Rund 40 Destinationen geplant
Angriff auf Flixbus: Auch Blablacar startet Fernbusangebot

Im umkämpften Fernbusmarkt mischt ein neuer Player mit: Blablacar greift als ein in Deutschland bestens etabliertes Unternehmen den Platzhirschen Flixbus an. Doch der Schritt birgt Risiken.

Montag, 24.06.2019, 16:56 Uhr aktualisiert: 24.06.2019, 17:00 Uhr
Das undatierte Foto zeigt einen vor dem Brandenburger Tor stehenden roten Bus mit der Aufschrift «BlaBlaBus». Mit einem eigenen Angebot für Fernbusreisen zu 19 Zielen ist die französische Mitfahrplattform Blablacar an den Start gegangen. Foto: -

Berlin (dpa) - Mit einem eigenen Angebot für Fernbusreisen greift die französische Mitfahrplattform Blablacar den bisherigen Platzhirsch Flixbus an.

Unter dem Namen Blablabus und mit 19 verschiedenen Destinationen in Deutschland ist die zum französischen Unternehmen Comuto gehörende Marke an den Start gegangen. Am frühen Montagmorgen begann der erste Fernbus der Plattform seine Reise von Düsseldorf nach Berlin.

Bis September gibt es für Kunden Fahrten ab einem Euro, wie der für Deutschland zuständige Manager Christian Rahn in Berlin sagte. Bis Ende des Jahres sollen hierzulande rund 40 Destinationen angefahren werden, europaweit sollen es dann 400 sein.

Bislang war Comuto in Deutschland nur über seine Mitfahrplattform Blablacar aktiv. Über die App können Privatmenschen Mitfahrgelegenheiten in ihren Autos anbieten und nutzen. Rund 6,5 Millionen Kunden sind Unternehmensangaben zufolge in Deutschland derzeit registriert.

«Wir verstehen Blablabus als Ergänzung zu diesem Angebot», sagte Rahn. Während die Privatfahrten vor allem Ziele abseits der verkehrsintensiven Hauptachsen in Deutschland ansteuern würden, konzentriere sich das neue Angebot auf eben diese Hauptstrecken.

Mit der Übernahme des französischen Busunternehmens Ouibus ist Blablabus in Frankreich schon länger auf beiden Geschäftsfeldern unterwegs. Der Kauf soll Ende diesen Monats abgeschlossen werden, die Marke Ouibus dann verschwinden. Deutschland ist der zweite Markt in Europa, auf dem Blablabus nun angreifen will.

Der deutsche Fernbusmarkt wurde im Jahr 2013 liberalisiert, um vor allem bei der Deutschen Bahn für mehr Wettbewerbsdruck zu sorgen. Zahlreiche Unternehmen standen da schon seit langem mit eigenen Angeboten in den Startlöchern. Doch nach und nach dominierte Flixbus den Markt und verdrängte die meisten. Nach Daten des Marktforschungsinstituts IGES hat Flixbus inzwischen einen Marktanteil von mehr als 95 Prozent. Täglich bietet die Firma 350 000 Verbindungen an. Dafür stehen dem Unternehmen rund 2000 Busse und 7000 Fahrer zur Verfügung.

Es sei nicht abzusehen, ob Blablabus daran langfristig etwas ändern könne, sagte IGES-Geschäftsführer Christoph Gipp am Montag. Auf den derzeitigen Blablabus-Strecken verkehren die Busse noch maximal drei Mal am Tag, auf den meisten seltener. Doch das soll sich schnell ändern und zudem könnte dem neuen Wettbewerber seine Bekanntheit helfen: «Mit Blablabus mischt nun jemand mit, der in Deutschland bereits als Anbieter von Mitfahrzentralen erfahren und bekannt ist», sagte Gipp.

Flixbus äußerte sich am Montag erwartungsgemäß gelassen zum neuen Konkurrenten. «Wir sind harten Wettbewerb gewohnt», teilten die Münchner auf Anfrage mit. Es werde sich zeigen, ob Blablabus «anpassungsfähig genug ist, um auf diesen sich schnell wandelnden Markt zu reagieren».

Wie Flixbus besitzt Blablabus weder eine eigene Flotte noch stellt das Unternehmen eigene Fahrer an. Stattdessen kooperiert es mit privaten Busunternehmen, die auch die Fahrer anstellen. Mit Kampfpreisen will sich Blablabus nun etablieren. Querfinanziert wird das mit dem in Deutschland gut laufenden Blablacar-Geschäft. «Wir sind mit Blablacar profitabel», sagte Deutschland-Manager Rahn. «Dieses Instrument werden wir nutzen.» Noch bis September können Fahrten ab einem Euro gekauft werden, erst danach werde es teurer.

Doch über den Preis dürfe der Wettbewerb langfristig nicht ausgefochten werden, warnte Lars Wagner, Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. «Der Preiskampf darf nicht auf dem Rücken des Personals ausgetragen werden.» Wenn alles über das günstigste Angebot laufe, schade das am Ende den Beschäftigten. Wagner rief die Konkurrenten dazu auf, die Fahrer auf dem sehr engen Personalmarkt mit attraktiven Rahmenbedingungen zu locken.

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