Martin Walker legt nach «Grand Prix» - Ein Oldtimer-Rennen um Leben und Tod

Im Périgord-Städtchen Saint-Denis steht eine große Oldtimer-Rallye an. Der Chef de police Bruno, Mit-Organisator und Teilnehmer eines Rennens, wird mittendrin zu einem Todesfall gerufen. Kurz darauf geschehen seltsame Dinge.

Von dpa
Der Historiker und Schriftsteller Martin Walker ist der geistige Vater von Polizeichef Bruno.
Der Historiker und Schriftsteller Martin Walker ist der geistige Vater von Polizeichef Bruno. Foto: Uwe Zucchi

Zürich (dpa) - Ohne Bruno scheint im (fiktiven) Périgord-Städtchen Saint-Denis gar nichts zu funktionieren. Auch keine Auto-Rallye. Der Chef de police ist nicht nur Hüter der Ordnung und des örtlichen Friedens, sondern auch die Seele der Gemeinde.

Ganz klar, dass er einen großen Anteil am Gelingen des Rennens hat, das Saint-Denis auch international bekannt machen soll. Und selbstredend springt er als Co-Pilot ein, als Not am Mann ist. «Grand Prix» ist Brunos neunter Fall.

Und genauso heißt der neue Krimi des schottischen Autors, der längst ein guter Werbeträger für die südfranzösische Region geworden ist. Zwischen kulinarischen Köstlichkeiten des Périgord, zauberhafter Landschaft und den Fans der Bruno-Reihe längst bekannten Mitwirkenden sorgen dieses Mal zwei Fremde für Irritationen. Denn die beiden sind nicht nur zum Autorennen in den Süden des Landes gekommen, um sich für die nationale Meisterschaft zu qualifizieren, sondern um einen einzigartigen Oldtimer aufzuspüren: das letzte von insgesamt nur vier jemals gebauten Exemplaren des Bugatti Type 57 SC Atlantic. Dieses Fahrzeug des legendären Automobilherstellers soll Millionen wert sein.

Diverse Spuren haben die Männer nun nach Saint-Denis geführt, wo sie sich parallel zur Rallye auch um diesen Luxuswagen einen Wettkampf liefern. Wider Willen wird auch Bruno in die Suche mit einbezogen, denn im Gefolge der beiden Konkurrenten kommen weitere suspekte Gestalten ins Spiel, wie zum Beispiel der seltsame Freddy. Und es gibt mysteriöse Todesfälle. Letztendlich gestaltet sich das Oldtimer-Wochenende in Saint-Denis wie ein Rennen um Leben und Tod, auch wenn es recht gemächlich beginnt.

Was den Polizisten aber am meisten aus der Fassung bringt, ist das Auftauchen seiner Ex-Geliebten Isabelle, die in Saint-Denis ebenfalls ermittelt: im Auftrag des französischen Geheimdienstes. Dabei hatte er gerade wieder einmal sein Herz verloren.

Walkers ganz große Liebe scheint das Périgord zu sein. Hier hat er mit seiner Familie Wurzeln geschlagen, hier frönt er über weite Strecken des Jahres seiner Leidenschaft als Gourmet, und hier sind Ursprung und Ausführung seiner Bruno-Romane. Daneben aber schreibt der 1947 in Schottland geborene Historiker und Journalist auch andere Belletristik sowie Sachbücher und folgt in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington noch einer weiteren Passion: Er ist Vorstandsmitglied eines Think-Tanks-Instituts, dem Global Business Policy Council, das Unternehmensstrategien entwickelt.

Dieses Interessengebiet findet sich irgendwie auch in «Grand Prix» wieder. Es ist eine etwas sonderbare Geschichte, die sich Martin Walker dieses Mal ausgedacht hat. Und sonderlich straff gespannt ist der Spannungsbogen auch nicht. Wie immer faszinieren seine gedanklichen Ausflüge in die französische Geschichte sowie seine sozial- und wirtschaftspolitischen Einblicke.

Demgegenüber lösen sich die zwischenmenschlichen Probleme in Saint-Denis - selbstverständlich mit tatkräftiger Unterstützung Brunos - so wohlgefällig und fast zu jedermanns Zufriedenheit auf, dass es einem ein wenig den Magen verkleistert. Zum Glück sorgen Walkers immer wieder eingestreute Rezepte der Regionalküche und neutralisierende Périgord-Weine für eine gute Verdauung.

- Martin Walker: Grand Prix, Diogenes Verlag Zürich, 384 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-2570-6991-4.

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