Streaming
Dritte Staffel: Die «Jerks» stolpern wieder durchs Leben

Christian Ulmen und Fahri Yardim sind alte Kumpel. Im wirklichen Leben und in «Jerks». Die Serie hat schon zwei Staffeln hinter sich. Nun geht es bei der neuen Streamingplattform Joyn weiter.

Donnerstag, 20.06.2019, 07:43 Uhr aktualisiert: 20.06.2019, 07:46 Uhr
Buddys: Fahri Yardim (l) und Christian Ulmen. Foto: Annette Riedl

Berlin (dpa) - «Jerks» heißt die Buddy-Serie mit Christian Ulmen und Fahri Yardim, von der es jetzt die dritte Staffel gibt. Den Titel kann man mit «Idioten» übersetzen oder mit «Volltrottel».

Aber zu den beiden Hauptfiguren passt das höchstens auf den ersten Blick: Klar, sie geraten fast immer in Probleme, für die sie selbst verantwortlich sind - und manche gibt es auch nur in ihrem Kopf. Und Geschick als Problemlöser ist nicht ihre Stärke. Aber wie sie so suchend, etwas hilflos, etwas verpeilt durch ihr Leben in Potsdam stolpern und dabei keine peinliche Situation auslassen, macht sie auch sympathisch.

Es sind Antihelden auf hohem Niveau, die ihre Schwächen lustvoll offenbaren - und vielen Zuschauern gerade deshalb ans Herzen gewachsen sind. Sonst wären sie wohl auch nicht zum Aushängeschild von Joyn geworden, der neuen senderübergreifenden Streamingplattform von ProSieben.

Dort sind die zehn neuen Folgen aus Staffel drei nun zu sehen. «Jerks» hat bereits zuvor Mediengeschichte geschrieben, als die erste deutsche Serie für einen Streamingdienst überhaupt - für Maxdome, der ebenfalls zum ProSieben-Universum gehört. Dort lief Staffel eins im Januar 2017 an, Staffel zwei kam im März 2018. Seitdem ist viel passiert, Streamingserien aus Deutschland gab es inzwischen einige.

Das «Jerks»-Prinzip ist aber das gleiche geblieben: Christian Ulmen (43) und Fahri Yardim (38), auch im echten Leben alte Kumpel, spielen sich selbst - oder Varianten von sich selbst, die nicht mit ihnen identisch sind, aber an sie angelehnt. Manches ist offensichtlich anders als tatsächlich: Collien Ulmen-Fernandes (37) zum Beispiel, Ulmens Ehefrau, spielt in «Jerks» seine Ex, die einen neuen Partner namens Jojo hat, ein Sozialwissenschaftler, der Ulmen furchtbar auf die Nerven geht und dem er unterstellt, ihm die Kinder abspenstig machen zu wollen.

Wo genau die Trennlinien zwischen dem fiktiven Serien-Christian und dem wirklichen verlaufen, weiß man manchmal nicht, und bei Fahri Yardim ist das natürlich nicht anders. Das hat durchaus seinen Reiz. Und immer schon waren die Dialoge eine der Stärken der Serie, das ist in Staffel drei nicht anders.

«Jerks» trägt in mehrfacher Hinsicht Ulmens Handschrift: Er spielt nicht nur mit, sondern ist auch Autor der Serie, die 2017 den Deutschen Comedypreis für die beste Innovation bekommen hat, und er führt Regie. Auch das ist so geblieben. Der Comedypreis ging voll in Orndung: «Jerks» ist tatsächlich irgendwie anders und ganz sicher komisch.

Dabei geht es in Staffel drei durchaus um Themen, die nicht durchweg witzig sind. Krebs zum Beispiel - und um die Frage, wie man damit umgeht zu erfahren, dass der Partner daran erkrankt ist, bevor er selbst es weiß.

Bekannt ist die Serie auch für seine Cameo-Auftritte: Veronica Ferres, Palina Rojinski und Fußballer Arne Friedrich beispielsweise waren in «Jerks» schon als sie selbst zu sehen. In Staffel drei sind unter anderem TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Sängerin und Schauspielerin Jasmin Wagner alias Blümchen und «Babylon Berlin»-Star Volker Bruch als Gaststars dabei.

Volker Bruch spielt Volker Bruch, der allerdings gerade ein echtes Problem hat, weil das thailändische Au-pair-Mädchen der Familie ihm vorwirft, sexuell übergriffig geworden zu sein. Und dann taucht er bei Ulmen und Yardim auf und bittet sie um Hilfe. Am besten sollte sie zurück nach Bangkok reisen, sind die drei sich einig. Aber so schnell lassen sich ernsthafte Probleme eben nicht entsorgen - auch nicht im Rahmen comedy-verwandter Formate. Und das weiß Autor und Regisseur Ulmen natürlich auch.

Krebs und sexuelle Übergriffe - geht das zu weit? «Wir würden niemals Witze über Krebs machen und auch keine Witze über Opfer körperlicher Peinigung. Trotzdem tauchen diese Themen auf», erklärt Ulmen. «Ich glaube, es ist falsch, bestimmte Themen nicht im Kontext von Humor zu erzählen. Es kommt aufs Ziel an: Worüber lache ich, die Frau, die einen Tumor hat oder über zwei Jerks, die damit überfordert sind?»

Bei «Jerks» ist der Tabubruch eingepreist - oder zumindest die Annäherung daran. «Wir hangeln uns an der Grenze der Aufrichtigkeit entlang und wagen den Spagat, über alles sprechen zu dürfen, gleichzeitig dabei aber niemanden verletzen zu wollen», erklärt Yardim. Bisher hat das ganz gut funktioniert.

Auserzählt ist die Geschichte der beiden Volltrottel für Ulmen und Yardim noch nicht. Und mit Folge zehn der neuen Staffel soll deshalb auch nicht Schluss sein, wie Ulmen ankündigt: «Wir denken ab den Sommerferien über Staffel 4 nach.»

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