Mode Es muss nicht immer der Laufsteg sein

Garage statt Catwalk: Für ihre Modenschauen suchen viele Designer inzwischen Alternativen zum klassischen Laufsteg. Stöckeln Models bald nur noch durch U-Bahn oder Garage?

Von dpa
Modenschau in einer Wohnung auf der Fashion Week 2015 in Berlin.
Modenschau in einer Wohnung auf der Fashion Week 2015 in Berlin. Foto: Bernd Von Jutrczenka

Berlin (dpa) - In Sandalen laufen die jungen Frauen durch eine Berliner Wohnung. Der Dielenboden ist weiß gestrichen, die Wände sind teils unverputzt. Einige Stühle sind aufgestellt. Darauf sitzen schöne Menschen und machen Handy-Fotos.

Bei der Szene handelt es sich nicht um eine Wohnungsbesichtigung, sondern um die Modenschau der Jungdesignerin Louise Friedlaender auf der Fashion Week im vergangenen Sommer. Auch andere Modemacher präsentieren ihre Kreationen inzwischen nicht mehr auf dem klassischen Laufsteg - sondern suchen ausgefallenere Orte. 

Der Designer Marcel Ostertag etwa zeigt seine Kollektion für den kommenden Herbst und Winter auf der aktuellen Berliner Modewoche erstmals nicht auf dem Laufsteg am Brandenburger Tor, sondern in der sogenannten Heeresbäckerei. Die einstige Bäckerei wird inzwischen als Kultureinrichtung mit Büros und Lofts genutzt. «Die Mode muss sich spätestens jede Saison neu erfinden», erklärt er. «Warum sollte die Art der Präsentation sich nicht wandeln und vielfältiger werden?»

Experten sehen darin auch eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Couture. «Modenschauen in der Ära von Coco Chanel, Yves Saint Laurent und Hubert de Givenchy fanden damals noch in den Ateliers der Designer im ganz kleinen Kreis statt», erklärt Julia Schygulla, Fashion News Director beim Modemagazin «Instyle». «Eine Front Row, wie man sie heute kennt, gab es nicht - denn die auserwählten Gäste - Kundinnen und erlesene Journalisten - saßen meist nur in einer Stuhlreihe, die in den beengten Räumlichkeiten aufgestellt wurde.» Ganz ähnlich also wie im Sommer bei Louise Friedlaender.

Designer sehen darin einige Vorteile. «Diese Tendenz ist weltweit zu spüren, auch in Paris werden Kollektionen in Garagen und in alten leerstehenden Gebäuden präsentiert», heißt es etwa beim Label Steinrohner. «Es ist besonders für Jungdesigner sehr interessant, da dabei neue Plattformen geschaffen werden und ein Zusammenspiel verschiedener Künste gegeben ist.»

Die Designerinnen Inna Stein and Caroline Rohner präsentieren ihre Kollektion zwar in einer offiziellen Location der Fashion Week, allerdings in einer Art Ausstellung. Models laufen nicht mehr der Reihe nach an den Zuschauern vorbei, sondern stehen auf Podesten. «Im Gegensatz zum Laufsteg, bei dem die Models im Sekundentakt an einem vorbeieilen, kann der Betrachter das Outfit lange genug betrachten und zum nächsten übergehen», erklären sie.

Ein Vorteil von Schauplätzen fernab des klassischen Laufstegs ist ihnen zufolge auch die Möglichkeit, die Geschichte der Kreationen besser zu erzählen. Die Steinrohner-Kollektion «Eternal Ice» (Ewiges Eis) wird demnach etwa mit passenden Gemälden verknüpft.

Designerin Lana Mueller setzt auf eine Jugendstil-Location am Kurfürstendamm, in der sie ihre Abendroben präsentiert. Auch durch U-Bahnen in Berlin und München stöckelten Models bereits. «Oft suchen Designer sich eine Location, die auch die Stimmung der Kollektion und die Inspirationen widerspiegelt», sagt Schygulla.

Stirbt der klassische Laufsteg also aus? «Ich denke, dass beides parallel existiert, je nachdem welche Linie ein Designer mit seiner Mode verfolgen will», sagt sie. «Oft variieren die Designer auch von Kollektion zu Kollektion in der Wahl ihrer Location.» Louise Friedlaender etwa lässt ihre Models nicht wie im Sommer durch eine Wohnung spazieren - sie setzt auf einen Laufsteg.

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