TV-Tipp 1001 Gramm

Mit Filmen wie «Kitchen Stories» und «O' Horten» erforschte der Norweger Bent Hamer die Absurditäten des Alltags. In der Tragikomödie «1001 Gramm» lässt er jetzt eine Frau aus ihrem genormten Leben ausbrechen.

Von dpa
Als Marie (Ane Dahl Torp) den französischen Wissenschaftler Pi (Laurent Stocker) kennenlernt, gerät ihre Welt noch weiter aus den Fugen.
Als Marie (Ane Dahl Torp) den französischen Wissenschaftler Pi (Laurent Stocker) kennenlernt, gerät ihre Welt noch weiter aus den Fugen. Foto: John Christian Rosenlund

Berlin (dpa) - Marie hat einen gewichtigen Auftrag. In dem Filmdrama «1001 Gramm» fährt die Wissenschaftlerin zu einem internationalen Eich-Seminar nach Paris - mit dem nationalen Kilo-Prototypen von Norwegen im Gepäck.

Der Norweger Bent Hamer («Kitchen Stories», «O' Horten») erzählt von der Selbstfindung einer jungen Frau inmitten einer herrlich skurrilen Welt von verschrobenen Wissenschaftlern. Arte zeigt die Tragikomödie am Mittwoch (26. April) um 20.15 Uhr als deutsche Erstausstrahlung.

Eigentlich sollte Maries Vater Ernst (Stein Winge) zum Kongress nach Paris fahren - doch als er einen Herzinfarkt erleidet, reist seine Tochter zu dem Treffen der Kilo-Experten. Es geht darum, die Kilos aus aller Welt mit dem in Paris verwahrten internationalen Kilo-Urtyps abzugleichen.

Für Marie, die unter dem demütigenden Ende ihrer Ehe leidet, ist die Reise nach Paris eine große Chance - ein Ausbruch aus ihrem streng geregelten Arbeitsleben, ein Aufbruch zu neuer Lebensfreude. Der Zuschauer begleitet Marie auf ihrem teils ziemlich holprigen Weg in die Zukunft. Ane Dahl Torp spielt die zurückhaltende, vorsichtige Frau mit großer Natürlichkeit und Überzeugungskraft.

Regisseur Hamer lässt die Kamera oft in der Totalen auf Maries Leben blicken - es zählt das große Ganze. Die Kameraführung ruft dazu auf, auch mal über den Tellerrand der eigenen Befindlichkeit zu gucken.

Marie bekommt einen neuen Blick auf das Leben, als sie in Paris den französischen Physiker Pi (Laurent Stocker) kennenlernt. Der Mann mit dem wunderbar sprechenden Namen ist es denn auch, der Marie aus der Patsche hilft, als ihr Kilo-Prototyp bei einem Unfall beschädigt wird. Eine zarte Liebesgeschichte zwischen der mit ihren Gefühlen sparsam umgehenden Marie und dem freundlichen Pi beginnt. «Manchmal muss es im Leben auch Chaos geben», sagt Pi und holt Marie aus ihrer emotionalen Isolation heraus.

Auf die langsam erzählte Geschichte von «1001 Gramm» muss sich der Zuschauer einlassen. Dann sind die vielen kuriosen Details der Story ein echter Genuss: Wenn sich zum Beispiel die internationalen Kilo-Vertreter mit ihren Kilos zu einem Gruppenfoto aufstellen oder der Seminarchef zur Gewichtsfrage passende Bibelstellen zitiert und dann den Code für den Tresor mit dem Ur-Kilo plötzlich nicht mehr weiß. «1001 Gramm» ist eine kleine Filmperle - sanft melancholisch, mit einem Blick für sonst unbeachtete Details und hinreißend komisch.

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