Fußball: 3. Liga
Preußen verlieren beim KSC trotz lange ordentlicher Vorstellung

Beim Drittliga-Rekord des Karlsruher SC (21. Spiel in Serie ohne Niederlage) war Preußen Münster nur Statist. Zumindest auf dem Papier. Dabei bot der Gast in der ersten Hälfte beim 0:3 (0:1) eine gute Leistung. Kleine Unaufmerksamkeiten und offensive Harmlosigkeit besiegelten die Niederlage.

Samstag, 31.03.2018, 16:23 Uhr aktualisiert: 01.04.2018, 15:19 Uhr
Foto: GES-Sportfoto

Preußen Münster musste mit ansehen, wie der Karlsruher SC seinen eigenen Rekord für die 3. Liga pulverisierte und zum 21. Mal am Stück ungeschlagen blieb. Das 0:3 (0:1) war jedoch keineswegs nötig in dieser Deutlichkeit. Denn phasenweise war der SCP das bessere Team, zeigte einen gerade im Rückwärtsgang sehr disziplinierten Vortrag und ließ den KSC zumindest eine halbe Stunde lang verzweifeln. Doch das Fehlen von Adriano Grimaldi und Tobias Rühle ließ sich auf der Suche nach Torgefahr nicht kompensieren.

Gute Leistung vor der Pause

„Vor der Pause war das eine super Leistung“, befand Verteidiger Fabian Menig. „Wir haben genau das umgesetzt, was wir geplant hatten. Nur im letzten Drittel fehlte der Punch. Da gab es sonst nicht viel zu bemängeln, in Rückstand sind wir nur durch einen individuellen Fehler geraten.“ Auch Angreifer Tobias Warschewski sah das ähnlich: „An der ersten Hälfte gab es nichts auszusetzen. Wir haben gut gegen den Ball gearbeitet, hatten uns nur ein paar tiefe Läufe mehr vorgenommen.“

Saison 2017/18: 32. Spieltag: Karlsruher SC - Preußen Münster

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Die Gäste wechselten auf drei Positionen. Der Ausfall von Grimaldi (Gelbsperre) und Rühle (krank) stand schon vorher fest. Zudem musste Philipp Hoffmann auf die Bank. Im 3-4-2-1 rückten Sechser Michele Rizzi sowie die beiden Stürmer Lucas Cueto und Tobias Warschewski (Startelf-Debüt) ins Team. Martin Kobylanski rückte eine Position nach vorne hinter die Spitzen. Beim KSC fiel Marcel Mehlem kurzfristig aus, ihn ersetzte Routinier Kai Bülow vor der Abwehr.

Münster fing wehrhaft an und hatte Pech

Münster fing sehr wehrhaft an, attackierte die Hausherren früh und zwang sie immer wieder zu hohen Bällen. In der Luft aber hatten die fünf Herren aus Westfalen über 1,85 Meter deutliche Vorteile. Ein guter Plan also, der Favorit tat sich schwer. Die erste gute Chance hatten die Preußen auch selbst, als Kobylanski  aus 25 Metern abzog und Benjamin Uphoff im Kasten zu einer Parade zwang (15.).

Von der ersten bis zur letzten Linie hatte sich der SCP ein sehr stimmiges Defensivkonzept überlegt. Bester Beleg waren die Pfiffe der Zuschauer. Auch das Angriffsduo scheute keinen Zweikampf und keinen Meter. Alles in Butter also. Bis Jeron Al-Hazaimeh eineinhalb Aussetzer binnen weniger Augenblicke hatte. Als sich die Karlsruher über Matthias Bader und Florent Muslija zum allerersten Mal in den Sechzehner kombiniert hatten, hätte Münsters Linksverteidiger locker klären können, spielte den Ball aber zurück zu Muslija. Dessen kraftvolle Hereingabe aus ganz spitzem Winkel fälschte Al-Hazaimeh dann auch noch ins eigene Tor ab, das war unglücklich (31.). Und unverdient.

Münsters Unglücksrabe prüfte immerhin Uphoff auf der anderen Seite mit einem Kopfball nach Kobylanskis Flanke (39.), ging aber untröstlich in die Kabine. Der 0:1-Rückstand war eben völlig unnötig. Sein Blackout hatte den Unterschied gemacht. Bis auf zwei Schüsse von Anton Fink, die Max Schulze Niehues parierte (42./45.), war der KSC kaum auffällig geworden.

Wie die Karlsruher ihren Vorsprung ausbauten

Durchgang zwei eröffnete der omnipräsente Sandrino Braun mit einem Kopfball in Uphoffs Arme nach einem Kobylanski-Freistoß (54.). Der Pole selbst legte mit einem Fernschuss nach  (57.) und signalisierte, dass Münster noch nicht aufgeben wollte. Der Underdog im Duell Rückrundenbester gegen Rückrundenviertbester war sogar optisch weiter leicht überlegen. Doch was nützte das? Denn nach einer Ecke von Marvin Wanitzek war Fabian Schleusener mit dem Kopf zur Stelle und erzielte das 2:0 (62.). Das war’s dann also. Auch wenn SCP-Trainer Marco Antwerpen direkt danach noch Hoffmann und Lennart Stoll für die in der Offensive wirkungslosen Warschewski und Cueto brachte (62.). Zudem erweiterte der genesene Moritz Heinrich die Abteilung Attacke später. Doch auch die Eingewechselten kamen gegen das abgebrühte Gespann David Pisot/Daniel Gordon nicht zum Abschluss. 22 Gegentreffer haben die Badener erst zugelassen. Auch das ist ein Spitzenwert der zu Hause gänzlich unbesiegten Truppe.

Einzelkritik: Karlsruher SC - Preußen Münster

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  • Maximilian Schulze-Niehues

    Max Schulze Niehues: Ließ sich bewusst viel Zeit bei den Abstößen, die diesmal wesentlich präziser kamen als zuletzt. Zwei gute Paraden kurz vor der Pause gegen Anton Fink, auch nach dem Wechsel zeichnete er sich mehrfach aus. Schuldlos an allen Toren. Note: 2

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  • Lion Schweers: Wie ein alter Hase, den rechten Innenverteidiger bringt wenig aus der Ruhe. Aufmerksam und kopfballstark. Zumindest in Durchgang eins. Danach schlichen sich einige Flüchtigkeitsfehler an der Außenlinie ein. Note: 3

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  • Ole Kittner: Als Mittelmann wieder mit guter Übersicht am Tag seiner (automatischen) Vertragsverlängerung. Seine vereinzelten Wackler mit Ball am Fuß blieben ohne Folgen. Top in der Luft. Wurde hinterher richtig sauer, als die Konzentration flöten ging. Note: 3

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  • Simon Scherder: Ein paar Ballverluste, gerade wenn es lang nach vorne ging. Ansonsten aber gewohnt souverän und sicher in der Antizipation. Note: 3

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  • Fabian Menig: Wer Menig aufstellt, kriegt Menig pur. Selten grazil oder elegant, aber immer mit 100 Prozent Einsatz und ganz viel Herz. Dazu weitgehend fehlerfrei. Note: 3

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  • Michele Rizzi: Vor der Abwehr kämpferisch ohne Tadel, ordentliche Dynamik nach vorne. Einige Anspiele gerieten jedoch zu unpräzise. Im Zentrum hatte der SCP ein deutliches Übergewicht. Note: 3

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  • Sandrino Braun: Spielt weiter eine bemerkenswerte Rückrunde. Seine „Steals“ sind Gold wert, sein Laufpensum ist vorbildlich. Dazu diesmal eine sehr gute Ballbehandlung - zumindest meistens. Auch nach dem Wechsel ein Antreiber. Note: 2,5

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  • Jeron Al-Hazaimeh: Guter Beginn, mit seiner Größe beförderte er einige Bälle aus der Gefahrenzone. Was ihm vor dem 0:1 passierte, konnte er sich jedoch selbst nicht erklären. Danach nicht mehr so selbstsicher wie zuvor. Note: 4

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  • Martin Kobylanski: Gefährlicher Abschluss nach einer Viertelstunde, passable Standards, aber im laufenden Spiel nicht zweikampfstark genug. Einige Ballverluste von ihm hätten gefährlich werden können. Note: 3,5

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  • Lucas Cueto:  Viel Laufarbeit, um den KSC-Aufbau zu stören, durchaus körperlich präsent. Wenn er am Ball war allerdings viel zu hektisch und letztlich ohne jeden Anflug von Durchschlagskraft. Note: 4

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  • Tobias Warschewski: Verlängerte einige Bälle mit dem Kopf, zeigte sich immer wieder, lief dazu sehr gut an. Allerdings ohne echte Strafraumszenen und einige Male unglücklich mit dem Ball im Aus. Fehlende Spielpraxis lässt sich nicht leugnen. Note: 3,5

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  • Philipp Hoffmann: Etwas überraschend zunächst nur auf der Bank. Als er kam, stand es schon 0:2. Konnte sich nicht mehr in Szene setzen. Keine Note

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  • Lennart Stoll: War sehr bemüht und kampfstark nach seiner Einwechslung, jedoch viel zu umständlich, sobald er am Ball war. Keine Note

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  • Moritz Heinrich: Eine Viertelstunde durfte er sich zeigen, verursachte dabei aber lediglich das 0:3. Keine Note

    Foto: Peperhowe

Zu allem Überfluss legte Heinrich, kurz nachdem er das Feld betreten hatte, unfreiwillig nach einer Wanitzek-Ecke Jonas Föhrenbach das 3:0 auf (78.). Nun drohte der SCP sogar noch auseinanderzufallen. Schulze Niehues verhinderte bei einem Muslija-Freistoß Schlimmeres (83.). Joker Marvin Pourie zielte wenig später knapp drüber (85.) und scheiterte dann an Schulze Niehues (89.). Am Ende mussten die Preußen sogar noch froh sein, dass es nicht noch deutlicher wurde.

SCP-Coach Antwerpen über die Niederlage

SCP-Trainer Marco Antwerpen sagte hinterher: "Wenn man das Ergebnis nüchtern betrachtet, hat uns die Durchschlagskraft nach vorne gefehlt. Wir haben eine richtig gute Auswärtspartie gezeigt, waren in vielen Elementen sogar besser. Das erste Tor abgefälscht, dann zwei Standards - das war der Unterschied. Das hatten wir eigentlich abgestellt. Karlsruhe ist schon abgezockt, mit der Gesamtleistung bin ich schon zufrieden."


KSC: Uphoff - Bader, Gordon, Pisot, Föhrenbach - Bülow - Thiede, Wanitzek (85. Lorenz), Schleusner (82. Pourie), Muslija - Fink (89. Stroh-Engel)

SCP: Schulze Niehues - Schweers, Kittner, Scherder - Menig, Rizzi, Braun, Al-Hazaimeh (76. Heinrich) - Kobylanski - Cueto (62. Stoll), Warschewski (62. Hoffmann)

Schiedsrichter: Johann Pfeifer (Rodgau)

Tore: 1:0 Al-Hazaimeh (31./ET), 2:0 Schleusener (61.), 3:0 Föhrenbach (78.)

Zuschauer: 13057

Gelb: Menig, Kittner

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