Gefräßige Raupen
Riesige Schwammspinner-Plage in Gunzenhausen und Gera

Ein großes Waldgelände in Mittelfranken, fast kahlgefressen - das ist das Werk des Schwammspinners. Auch in Gera sind die schwarzen Raupen unterwegs. Der Nachtfalter wird für die Menschen zur echten Plage.

Montag, 17.06.2019, 21:44 Uhr aktualisiert: 17.06.2019, 21:46 Uhr
Schwammspinner-Raupen haben eine Hausfassade in gera befallen. Foto: Bodo Schackow

Gunzenhausen/Gera (dpa) - Zu Tausenden bevölkern die schwarzen, haarigen bis zu sieben Zentimeter langen Tierchen Gärten und Häuser und sogar das Freibad in Gunzenhausen: Schwammspinner-Raupen.

In diesem Frühjahr habe sich das Insekt im Wald der mittelfränkischen Stadt explosionsartig vermehrt, sagte eine Sprecherin der Stadt am Montag.

Auch im thüringischen Gera treten die Tiere treten massenweise auf und fressen Pflanzen in den Gärten kahl. Die Kommune bot den Anwohnern vergangene Woche Ausweichquartiere an - diese wurden allerdings nicht in Anspruch genommen, wie eine Sprecherin sagte. Die Feuerwehr verteilte Fliegengitter.

Zur Bekämpfung der gefräßigen Schwammspinner-Raupen in Geras Stadtteil Liebschwitz will die Stadt vorerst kein chemisches Insektizid einsetzen. Ein Mittel, das die bis zu fünf Zentimeter langen Schwammspinner-Raupen in ihrem jetzigen Entwicklungsstadium noch vernichten könnte, würde auch anderen Lebewesen und der Umwelt schaden, sagte Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt bei der Stadt, am Montag. «Das würde andere Insekten im Breitband hinwegraffen, weil es nicht spezifisch wirkt.» Im kommenden Jahr könnten die Raupen frühzeitig mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel beseitigt werden. Zudem könnten die Eier der Tiere aufgesammelt werden.

Vor Gunzenhausen habe die Raupen bereits ein 117 Hektar großes Waldgelände kahlgefressen - und sich in den vergangenen Tagen auf den Weg in die benachbarte Siedlung gemacht. Viele Anwohner des Burgstallwaldes seien mit den Nerven am Ende. Als Soforthilfe seien professionelle Schädlingsbekämpfer beauftragt worden.

Vor allem die Fassaden der an den Wald angrenzenden Häuser sind übersät mit Schwammspinnern. Sie kämen nachts, sie kämen an den Kopf, und man werde sie nicht mehr los, klagte eine geplagte Hausbesitzerin im Bayerischen Rundfunk.

Der Schwammspinner (Lymantria dispar) ist ein wärmeliebender Nachtfalter. Er neigt besonders nach warm-trockenen Frühsommern zu Massenvermehrungen, die das Wachstum der Bäume stark beeinträchtigen und für den Menschen lästig sein können.

Nach einem Stadtratsbeschluss war in diesem Jahr in Gunzenhausen auf eine chemische Bekämpfung des Insekts verzichtet worden. Grund sei gewesen, dass der Staatsforstbetrieb, dem etwa zwei Drittel des Burgstallwaldes gehören, den Einsatz von Pestiziden abgelehnt habe, sagte der Erste Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (CSU).

Schwammspinner haben eine große Anzahl natürlicher Feinde wie Raupenfliegen und Brackwespen, die dazu beitragen können, eine Massenvermehrung auf natürliche Weise enden zu lassen, wie es bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) heißt. Der britische Naturschützer Dave Goulson erklärt in seinem Buch «Wildlife Gardening», gerade der Einsatz von Insektiziden schaffe einen Teufelskreis: Beim Spritzen stürben nicht nur die Schädlinge, wie der Schwammspinner, sondern auch viele ihrer Feinde. Die Populationen der Pflanzenschädlinge erholten sich davon oft weitaus schneller als die ihrer Feinde - in der Folge könne der Schädlingsbefall danach schlimmer sein als ganz ohne Pestizideinsatz.

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