Angeschlagenes Modeimperium
Rettung für Gerry Weber: Finanzinvestoren übernehmen

Finanzspritze in Höhe von fast 50 Millionen Euro soll das Modeimperium aus der Insolvenz retten. Die Gründerfamilie rund um Gerry Weber wird in Zukunft wohl keine Rolle mehr spielen.

Dienstag, 16.07.2019, 13:03 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 13:06 Uhr
Gerry Weber erhält von britischen Investoren eine Finanzspritze von bis zu 49,2 Millionen Euro. Foto: Oliver Berg

Halle/Westfalen (dpa) - Der seit Monaten ums Überleben kämpfende Modehersteller Gerry Weber hat wieder eine Zukunftsperspektive.

Die Finanzinvestoren Robus Capital Management und Whitebox Advisors erklärten sich bereit, dem angeschlagenen Unternehmen eine Finanzspitze in Höhe von bis zu 49,2 Millionen Euro zu geben, wie das Unternehmen mitteilte. Damit soll es dem Mode-Imperium aus der westfälischen Provinz möglich werden, bereit im Spätherbst das Insolvenzverfahren hinter sich zu lassen.

Der Gerry-Weber-Generalbevollmächtigte Christian Gerloff betonte am Dienstag, dies sei «der entscheidende Schritt in der Sanierung». Vorstandssprecher Johannes Ehling sagte, mit der verbindlichen Investmentvereinbarung zur finanziellen Sanierung der Gesellschaft im Rahmen eines Insolvenzplans verfüge Gerry Weber wieder über eine «hervorragende Perspektive für die Zukunft».

Die Entscheidung fiel wenige Tage vor der großen Ordermesse CPD in Düsseldorf. Ohne eine Einigung hätte die Gefahr bestanden, dass viele Modehändler aus Sorge um die Überlebensfähigkeit des Unternehmens ihre Bestellungen gekürzt hätten.

Gerry Weber steckt seit Jahren in der Krise. Der Konzern leidet nicht nur unter dem Rückgang der Kundenfrequenzen in den Innenstädten und dem Siegeszug des Onlinehandels. Auch eigene Fehler, vor allem zu große Investitionen in ein eigenes Ladennetz, machten ihm zuletzt schwer zu schaffen. Ende Januar musste der Konzern Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.

Das Konzept zu seiner Rettung muss nun noch von der Gläubigerversammlung gebilligt werden. Dies dürfte keine unüberwindliche Hürde sein. Der Gläubigerausschuss stimmte der Investmentvereinbarung und den Eckpunkten des geplanten Insolvenzplans, der unter anderem einen partiellen Forderungsverzicht der Gläubiger vorsieht, bereits einstimmig zu. Und auch der vom Gericht eingesetzte Sachwalter Stefan Meyer gab grünes Licht für die Einigung.

Die bereits im Sommer vergangenen Jahres begonnene Neuausrichtung des Konzerns, unter anderem die Schließung von rund 146 Filialen der Modekette in Deutschland vorsieht, zeigt nach Aussage Ehlings inzwischen erste Erfolge. Sie soll unter den neuen Eigentümern fortgesetzt werden. Gerry Weber werde künftig im deutschen Markt deutlich selektiver auftreten, hieß es. Auch der E-Commerce-Auftritt soll zeitgemäßer werden.

Für die bisherigen Gerry-Weber-Aktionäre bedeutet die Einigung allerdings wohl das Ende aller Hoffnungen, noch mit einem blauen Auge davonzukommen. Denn im Zuge des Insolvenzplans ist eine «Kapitalherabsetzung auf voraussichtlich Null Euro» geplant. Das heißt, die Altaktionäre werden entschädigungslos aus dem Unternehmen herausgedrängt. Das gilt auch für die Gründerfamilie um Gerry Weber. Die im nächsten Schritt herausgegebenen neuen Aktien sollen zunächst vollständig an Robus und Whitebox gehen.

Den Gläubigern, deren Forderungen gegen den Modekonzern sich auf rund 300 Millionen Euro summieren, bietet der angedachte Insolvenzplan die Möglichkeit zwischen einer klassischen Barabfindung und verschiedenen Finanzinstrumenten zu wählen, mit denen sie von einer positiven Entwicklung des Unternehmens in Zukunft profitieren könnten.

Vorausgegangen war der Einigung mit Robus und Whitebox ein sehr intensiver Wettbewerb. Bis zuletzt habe es ein Kopf-an-Kopf-Rennen von drei Bietern gegeben, hieß es. Die Gründerfamilie Weber sei allerdings nicht mehr darunter gewesen. Sachwalter Stefan Meyer betonte, letztlich habe sich das Angebot durchgesetzt, «das nicht nur mit Blick auf die Gläubigerbefriedigung, sondern auch hinsichtlich der Transaktionsschnelligkeit und -sicherheit die beste Option darstellt». Der Finanzinvestor Robus hatte Anfang Juli bereits die Mehrheit an der Gerry-Weber-Tochter Hallhuber übernommen.

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