Wenn alles zusammenbricht Zweimal lebenslänglich

Es ist ein Alptraum, unschuldig ins Gefängnis zu kommen. Vor allem, wenn sich anders als erhofft, nicht alles schnell als Irrtum entpuppt. Stoff für ein Psychodrama.

Von dpa
Franziska (Julia Koschitz) kann nicht verstehen, dass Sebastian (Felix Klare) sie immer wieder angelogen hat.
Franziska (Julia Koschitz) kann nicht verstehen, dass Sebastian (Felix Klare) sie immer wieder angelogen hat. Foto: Marion von der Mehden

Berlin (dpa) - Unbeschwert liegt ein junges Paar im Bett, als es an der Tür seiner der Hamburger Wohnung klingelt. Draußen steht die Polizei, sie stürmt die Wohnung, um den Mann festzunehmen und abzuführen. «Ich bin gleich wieder da», sagt er noch. So beginnt der Fernsehfilm «Zweimal lebenslänglich», der am Montag (13. März, 20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist.

Bei dem Mann handelt es sich um Sebastian Pauli (Felix Klare), der eine junge Frau erstochen haben soll. Seine Freundin Franziska Dreyer (Julia Koschitz) bleibt fassungslos zurück. Eine Zeit der Ungewissheit beginnt, zumal Sebastian immer wieder seine Unschuld beteuert. Nach acht Monaten wird das Urteil gefällt, das auf Indizien beruht: lebenslange Haft, unter Berücksichtigung der Schwere der Schuld - das bedeutet 23 Jahre im Gefängnis. Auch die Revision führt nicht zur erhofften Freilassung.

Franziska glaubt weiter an die Unschuld ihres Partners. Es macht sie wütend, dass gemeinsame Freunde zu zweifeln beginnen und sich schließlich abwenden. Auch ihre Mutter (Maren Kroymann) macht das mit den Worten «Du rennst ja sehenden Auges in dein Unglück». Dann heiraten Franziska und Sebastian sogar im Gefängnis - doch ganz allmählich erfährt sie Dinge aus seinem Vorleben, die ihr überhaupt nicht geheuer sind.

Julia Koschitz (42, «Das Sacher», ZDF, «Spuren des Bösen - Begierde») spielt die Rolle der Franziska, die immer mehr ins Grübeln gerät, mit großer und fast schon schmerzhafter Glaubwürdigkeit. Vor allem die Szene, als sie den Urteilsspruch hört, ist ebenso dramatisch wie herzzerreißend. Über ihre Rolle sagt sie: «Sie ist eine Frau mit einem sehr schlechten Selbstwertgefühl. Sie macht sich emotional leicht abhängig und ist weit entfernt von einem selbstbestimmten Leben.»

Die Hauptthemen des Films - jenseits der Frage nach einem möglichen Justizirrtum - sind Vertrauensverlust, Verantwortung und Verrohung. «Das ist genau das, was mich bei dieser Geschichte am meisten gereizt hat: Wie gut kenne ich den Menschen, mit dem ich mein Leben teile?», sagt Julia Koschitz. «Wie viel projiziere ich in ihn hinein? Muss ich wirklich alles von ihm wissen? Darf man Geheimnisse haben?»

Offenbar vertraut Koschitz dem Regisseur Johannes Fabrick (58, «Der kalte Himmel») besonders, denn mit ihm hat sie schon mehrere Filme gedreht, darunter «Der letzte schöne Tag» (2011, ARD), «Pass gut auf ihn auf» (2013, ZDF) und «Unsichtbare Jahre» (2015, ARD). Ihr neuester Film «Kleine Ziege, sturer Bock» ist am 21. April auf Arte zu sehen.

«Zweimal lebenslänglich» handelt auch davon, was wir wirklich sehen und wissen wollen, und was eben nicht. Und wie sehr solch eine unfassbare Veränderung - wenn im Grunde alles zusammenbricht - zwei Leben radikal verändern kann. Für den Zuschauer ist das hochspannend, aber auch anstrengend. Das vor allem deshalb, weil die intensive Liebe der Frau im Film so bedingungslos ist, dass sie schon an bittere Selbstzerstörung grenzt. So kann das verstörende Ende sicher kein glückliches sein - und dennoch den Aufbruch zu etwas Neuem bedeuten.

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