Kabarett Richling zu Merkel-Nachfolge: «Ich mache mir jeden zurecht»

Politikerparodien sind seine Spezialität - auch Angela Merkel hat Mathias Richling oft durch den Kakao gezogen. Ihr Amt als Parteichefin will diese aufgeben - der Kabarettist freut sich schon auf den Nachfolger oder die Nachfolgerin.

Von dpa
Mathias Richling hält alle Merkel-Nachfolgekandidaten für «kabarettabel».
Mathias Richling hält alle Merkel-Nachfolgekandidaten für «kabarettabel». Foto: Marijan Murat

Berlin (dpa) - Kabarettist Mathias Richling (65) verfolgt die politische Entwicklung haargenau. Wer Angela Merkel nachfolgt, wenn diese beim Parteitag im Dezember ihren Posten als CDU-Chefin abgibt, kann er nicht vorhersagen. Arbeiten könne er aber mit jedem und jeder gut, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Wie schwer trifft es Sie denn, dass Angela Merkel bald nicht mehr CDU-Chefin sein wird?

Antwort: Mich persönlich trifft das erstmal gar nicht. Ob ich mir was einfallen lasse zu Frau Merkel oder zu einem Nachfolger, bleibt sich relativ gleich. Mir was ausdenken muss ich ja auf jeden Fall. Und politisch muss man sich selbstlos auch in Frau Merkel hinein versetzen: wer will noch Chefin sein von etwas, was von der CDU noch übrig ist.

Frage: Durch ihren plötzlichen Schritt hat ja Angela Merkel das Heft des Handelns in der Hand behalten - anders als viele Männer vor ihr.

Antwort: Ja, das kann man sagen. Das hat sie wieder mal raffiniert gemacht. Politischer Instinkt aufgrund äußerer Gegebenheiten. Ein Grundzug ihrer Politik. Wenn es nicht anders geht, handelt sie. Es könnte das erste Mal in der bundesdeutschen Geschichte sein, dass sich ein Kanzler selbst aus dem Amt jagt. Obwohl ich nicht weiß, ob die, die sie nicht mehr wollen, jetzt befriedigt sind. Es soll ja Parteien geben, deren einziger Inhalt die Absenz von Frau Merkel ist. Woher nehmen die jetzt ihre Existenz-Berechtigung?

Frage: Aus Sicht des Kabarettisten und Parodisten - wer wäre Ihnen denn als Nachfolgerin oder Nachfolger am liebsten? Kramp-Karrenbauer, Merz, Spahn?

Antwort: Mir ist es egal! Ich mache mir jeden zurecht, ich habe Herrn Merz schon gemacht, ich habe Herrn Spahn schon gemacht und auch Frau Kramp-Karrenbauer. «Kabarettabel» sind alle. Wenn auch unterschiedlich erkennbar. Das liegt aber nicht an mir, sondern an den von mir Dargestellten.

Frage: Haben Sie gar keine Präferenz?

Antwort: Haben Sie eine Präferenz, über wen Sie lieber schrieben in Ihren Meldungen? Sie müssen sich doch auch damit abgeben, wer Ihnen geboten wird. Präferenzen führen uns Satiriker ebenso nicht weiter. Sie führen nur zu Übellaune und Blockade im Denken. Damit kann ich mich nicht aufhalten. Persönliche Präferenzen realisiere ich bei Wahlen. Die hab ich aber in diesem Fall nicht. Und sie interessieren den Zuschauer auch herzlich wenig. Die Zuschauer möchten von mir den kommentiert bekommen, der auch ihre Präferenzen vernachlässigt.

ZUR PERSON: Bereits als Schüler in Stuttgart fällt Richling durch kabarettistische Leistungen auf. Er studiert unter anderem Schauspiel. Bundesweit bekannt macht den schnellsprechenden Schwaben das Satiremagazin «Scheibenwischer». Mit seinen Programmen ist er Stammgast auf den deutschsprachigen Bühnen. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

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