SciFi-Thriller «Dark Matter» - Kann man sich sein Leben aussuchen?

Kinder - ja oder nein? Karriere oder Beziehung? Das sind oft die großen Fragen des Lebens. Was aber, wenn man nach einer falschen Entscheidung in ein alternatives Leben springen könnte? Mit dieser Thematik befasst sich «Dark Matter. Der Zeitenläufer.»

Von dpa

München (dpa) - Jason könnte zufrieden sein. Er hat ein Haus in Chicago, eine Familie und arbeitet als Professor am College. Nur eines hat der Physiker nie geschafft: den Durchbruch mit seiner Forschung. Die hat er für Frau und Kind hinten angestellt.

Aber lebt er wirklich sein bestes Leben? Wäre er glücklicher, wenn er andere Entscheidungen getroffen hätte? Solche Fragen hat sich wohl jeder schon gestellt. In «Dark Matter. Der Zeitenläufer» von Blake Crouch bekommt die Hauptperson aber tatsächlich eine Antwort.

Die kommt allerdings auf die harte Tour: Jason wird von einem Maskierten entführt und zu einem Industriegelände gebracht. Dort spritzt ihm der Unbekannte, der sich auffallend für sein Privatleben interessiert, eine seltsame Substanz. Als Jason wieder aufwacht, findet er sich in einem Operationssaal wieder. Besonders kurios: Die Menschen kennen ihn - er selbst hat sie allerdings nie zuvor gesehen.

Schnell stellt sich heraus: Jason ist zwar in Chicago, allerdings ist nichts so wie er es kennt. Seine Frau Daniela ist nicht seine Frau, sondern eine erfolgreiche Künstlerin und mit seinem Studienfreund liiert. Sein Sohn wurde nie geboren. Und er selbst? Ist ein berühmter Wissenschaftler. Allerdings war er offenbar verschwunden, nachdem er sich für ein Experiment in eine Art Würfel begeben hatte. Und alle anderen halten ihn für eben den Mann, der damals in den Würfel ging.

Allmählich wird klar: In diesem anderen Leben hat sich Jason gegen seine Familie und für die Karriere entschieden. Das gemeinsame Kind hat Daniela damals abgetrieben - ihm war seine Forschung wichtiger. Besser ist dieses alternative Szenario aber keineswegs.

«Der zentrale Konflikt des Romans beruht auf dem Spannungsverhältnis zwischen Familie und Beruf und der Art, wie sich beide Ebenen manchmal in die Quere kommen», erklärt der Autor Blake Crouch im Interview mit dem Verlag. «Mit jeder Entscheidung schließt sich eine Tür und eine andere geht auf.»

Jason will zurück in das Leben mit Daniela und seinem Sohn, hat aber einen schlimmen Verdacht: Sein Doppelgänger wollte dieses Leben auch. Im Gegensatz zu ihm wusste der aber, wie das physikalisch möglich ist - und hat es sich einfach genommen. Jason hat er kurzerhand in das andere Leben geschickt, um ihn loszuwerden.

Blake Crouch gelingt mit «Dark Matter. Der Zeitenläufer» ein absolut packender Science-Fiction-Thriller, der den Leser in fremde Welten bringt und ihn bis zur letzten Seite mitfiebern lässt. Einlassen muss man sich aber auf die Idee, dass man mit Hilfe eines begehbaren Würfels Zutritt zu verschiedenen Varianten seines Leben bekommen kann. Wie genau das funktioniert - unter anderem ist das Spritzen eine bestimmten Substanz nötig - kann mitunter etwas verwirrend sein.

So oder so regt das Buch zum Nachdenken an. Welche Entscheidungen geben unserem Leben möglicherweise eine ganz andere Wendung? Was wäre gewesen, wenn ...? Und wäre ein anderes Leben wirklich besser - oder zahlt man letztlich für alles einen Preis?

- Blake Crouch: Dark Matter. Der Zeitenläufer. Goldmann, München, 417 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-641-17142-1.

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