Seitenhiebe Kroymann

Satire ist im Deutschen Fernsehen überwiegend Männersache. Umso erfreulicher, dass nun endlich wieder eine Frau zeigen darf, was sie kann. Maren Kroymann braucht sich da nicht zu verstecken.

Von dpa
Es soll gelacht werden: Die Schauspielerin Maren Kroymann tritt mit neuen Sketchen vors Fernsehpublikum.
Es soll gelacht werden: Die Schauspielerin Maren Kroymann tritt mit neuen Sketchen vors Fernsehpublikum. Foto: Patrick Seeger

Berlin (dpa) - Als «Nachtschwester Kroymann» (ARD) brachte sie zwischen 1993 und 1997 so manchen Zuschauer zu Bett. Das ist nun schon fast 20 Jahre her, und da wird es allerhöchste Zeit für eine Art von Neuauflage.

Mit dem schlichten Titel «Kroymann» kehrt Maren Kroymann an diesem Donnerstag mit einer eigenen Satiresendung im Ersten auf den Bildschirm zurück, allerdings sehr spät, um 23.30 Uhr.

Darin schlüpft die Schauspielerin, Musikerin und Humoristin Maren Kroymann (67) in ganz verschiedene Frauenrollen. Sie ist zu sehen als ältestes Mitglied einer Frauenrechtlerinnen-Bewegung, die zum Kochen und Putzen eingeteilt werden soll und als Frau im reifen Alter in einem Bewerbungsgespräch («Ihr seid rassistische Vollpfosten!») mit Burghart Klaußner.

Sie schlüpft in die Rolle einer berühmten Schauspielerin, die Schauspielstudentinnen im Kurs von Cordula Stratmann etwas mitgeben soll («Ich nenne es Verwertungsbegabung»), und in die einer mittelalten Patientin bei einer besonderen Therapeutin (Annette Frier), die sie «allein schon vom Alter her für ideal hält für das Stammpublikum der ARD». Sie tritt als Erika Steinbach auf («Sie sehen gar nicht schwul aus») und in vielen anderen Sketchen des Autorenteams - darunter Sebastian Colley und Hans Zippert - unter der Regie von Felix Stienz und Philipp Käßbohrer.

Maren Kroymann bringt in ihren Sketchen gerne politische Seitenhiebe unter und singt auch («Wir sind die Alten»). Auf die Frage, warum sie gerade jetzt wieder Kabarett macht, sagte: «Ach, das hätte ich gerne schon viel früher. An mir lag das nicht, denn «Nachtschwester Kroymann» hätte ich liebend gerne weitergemacht. Aber es sollte damals nicht sein.»

Das Angebot, ein Format mit 30 Minuten Satire für die ARD zu entwickeln, sei 2016 völlig überraschend gekommen - von Radio Bremen. «Wir haben dann eine super Produktionsfirma gefunden, die Kölner bildundtonfabrik, und glücklicherweise ist auch Hans Zippert wieder mit von der Partie, der mit mir damals die meisten Folgen von «Nachtschwester Kroymann» geschrieben hat», sagte Kroymann.

Und dann sind bei «Kroymann» Kolleginnen wie Cordula Stratmann, Annette Frier dabei - und Burghart Klaußner. «Wir alle haben das jetzt einfach mal zusammen gemacht - ohne dass es dabei groß um irgendwelche Erwartungen ging. Geplant ist zunächst eine Sendung, aber in einer tieferen Stufe meines Bewusstseins ist sicher noch Platz für weitere.»

Das wollen wir doch mal schwer hoffen - gerade im Fall von Maren Kroymann, die auch über sich selber lachen kann. Dabei hätte ihr genau das schon des öfteren im Halse stecken bleiben können, als nach ihrem Outing als Lesbe vor etwa 20 Jahren gute Rollenangebote abnahmen und die Kabarettshow abgesetzt wurde.

Schon längst hat sie wieder sehr gut zu tun, und in der Gesellschaft wie in den Fernsehsendern hat sich einiges geändert. Dennoch ist es im Grunde noch immer so: Wer schwul oder lesbisch ist, eckt im Fernsehen noch immer leicht an. Wenn es nicht zu traurig wäre, wäre das genügend Stoff für Satire.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4690633?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686136%2F2686170%2F