Nach Pleiten, Pech und Pannen Neue Kulturbauten - «Jahr der Schlüsselübergaben»

Was lange währt: In diesem Jahr sollen in Berlin vier wichtige Kulturprojekte unter Dach und Fach kommen.

Von dpa
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger.
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin (dpa) - Berlin hat eine leidvolle Geschichte mit seinen Bauprojekten. Das Desaster am Hauptstadtflughafen BER ist das düsterste Kapitel. Aber auch bei Kulturbauten gab es immer wieder Pleiten, Pech und Pannen.

In diesem Jahr sollen nun gleich vier wichtige kulturelle Projekte fertig werden: das Ausweichquartier fürs Pergamonmuseum, das zentrale Eingangsgebäude zur Museumsinsel, die Staatsbibliothek Unter den Linden und die Einrichtung des Hauses Bastian als Bildungszentrum.

«2018 wird das Jahr der Schlüsselübergaben und der offenen Türen. Und 2019 wird dann das Jahr der Eröffnungen», sagt der Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist ein Jahr, auf das man sich wirklich freuen kann.» Ein Überblick: 

PERGAMON AUF ZEIT: Besonders wichtig für die Preußenstiftung ist das Ausweichquartier für das Pergamonmuseum. In dem privat finanzierten Bau direkt gegenüber der Museumsinsel sollen während der noch Jahre dauernden Sanierung des Stammhauses Teile des Pergamonaltars, der Hauptattraktion des Hauses, gezeigt werden.

«Das Pergamonmuseum ist weiter eines unserer bestbesuchten Museen, auch wenn derzeit fast Zweidrittel nicht zugänglich sind», sagt Parzinger. «Dass wir noch vor der Sommerpause den Erweiterungsbau eröffnen können und damit das Thema Pergamon wieder erfahrbar machen, ist ein großer Gewinn.»

In dem markanten, in Leichtbauweise errichteten Ausweichgebäude soll vorübergehend der kleinere Originalfries des weltberühmten Altars zu sehen sein. Herzstück wird ein überarbeitetes, riesiges Rundpanorama der antiken Metropole, das sich schon bei einer ersten Ausstellung 2011/2012 als Publikumsmagnet erwiesen hatte. Das Haus soll sich aus den Ticketeinnahmen refinanzieren. 

Der monumentale Altar selbst ist seit 2014 eingehaust, solange der erste Teilabschnitt der Sanierung läuft. Sie soll statt bis 2019 nun bis 2023 dauern. Die Kosten sind mit 477 Millionen Euro inzwischen fast doppelt so hoch wie ursprünglich geplant (261 Mio).

JAMES-SIMON-GALERIE: Auch das neue zentrale Zugangsgebäude, die sogenannte James-Simon-Galerie, ist ein wichtiger Baustein im Masterplan zur Sanierung der unter Unesco-Schutz stehenden Museumsinsel. Das vom Stararchitekten David Chipperfield entworfene Entrée soll den Zugang zu vier der fünf Häuser auf der Spreeinsel zentral regeln und gemeinsame Servicefunktionen übernehmen.

Es sollte eigentlich schon 2013 fertig sein. Wegen Pfusch am Bau und massiver Probleme bei der Sicherung des Fundaments wird es nun erst 2018 an die Stiftung übergeben. So mussten Taucher 1200 Gründungspfähle in den schlammigen Boden treiben. Nach der Übergabe bekommen die Berliner laut Parzinger bei einem Tag der offenen Tür einen ersten Einblick, ehe das Haus dann nach der Einrichtung in der ersten Jahreshälfte 2019 öffnet. Kosten: 134 statt 71 Millionen Euro.

STAATSBIBLIOTHEK UNTER DEN LINDEN: Bei der «Stabi», der mit elf Millionen Büchern deutschlandweit größten wissenschaftlichen Universalbibliothek, gab es ebenfalls zahllose unerwartete Komplikationen sowie Pleiten bei den beauftragten Firmen. Zudem wurde das 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude bei laufendem Betrieb saniert. 

Ein gläserner Neubau im Innenhof des alten Gemäuers eröffnete 2013 mit fünfjähriger Verspätung. Die Gesamtsanierung wird 2018 sechs Jahre länger gedauert haben als geplant. Die Kosten sind inzwischen von 326 Millionen (2004) auf 470 Millionen Euro gestiegen. Die Eröffnung ist laut Parzinger ebenfalls für 2019 geplant.

HAUS BASTIAN: Eine Verzögerung ganz anderer Art gab es bei der Übernahme des Hauses Bastian, das ein kulturelles Bildungszentrum vor allem für junge Leute werden soll. Das von dem britischen Stararchitekten David Chipperfield entworfene Gebäude gegenüber der Museumsinsel hatte schon 2016 an die Preußenstiftung gehen sollen. Damals hieß es, der schwäbische «Schraubenkönig» und Kunstsammler Reinhold Würth werde den Ankauf des 2000-Quadratmeter-Hauses finanzieren.

Wenige Tage später jedoch erklärte die Berliner Galeristenfamilie Bastian, sie schenke der Stiftung das Haus nun selbst. Im Mai zogen die Eigentümer das Angebot überraschend wieder zurück - um im September ihr Versprechen dann doch noch wahr zu machen. Das Haus muss für die künftige Nutzung nur wenig verändert werden. Die Übergabe ist laut Stiftung für die zweite Jahreshälfte 2018 geplant, die Eröffnung für 2019. 

Stiftungspräsident Parzinger sieht dem neuen Jahr deshalb zuversichtlich entgegen, wie er sagt. «Die Berliner und die Besucher Berlins werden ein Gefühl dafür bekommen, welch wunderbare Kulturlandschaft hier in der Mitte der Stadt entsteht.»

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