Film «Suite Française»: Verbotene Liebe zur Nazizeit

Hinter «Suite Française - Melodie der Liebe» verbirgt sich nicht nur eine dramatische Romanze in Zeiten des Krieges. Mit Kristin Scott Thomas, Michelle Williams und Tom Schilling ist der Film auch hochkarätig besetzt.

Von dpa
Lucile (Michelle Williams) und Bruno verlieben sich ineinander.
Lucile (Michelle Williams) und Bruno verlieben sich ineinander. Foto: Steffan Hill

Paris (dpa) -  Frankreich im Frühsommer 1940: Das kleine Dorf Bussy wird von den Deutschen besetzt und Soldaten in die Häuser der Bewohner einquartiert. Zu den wohlhabenden Angelliers kommt der deutsche Nazi-Offizier Bruno von Falk.

In dem großen Haus leben Lucile, die auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg wartet, und ihre strenge Schwiegermutter. Bruno ist kultiviert, Lucile schön und jung. Beide verlieben sich ineinander - womit das Drama einer Beziehung in Kriegszeiten beginnt.  

Dem britischen Regisseur Saul Dibb geht es in «Suite Française - Melodie der Liebe» vor allem um das romantische Drama. Lucile (Michelle Williams) und Bruno (Matthias Schoenaerts) stehen im Mittelpunkt. Über ihre gemeinsame Leidenschaft für das Klavierspielen kommen sich beide näher. Regisseur Dibb bedient sich des historischen Hintergrunds, um die widersprüchlichen Gefühle zweier Menschen darzustellen, die wissen, dass ihre Liebe gefährdet und gefährlich ist. Denn Lucile hat sich nicht nur in den Feind verliebt. Sie versteckt in dem Haus ihrer Schwiegermutter auch den Bauern Benoît, der einen Nazi getötet hat. 

«Suite Française - Melodie der Liebe» lehnt sich an den gleichnamigen Titel des ursprünglich auf fünf Teile angelegten Romanzyklus' von Irène Némirovsky an. Doch nur die ersten beiden Bände kamen zustande, denn die französische Schriftstellerin jüdischer Herkunft starb 1942 in Auschwitz im Konzentrationslager. In dem Film hat sich Dibb («Die Herzogin») für den zweiten Teil des Werkes entschieden, der von der Liebe zwischen dem Deutschen und der Französin handelt.

Das Drehbuch von Dibb und Matt Charman ist jedoch gewöhnlich, die Handlungen des Melodramas vorhersehbar. Getragen wird die Geschichte vor allem durch die schauspielerische Leistung von Michelle Williams als verschreckte und ängstliche Soldatenfrau und Matthias Schoenaerts als galanter Nazi-Offizier. Die britische Schauspielerin Kristin Scott Thomas ist in die Rolle von Luciles böser Schwiegermutter geschlüpft. Als Madame Angellier wacht sie mit Argusaugen über die Ehefrau ihres Sohnes Gaston, auf dessen Rückkehr beide Frauen warten. Die Dialoge sind dabei allerdings banal, zum Teil unbeholfen. Nicht nachvollziehbar ist auch Luciles Stimme aus dem Off, die zum Ausdruck bringt, was auf der Leinwand zu sehen ist.

Dibb hat die historische und moralische Komplexität der Geschichte von Némirovsky stark reduziert. Nur in Nebenhandlungen ist zu erahnen, wie die Realität im Jahr 1940 ausgesehen hat. So steht die Geschichte um den Bauern Benoît im Hintergrund, der einen deutschen Soldaten tötet, weil dieser seine Frau bedrängt hat.

Aus dem Roman der jüdischen Schriftstellerin, die Geschichte beschreibt und über ein fiktives Dorf im Ausnahmezustand erzählt, ist so eine wenig inspirierte Liebesgeschichte geworden. Die Erzähltiefe des Werkes von Némirovsky und die internationale Starbesetzung hätten einen anspruchsvolleren Film verdient.

Suite Française - Melodie der Liebe, Großbritannien, Frankreich, Belgien 2014, 108 Min., FSK ab 12, von Saul Dibb, mit Michelle Williams, Matthias Schoenaerts, Kristin Scott Thomas

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