Die meist gestellte Frage der Eltern:
„Ist mein Kind musikalisch?“

Steinfurt -

Wie wichtig ist es heute noch – in Zeiten eines veränderten Freizeitverhaltens, Umwälzungen in der Schullandschaft und der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen, dass Kinder und Jugendliche ein Instrument erlernen? Michael Gantke muss für eine Antwort auf die Frage, die sich irgendwann wohl alle Eltern stellen, nicht lange überlegen.

Dienstag, 21.05.2019, 15:20 Uhr
Soll mein Kind ein Instrument erlernen? Viele Eltern stellen sich diese Frage. Insgesamt, so die Meinung der Experten, ist das Umfeld für den Nachwuchs schwieriger geworden. Foto: Colourbox

„Grundsätzlich sollte jedes Kind es mit einem Instrument versuchen. Es ist eine Art Lebenshilfe. Die Kinder lernen Kommunikation, erfahren, was sie für Erfolg tun müssen und üben Emotionen in Klang auszudrücken.“ Die Vorstellung, dass jemand völlig unmusikalisch ist, das ist für den Diplom-Musikpädagogen der Steinfurter Musikschule „einfach Blödsinn“. Thomas Blanke, Leiter der Borghorster Musikfabrik, sieht das ähnlich wie sein Kollege. „Bis zu einem gewissen Grat kann jeder ein Instrument erlernen.“ In die absolute Spitze, das sei nicht anders als im Sport, komme dann der, der auch über Talent verfüge.

„Natürlich sage ich als Leiter einer Musikschule, dass es wichtig für ein Kind ist, ein Instrument zu erlernen“, sagt Blanke mit einem Augenzwinkern. Fakt sei aber, dass der Unterricht positive Auswirkungen auf die soziale Kompetenz habe. Spontan fallen dem Musikschulleiter dabei Selbstbewusstsein, das sich durch das Spielen vor Publikum entwickle, aber auch die Fähigkeit ein, sich in einer Gruppe unterzuordnen.

Michael Gantke kam im zarten Alter von fünf Jahren, das war 1963, zur Musik. „Opa spielte als ehemaliger Bergmann Cello und Posaune.“ Der Musikpädagoge weiß es aus Erzählungen: „Damals war von mir hinter dem Cello nichts zu sehen.“ Daraus hat sich trotzdem eine lebenslange Verbindung zur Musik entwickelt, die so stark wurde, dass Gantke sie auch zum Beruf machte.

Wie Markus Paßlick. Er gehört seit 30 Jahren fest zur bekannten Götz-Alsmann-Band und verfolgt dabei auch immer wieder eigene Projekte Der Percussionist hat während seiner Zeit auf der münsterischen Friedensschule die Faszination der Musik für sich entdeckt. „Da gab es einen gut ausgestatteten Musikraum, für den der Hausmeister den Schlüssel hatte. Da habe ich mich in den Pausen mit anderen Gleichgesinnten getroffen.“ Der 55-Jährige ist Autodidakt, hat erst spät, als es um das Erlernen spezieller Schlagtechniken für Bongos, Congas und Claves, Unterricht genommen. Musik, davon ist Paßlick überzeugt, verbindet – über Kulturgrenzen hinaus. „Und das Schöne dabei ist, dass gemeinsames Musizieren nichts mit Wettbewerb zu tun hat. Es ist einfach schön – und dafür muss man kein Virtuose sein.“

Michael Gantke steht als Musiklehrer an vorderster Front. Er kennt die Diskussionen um G8, weiß durch viele Gespräche mit den Eltern und seinen Schülern, wo der Schuh drückt. Prinzipiell sieht der 61-Jährige schon, dass durch die Ausdehnung des Schulunterrichts auf den Nachmittag die Freizeit für die Schüler geschrumpft ist. „Aber bei einem gut strukturierten Tag passt das Üben meistens noch mit rein“, ist der Musikpädagoge überzeugt.

Ähnlich sieht das Kollege Thomas Blanke. Er wünscht sich allerdings von den Steinfurter Schulen mehr Flexibilität, damit die Jugendlichen musikalische Angebote besser wahrnehmen können. „Da hapert es manchmal ganz gewaltig“, so seine Beobachtung. Als positive Beispiele fallen ihm die beiden Steinfurter Realschulen ein.

Die meistgestellte Frage, die Blanke von den Eltern hört? „Ist mein Kind musikalisch?“ Diese Frage müsse man grundsätzlich mit einem Ja beantworten. Wie weit es dann komme, hänge natürlich entscheidend davon ab, wie intensiv der Nachwuchs übe. „Viele Eltern glauben, dass es mit den Unterrichtsstunden getan ist“, weiß der Musikschulleiter. Ins selbe Horn stößt Michael Gantke. „Dabei ist die Rolle der Eltern ganz entscheidend. Sie müssen sich selbst die Frage stellen, wie sie ihr Kind unterstützen können.“ Das fange damit an, dass sie dem Instrumenten-Novizen einen ruhigen Übungsraum zur Verfügung stellen.

Ein ganz schwieriges Thema: Wie viel Druck verträgt mein Kind, wenn es partout nicht üben will? Michael Gantke: „Da ist Fingerspitzengefühlt gefragt.“ Wenn bei einem Jugendlichen die Entscheidung gereift sei, den Unterricht an den Nagel zu hängen, müsse das auch akzeptiert werden. Thomas Blanke von der Musikfabrik sieht im Gegenzug, dass die Bereitschaft, sich für sein Hobby langfristig zu quälen, nachlässt. „Das hat vielleicht mit der Menge an Angeboten zu tun, die sich für junge Menschen auftut.“ Und wenn es beim Üben gerade einmal nicht so rund laufe, bestehe die Gefahr, dass die Kinder abwanderten. „Zum Sportverein zum Beispiel, wo es mit dem Besuch der Trainingseinheiten getan ist.“

Michael Gantke kennt aber auch andere Beispiele: „Ich hatte eine richtig gute Musikschülerin, die mir mit Tränen in den Augen sagte, dass ihre Mutter ihr den Musikunterricht verboten habe.“ Der Grund: Die Tochter sollte sich mehr auf die Schule konzentrieren. Für den Musikpädagogen ist das falsch verstandener Ehrgeiz, die Kinder zu schulischen Höchstleistungen zu treiben.

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