Schwund bei den Brachflächen
Dramatischer Schwund: Mit den Rebhühnern geht es abwärts

Wie die kleineren Wachteln bevölkerten Rebhühner früher in großer Zahl die Felder. Doch die Vögel mit ausgeprägtem Familienzusammenhalt werden immer seltener. Schuld daran ist nicht nur die Landwirtschaft, meinen die Jäger - und lassen den Finger meist gerade.

Dienstag, 18.12.2018, 09:01 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 09:06 Uhr
Rebhühner sind etwa so groß wie Tauben und haben ein grau-braunes Gefieder. Foto: Sina Schuldt

Berlin/Hannover (dpa) - Die Zahl der Rebhühner nimmt in Deutschland weiter dramatisch ab. Das Verbreitungsgebiet des einst für die Felder typischen Vogels sei in acht Jahren um ein Drittel geschrumpft, teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) mit.

Wurde 2009 das Rebhuhn noch in 36 Prozent der Reviere gesichtet, so waren es 2017 nur noch 24 Prozent. Die Zahl der von Jägern erfassten Brutpaare sank im gleichen Zeitraum sogar um 44 Prozent. In den teilnehmenden Revieren gab es im bundesweiten Durchschnitt nur noch ein Brutpaar auf vier Quadratkilometer.

«In vielen Teilen Deutschlands verzichten Jäger bereits seit Jahren freiwillig auf die Bejagung des Rebhuhns, weil dort eine nachhaltige Jagd nicht mehr möglich ist», sagte DJV-Sprecher Torsten Reinwald. «Hauptursache für den Rückgang des Rebhuhns ist die Veränderung der Agrarlandschaft», erklärte er. Besonders einschneidend sei der rapide Schwund bei den Brachflächen. «Durch den Biogas-Boom Anfang der 2000er Jahre stieg insbesondere die Anbaufläche von Mais an, die Felder wurden immer größer, wertvolle Randstreifen mit Kräutern und Gräsern fielen weg.» Außerdem seien die Bodenbrüter zunehmendem Verfolgungsdruck von Räubern wie etwa Fuchs und Waschbär ausgesetzt.

«Die Bauern benötigen mehr wirtschaftliche Anreize, um auf der landwirtschaftlichen Fläche ökologische Trittsteine zu schaffen», forderte Reinwald. Solche Brücken könnten Brachen, Blühstreifen oder Flächen mit Wildpflanzen zur Biogasproduktion sein. «Isolierte Naturschutzgebiete helfen nicht weiter, da Arten nicht wandern können, um sich fortzupflanzen und lokal aussterben», sagte er. «Auch etwa für die Biogasproduktion genutzte Blühstreifen sollten gefördert werden, wenn sie vorher der Artenvielfalt dienen.»

«Hauptursache für den Bestandsrückgang ist die stetige Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft», heißt es auch beim Naturschutzbund Nabu. «Eine naturverträglichere Form der EU-Agrarpolitik ist jetzt zum Schutz des Rebhuhns dringend notwendig», forderte Nabu-Ornithologe Lars Lachmann.

«Hauptverbreitungsgebiete des Rebhuhns sind weiterhin das Nordwestdeutsche Tiefland und das Westdeutsche Mittelgebirge, doch auch hier ist der Vogel auf dem Rückzug», warnte Reinwald. Im Saarland ging das Verbreitungsgebiet sogar um fast zwei Drittel zurück.

Rebhühner sind etwa so groß wie Tauben und haben ein grau-braunes Gefieder. Ihren Namen sollen sie vom Alarmruf «rep, rep, rep» haben. Die Tarnungskünstler ernähren sich als erwachsene Vögel vor allem von Knospen und Sämereien, der Kette genannte Verbund von Elterntieren und Jungvögeln löst sich erst nach dem ersten Winter auf.

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