Medien Der Staatsanwalt

Der ZDF-«Staatsanwalt» nimmt wieder die Ermittlungen auf. In acht neuen Folgen setzt der Sender vom 8. Januar an auf das altbewährte Team um Rainer Hunold als Oberstaatsanwalt Reuther - und auf die Kulisse der Kurstadt Wiesbaden.

Von dpa
Rainer Hunold (M) gibt weiter den «Staatsanwalt» in der ZDF-Erfolgsserie (hinter ihm: Fiona Coors und Simon Eckert).
Rainer Hunold (M) gibt weiter den «Staatsanwalt» in der ZDF-Erfolgsserie (hinter ihm: Fiona Coors und Simon Eckert). Foto: Fredrik von Erichsen

Wiesbaden (dpa) - Ein Problem mit der Glaubwürdigkeit als Staatsanwalt hat der Schauspieler Rainer Hunold nicht. Als der 66-Jährige bei einem Recherchebesuch durch das Gebäude der «echten» Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Main läuft, kommt eine Frau auf ihn zu und sagt: «Sie arbeiten ja wirklich hier!»

Diese Anekdote erzählt der «echte» Oberstaatsanwalt und juristische Fachberater beim ZDF, Olaf König, gerne. «Ich könnte mir Rainer Hunold von seiner Persönlichkeit her auch sehr gut als Oberstaatsanwalt vorstellen», fügt er hinzu. Von diesem Freitag (20.15 Uhr) an ist der Schauspieler wieder in neuen Folgen der ZDF-Reihe «Der Staatsanwalt» zu sehen.

Im ersten 60-Minüter geht es um einen «Mord nach Mitternacht». Es bleibt beim altbewährten Trio: Oberstaatsanwalt Bernd Reuther (Hunold), Kriminalhauptkommissar Christian Schubert (Simon Eckert) und Kriminalhauptkommissarin Kerstin Klar (Fiona Coors).

Es ist bereits die zehnte Staffel der Reihe, die nach den Worten von ZDF-Redakteur Günther van Endert die besten Werte aller Freitagskrimis des Senders erreicht. Im Durchschnitt hätten 2014 und 2015 rund 5,5 Millionen Menschen den Staatsanwalt geschaut, in der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen annähernd zwei Millionen. Für den Regisseur Johannes Grieser ist vor allem Hunold für diesen Erfolg verantwortlich. «Er spielt es mit der nötigen Souveränität. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, er hat eine Intuition für die Fälle», sagt er bei den Dreharbeiten in Wiesbaden.

Der Schauspieler selbst hat auch noch andere Gründe ausgemacht: «Bei uns sind die Figuren ungewöhnlich aufgestellt», erklärt er. «Im Gegensatz zu den klassischen Polizeikrimis steht hier ein Staatsanwalt im Mittelpunkt - also eine Figur, die in der Wahrnehmung der Zuschauer eher negativ besetzt ist, weil sie den armen Angeklagten unbedingt in den Knast bringen will.»

Er habe mittlerweile sehr viel Respekt vor der Arbeit der Staatsanwälte, bekennt der 66-Jährige. «Ein Besuch im Arbeitszimmer von Dr. König hat mich sehr deutlich den Unterschied zwischen den beruflichen Realitäten eines echten Oberstaatsanwaltes und eines Schauspielers, der einen Staatsanwalt spielt, erleben lassen.» Damit meine er nicht nur die Möblierung, sondern vor allem die intellektuellen Herausforderungen. «Mit anderen Worten: Ich kam mir ganz schön blöd vor.»

In früheren Rollen, etwa als Dr. Sommerfeld in «Neues vom Bülowbogen», sei er vorwiegend auf Sympathieträger abonniert gewesen, sagt Hunold. «Das wird auf Dauer etwas ermüdend. Staatsanwalt Reuther hat deutlich mehr Ecken und Kanten und auch Härte, da gibt es mehr zu spielen.» Das nicht nachlassende Interesse der Zuschauer an Krimis erklärt sich Hunold mit dem «Bruch gesellschaftlicher Regeln zu Beginn eines Filmes und die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung bis zum Ende des Films». Bei den Menschen wachse die Sehnsucht nach einer Welt, in der das Böse nicht gewinnen kann.

Der ZDF-Staatsanwalt ermittelt traditionell in Wiesbaden, als Kulisse für Reuthers Büro dient - von außen - das Rathaus. Szenen im Gerichtssaal werden in echten Verhandlungsräumen des Justizzentrums aufgenommen.

«Wir drehen keine Dokumentation über ein Strafverfahren. Dennoch ist eine hohe Glaubwürdigkeit unabdingbar, weil die Rezeption des Films über Gefühle von Behagen und Unbehagen funktioniert», sagt Hunold. Für Authentizität sorgt unter anderem Oberstaatsanwalt König. «Man muss nicht alles erzählen, aber das, was man erzählt, muss stimmen», erklärt der Fachberater. «Man kann fast alles korrekt erzählen und es trotzdem spannend machen. Grundsätzlich gilt: Spannung vor Logik.»

Die Drehbuchautoren fragten ihn oft bereits während ihrer Arbeit an einer neuen Folge um Rat, sagt König. Außerdem schaue er vor dem Dreh die Bücher nach juristischen Ungereimtheiten durch. «Ich habe vor kurzem für die Autoren eine «Stoffbörse» gemacht und aus echten Fällen berichtet, die sich eventuell auch fürs Fernsehen eignen», erzählt der Ermittler. Vielleicht rollt also bald ZDF-Staatsanwalt Reuther einen alten König-Fall wieder auf.

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