

Und Cueto? Er sollte doch den Verein trotz Vertrages bis 2019 verlassen ...

Metzelder: Mit seiner ersten Saison waren wir total unzufrieden. Er war lange verletzt, hat dann lange nicht reingefunden, deshalb hat er diese Botschaft von uns bekommen. Aber man muss dann auch ehrlich sein und anerkennen, dass er uns in der Vorbereitung voll überzeugt hat. Jetzt ist er ein Spieler, den man nicht mehr so einfach abgibt.

Warum musste sich der SCP damit begnügen?

Metzelder: Unser Handlungsrahmen stand früh fest. Wir haben die Vereinsform zwar optimiert, zusätzliches Geld für Mehrausgaben steht uns bislang allerdings nicht zur Verfügung.

Trainer Marco Antwerpen wurde nicht müde zu betonen, dass er gern einen Sechser und Offensiv-Allrounder zusätzlich hätte.

Metzelder: Wir alle wussten um die Situation, dass wir den einen oder anderen Perspektivspieler ins Aufgebot integrieren müssen. Jannik Borgmann hat das zum Beispiel schon zum Ende der Vorsaison genutzt. In anderen Konstellationen hätte er den Sprung in ein Drittliga-Aufgebot vielleicht nicht geschafft. Diese Situation müssen alle annehmen und auch als Chance betrachten.

Dann blicken wir gleich nach vorn: Wintertransfers sind wann möglich?

Metzelder: Unter der Voraussetzung, dass wir einen Mehrbetrag haben. Wir werden unseren Haushalt einhalten. Auch müssten wir beginnen, Rücklagen zu bilden, um gegebenenfalls auf sportliche Situationen reagieren zu können.

Sind Sie neidisch auf die Konkurrenz?

Metzelder: Nein, gar nicht. Vom sportlichen Leistungsvermögen bewegen wir uns auf Augenhöhe mit anderen Clubs, wenn wir zum Beispiel an das Spiel in Kaiserslautern (2:1 für Münster, d. Red.) denken. Im Umkehrschluss, wenn nicht alles perfekt läuft, verlieren wir prompt die Spiele gegen Jena oder in Osnabrück. Man darf von der Intensität nicht nachlassen.

Der durchschnittliche Gesamtetat eines Drittligisten liegt bei 8,3 Millionen Euro. Wie wirtschaftet der SCP in diesem Kontext?

Metzelder: Da liegen wir drunter. Im Moment könnte das bedeuten, dass wir uns eher als Ausbildungsverein sehen müssen. Wir holen junge Spieler oder bilden eigene Talente aus, machen sie besser und geben sie womöglich wieder ab. Sollte es uns gelingen, zusätzliches Kapital zu generieren, oder sich die Stadionfrage positiv entwickeln, könnte investiert werden. Daran arbeiten wir gerade mit Hochdruck.

Sechs Spiele ist die Saison alt, Münster hat neun Punkte gesammelt und ist Neunter, steht im Achtelfinale des Westfalenpokals. Wohin geht die Fahrt für die Preußen?

Metzelder: Sportlich sind wir gut gestartet, das wollen wir so beibehalten. Aber ich denke, wir dürfen nicht einen Moment nachlassen. Insgesamt ist das in Ordnung. Mit drei Siegen und drei Niederlagen sind wir in der Realität der 3. Liga angekommen. Was die positive Zuschauerresonanz betrifft, so macht das im wirtschaftlichen Bereich erst mal wenig aus. Andererseits erleichtert das Sponsorengespräche.

Im Spätsommer stellt sich immer auch die Frage, wie viele Probleme die Nach­lizenzierung bringen wird?

Metzelder: Ich gehe davon aus, dass alles für Preußen Münster glattgeht. Wir haben uns an alle Regeln und Vorgaben gehalten.

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