Zahl der Opfer gestiegen Feuersbrunst in Guatemala: Mehr als 30 Jugendliche sterben

Randalierende Jugendliche stecken Matratzen in Brand. In dem Heim in Guatemala leben Kinder aus zerrütteten Familien und kriminelle Jugendliche zusammen. Zuletzt gab es bereits Hinweise auf katastrophale Zustände in der Einrichtung.

Von dpa
Eine Frau zündet eine Kerze zum Gedenken an die Opfer an. Foto. Moises Castillo
Eine Frau zündet eine Kerze zum Gedenken an die Opfer an. Foto. Moises Castillo Foto: Moises Castillo

Guatemala-Stadt (dpa) - Nach einem Feuer in einem Heim für Kinder und Jugendliche in Guatemala ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 31 gestiegen. Mehrere Jugendliche seien in der Nacht ihren schweren Verbrennungen erlegen, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Randalierende Jugendliche hatten am Vortag in der Einrichtung in der Ortschaft San José Pinula nahe Guatemala-Stadt Matratzen in Brand gesteckt. Das Feuer griff schnell auf den Rest des Anwesens über.

Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. «Die Regierung bedauert den Tod der Mädchen und Jugendlichen zutiefst», hieß es in einer Stellungnahme. Die Nationalflaggen im ganzen Land wurden auf halbmast gesetzt und öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Der Direktor des Heims Virgen de la Asunción wurde entlassen.

Zahlreiche Jugendliche wurden noch immer in Krankenhäusern behandelt. «Wir behandeln 14 Mädchen. Sie sind in einem kritischen Zustand und können jederzeit sterben», sagte der Direktor des Roosevelt-Hospitals in Guatemala-Stadt, Carlos Soto.

Die Jugendeinrichtung wird von der staatlichen Wohlfahrt betrieben. In dem Haus leben Kinder und Jugendliche, die wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Allerdings wurden zuletzt auch kriminelle Jugendliche in der Einrichtung untergebracht. Das führte zu erheblichen Spannungen.

Die gemeinsame Unterbringung sei ein Fehler, sagte Sozialminister Carlos Rodas. Die Chefjuristin der Regierung, Anabella Morfin, verwies darauf, ihre Behörde habe zuletzt bei zwei Richtern um die Verlegung besonders auffälliger Jugendlicher gebeten. Die Genehmigung sei aber nicht erteilt worden. «Diese Tragödie hätte verhindert werden können», sagte Morfin. Vor dem Präsidentenpalast im historischen Zentrum von Guatemala-Stadt legten Demonstranten aus Protest Kohle und Spielzeugpuppen nieder.

Zuletzt hatten sich die Minderjährigen über schlechte Behandlung durch die Betreuer und schlechtes Essen beschwert. Nach Angaben einiger Parlamentarier gab es seit 2015 Hinweise darauf, dass Jugendliche aus der Einrichtung als Prostituierte rekrutiert wurden.

Die Staatsanwaltschaft für Menschenrechte und das UN-Kinderhilfswerk Unicef hatten immer wieder auf die Zustände in dem Heim hingewiesen. In der Einrichtung würden verlassene Babys, behinderte Kinder, schwangere Teenager und gewalttätige Jugendliche gemeinsam untergebracht, sagte Hilda Morles von der Staatsanwaltschaft für Menschenrechte. Die Behörden seien unfähig gewesen, ein solches Heim ordnungsgemäß zu führen.

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