200 737-Max-Maschinen
BA-Mutter IAG plant Großauftrag für Boeings Krisenjet

Zunächst hatte Airbus auf der weltgrößten Luftfahrtmesse die Nase vorne, dem Konkurrenten Boeing machten auch in Le Bourget die Folgen des Flugverbots der 737-Max-Jets zu schaffen. Doch eine bedeutende Absichtserklärung verleiht den Amerikanern Rückenwind.

Dienstag, 18.06.2019, 22:17 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 22:20 Uhr
Eine Boeing 737 Max 8 steht auf dem Werksgelände des amerikanischen Flugzeugbauers in Seattle. IAG will gleich 200 Max-Jets kaufen. Foto: Ted S. Warren

Le Bourget (dpa) - Überraschung beim krisengeschüttelten Flugzeugbauer Boeing: Der British-Airways-Mutterkonzern IAG will auf einen Schlag 200 Mittelstreckenjets der 737-Max-Reihe bestellen - noch während für den Typ ein weltweites Flugverbot gilt.

«Wir haben jegliches Vertrauen in Boeing und erwarten, dass das Flugzeug in den kommenden Monaten zurück in den Liniendienst geht, wenn die Aufsichtsbehörden zugestimmt haben», sagte IAG-Chef Willie Walsh anlässlich der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris.

Bei der Kaufvereinbarung handelt es sich zunächst um eine Absichtserklärung. Außerdem vermeidet IAG, die Maschinen als «Max» zu bezeichnen, sondern erwähnt nur die Längen-Varianten 737-8 und 737-10. Die neuen Maschinen will der Konzern bei seinen Töchtern Vueling, Level und British Airways einsetzen.

Boeing steckt wegen der Abstürze zweier Max-Jets in einer schweren Krise. Bei den Unglücken bei der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air im Herbst 2018 und bei Ethiopian Airlines im März waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. Seit rund drei Monaten gilt für die Maschinen der 737-Max-Reihe deshalb ein weltweites Flugverbot.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hatte daher gesagt, bei der Messe gehe es ihm diesmal nicht um Aufträge, sondern um Sicherheit, Bescheidenheit sowie darum, verlorenes Vertrauen bei den Kunden zurückzugewinnen. Wann das Flugverbot für die Maschinen aufgehoben wird, ist noch völlig offen. Erst müssen Luftfahrtbehörden in aller Welt ein inzwischen von Boeing geliefertes Update für die Steuerungssoftware MCAS testen und freigeben. Die bisherige Software soll für die Abstürze mitverantwortlich gewesen sein. Noch ist offen, wann die Behörden das Flugverbot aufheben.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus punktete auf der Messe zwar weiterhin mit seinen auf Spritsparen getrimmten «neo»-Jets und dem neuen, kleinen Langstrecken-Flieger A321XLR. Dennoch musste er sich bei der Summe aus Neubestellungen und Vorverträgen Boeing zunächst geschlagen geben. So sammelte Airbus am Dienstag insgesamt Bestellungen und Vorverträge über 82 Passagierflugzeuge ein.

Boeing konnte auch Kunden für 25 Großraum-Langstreckenjets vom Typ 787 «Dreamliner» gewinnen. So will die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air 20 «Dreamliner» kaufen. Zehn weitere Maschinen der Reihe will das Unternehmen bei dem Flugzeugfinanzierer ALC leasen, der seine bestehende Order bei Boeing in diesem Zuge um fünf Jets aufstockte.

In den ersten fünf Monaten des Jahres hatten beide Hersteller mehr Stornierungen kassiert, als Neubestellungen hereinkamen. Jedoch sitzen die Konzerne auf dicken Auftragsbüchern, die für viele Jahre reichen. Sie haben sogar Mühe, die Bestellungen vor allem bei den stark gefragten Mittelstreckenjets abzuarbeiten und haben deshalb einen kräftigen Ausbau ihrer Produktion angeschoben.

Der Absturz von zwei neuen Boeing-Jets vom Typ 737 Max binnen weniger Monate warf den US-Konzern dabei allerdings mächtig zurück. Boeing musste die Produktion sogar drosseln, denn auch die Auslieferung neuer Maschinen ist seit Mitte März gestoppt.

Airbus kann von Boeings Krise bisher nur wenig profitieren, auch weil die Produktion des Max-Konkurrenzmodells Airbus A320neo auf Jahre hinweg ausgebucht ist. Allerdings unterzeichnete die philippinische Fluggesellschaft Cebu Pacific am Dienstag einen Vorvertrag über 31 Airbus-Jets. Darunter sind zehn Exemplare des neuen kleinen Langstreckenjets A321XLR, 16 Großraumjets vom Typ A330neo und fünf Mittelstreckenjets vom Typ A320neo. Atlantic Airways orderte zwei Airbus A320neo und die US-Fluglinie Delta fünf kleinere Airbus A220.

Die British-Airways-Mutter IAG spendierte Airbus nur einen kleinen Auftrag im Vergleich zu dem, was sie Boeing in Aussicht stellt. So reihte sie sich bei den ersten Käufern des Airbus A321XLR ein und bestellte verbindlich 14 Maschinen des jüngsten Airbus-Typs für ihre Töchter Iberia und Aer Lingus.

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